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Österreich: Die sieben fetten Jahre sind vorbei

Sport - Österreich: Die sieben fetten Jahre sind vorbei

Die zweiten und entscheidenden Sprünge von Severin Freund (3.), Kenneth Gangnes (2.) und Tagessieger Peter Prevc in Zeitlupe (Reporter Stefan Bier).

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.12.2016, 13:22

Die Skispringer aus Österreich schafften mit sieben Gesamttriumphen in Folge die längste Siegesserie in der Geschichte der Vierschanzentournee. Doch diesmal braucht es bei den anstehenden Heimspringen in Innsbruck und Bischofshofen fast ein Wunder für einen neuerlichen Erfolg.

Selbst Titelverteidiger Stefan Kraft hat den österreichischen Kampf um die Fortsetzung der längsten Siegesserie in der Geschichte der Vierschanzentournee fast schon aufgegeben. "So wie die zwei jetzt springen, haben wir wohl keine Chance mehr", sagt Kraft mit Blick auf das Duell zwischen Neujahrssieger Peter Prevc (Slowenien) und Oberstdorf-Gewinner Severin Freund (Deutschland). Vor den beiden Tournee-Heimspringen in Innsbruck (Sonntag, 14 Uhr/live im ZDF) und Bischofshofen sieht es ganz so aus, als würde der Gewinner des Skisprung-Grand-Slams nach sieben Siegen in Folge diesmal nicht aus Österreich kommen. Der letzte nicht-österreichische Gesamtgewinner war der Tournee-Rekordsieger Janne Ahonen (Finnland) bei seinem Triumph 2008.

Letzte Hoffnung Hayböck

Kraft liegt mit 46,3 Punkten Rückstand auf Prevc bereits aussichtslos zurück. Die letzte Austria-Hoffnung ist Michael Hayböck, der als Gesamtdritter mit 21,1 Punkten Rückstand auf Prevc zumindest noch theoretische Chancen hat. „Warum sollte ich traurig sein? Ich freue mich, dass es jetzt vor das heimische Publikum nach Österreich geht und werde bis zuletzt fighten.“ Speziell die Schanze beim Finale in Bischofshofen liegt ihm, dort feierte der Oberstdorf-Zweite den bis dato einzigen Weltcup-Sieg seiner Karriere.

Freude bei Michael Hayböck
Michael Hayböck Quelle: imago

Der Hai auf dem Sprunghelm – passend zu seinem Namen – symbolisiert den Angriffsgeist des sympathischen Fliegers: „Ich hatte im Tauchurlaub mal eine Begegnung mit einem Hai. Das ist einfach ein cooles Viech.“ Aber selbst der österreichische ZDF-Experte Toni Innauer glaubt nicht mehr so recht daran, dass für „Haiböck“ tatsächlich noch reichen könnte. „21 Punkte Rückstand bei Halbzeit sind ganz selten aufgeholt worden. Ich würde es nicht zu 100 Prozent ausschließen, aber es geht schon in die Richtung, dass die österreichische Siegesserie zuende geht.“

Keine Enttäuschung, aber auch keine Magie

Das hat auch etwas damit zu tun, dass es bei dieser Tournee zumindest bislang kein Austria-Wunder gab. „Sie haben bislang auf gar keinen Fall enttäuscht. Aber in den letzten beiden Wintern ist bei der Tournee etwas Magisches mit den Österreichern passiert“, sagt Innauer. 2014 triumphierte völlig überraschend Newcomer Thomas Diethart. Der Hinterbänkler war nur durch den Sturz von Thomas Morgenstern in Titisee-Neustadt kurz vor der Tournee in Austria-Team gerutscht.

"Er hatte eine Riesenfreude, dass er überhaupt im Weltcup springen kann. Dann ist er plötzlich in die Weltspitze reingesprungen.  Und dann wird alles ein Selbstläufer, du weißt selbst nicht mehr, was passiert.  Er gewinnt die Tournee. Ausgerechnet vor mir. Dabei wäre er ohne meinen Sturz gar nicht dabei gewesen“, erzählt Morgenstern grinsend. Im vergangenen Winter schaukelten sich die Kumpels Kraft und Hayböck gegenseitig hoch und feierten einen umjubelten Doppelsieg.

Schlierenzauer außer Form

Das ist diesmal nicht so, und auch der zweimalige Tournee-Gewinner und Weltcup-Rekordsieger Gregor Schlierenzauer ist völlig außer Form. Platz 21 war sein schlechtestes Resultat aller Zeiten beim Neujahrsspringen. „Gewisse Dinge passen in meinem Sprung einfach nicht und dann beißt man sich einfach die Zähne aus. Das ist ähnlich wie beim Golf – mein Schwung ist derzeit nicht für Topleistungen geeignet“, sagt Schlierenzauer. Auch eine lange Wettkampfpause vor der Tournee half nichts, jetzt will er sich bei den beiden Tourneespringen in Österreich noch in Form für die Mitte Januar anstehende Skiflug-Weltmeisterschaft am heimischen Kulm bringen.

„Das hat er sicher ein gutes Stück selbst mit entschieden, denn es wäre auch eine Möglichkeit gewesen, nochmal zu trainieren und auf den Rest der Tournee zu verzichten. Aber so einem Topsportler kann man nichts verordnen“, analysiert Innauer. Schlierenzauer war genau wie der zurückgetretene Thomas Morgenstern ein echter Siegspringer. Dazu kamen akribische Trainingsarbeit, perfektes Material vorbildliche Talentausbildung im Skigymnasium von Stams und ein über die Jahre immer weiter gesteigerten Selbstverständnis als Gründe für die spektakulären Erfolge der Austria-Adler. Aufgebaut von Goldcoach Alexander Pointner und weitergeführt von seinem Nachfolger Heinz Kuttin.

„Sieben Siege in Folge sind schön, aber das es sechs verschiedene Österreicher waren, die in dieser Zeit triumphiert haben, ist noch beeindruckender. Die Generation ist schon sehr stark, jeder hat voneinander profitiert“, sagt Morgenstern: „Für so eine Serie muss alles passen: Trainer, Material. Und Glück musst du auch haben.“ Das scheint jetzt allerdings aufgebraucht.

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