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Notfalls in den Himalaya

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Sport - Notfalls in den Himalaya

Behalten die Klimamodelle recht, wird es in Deutschland von Nordwest nach Südost immer wärmer. Sichere Skigebiete sind dann nur noch das Erz-und Fichtelgebirge und der Bayerischer Wald.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.12.2016, 14:21

Absagen in Klingenthal, Schonach und Oberstdorf, Änderungen in Ruhpolding und Oberhof. Die wieder einmal viel zu warmen Temperaturen wirbeln einmal mehr das Weltcup-Programm der Wintersportler durcheinander. Gefragt sind innovative Lösungen.

Der letztjährige Sieger Stefan Kraft fand die frühlingshaften Temperaturen zumindest bei der Anreise zur Vierschanzentournee gar nicht so schlecht. "Letztes Jahr habe ich im Schneechaos acht Stunden gebraucht, diesmal waren es nur drei", sagte er mit einem Grinsen.

Absagen

Natürlich war das ironisch gemeint, denn Wintersportler brauchen nun einmal Schnee - und der ist bislang wieder einmal allzu rar. Die vier Springen der Vierschanzentournee wurden zwar gesichert, dafür mussten zum Beispiel die Anfang Januar geplanten Kombinierer-Weltcups in Klingenthal und Schonach oder die Alpin-Rennen am 9./10. Januar in St. Anton gestrichen werden.

Auch der Biathlon-Weltcup in Oberhof (7. bis 10. Januar) musste abgesagt werden, obwohl schon 50.000 Tickets verkauft worden waren. Der Weltcup findet jetzt in Ruhpolding statt, wo es dann vom 13. bis 17. Januar gleich noch den planmäßigen Weltcup geben wird.

Der Schnee-Trick

Dort in der Chiemgau-Arena haben sie das Wetter einfach schlau ausgetrickst: Im vergangenen Winter wurde ein riesiges Schneedepot angelegt und über Sommer wie Herbst gerettet. Auch das traditionelle Biathlon-Spektakel auf Schalke kurz vor dem Jahreswechsel ging problemlos über die Bühne - dank 4000 Kubikmeter Kunstschnee aus der Skihalle Neuss. "Wir sind der schneesicherste Ort in Deutschland", scherzte Moritz Beckers-Schwarz von der Schalke-Arena GmbH.

Keine Frage: Es sind innovative Lösungen gefragt, denn die Klimaerwärmung ist inzwischen auch unter den Meteorologen weitgehend unbestritten. "Der Dezember 2015 war der wärmste aller Zeiten", sagt Dieter Bayer von der ZDF-Wetterredaktion.

Rekord-Jahre

Das gesamte Jahr 2015 wird ebenfalls als eines der wärmsten in die Geschichte eingehen - gemeinsam mit dem Vorjahr 2014. "Die Temperaturkurve zeigt auch in Zukunft nach oben. Das ist aber ein Zickzackkurs um den Mittelwert herum. Es kann also sein, dass es auch mal richtig weiße Winter geben wird", sagt Bayer. So wie 2014, als Oberstdorf pünktlich zur Vierschanzentournee im Dauerschneefall versank und das Auftaktspringen um einen Tag verlegt werden musste.

Trotzdem könne man in niedrigeren Regionen - oft wird hier der Wert von etwa 800 Metern genannt - nicht mehr verlässlich für Wintersport planen. "Da muss man dann mit allen Tricks arbeiten - aber das kostet ja auch Geld", sagt Bayer.

Mobile Schneefabriken

Der Deutsche Skiverband (DSV) hat zum Beispiel zwei kleine, mobile Schneefabriken gekauft, in denen man auch bei sommerlichen Temperaturen Schnee produzieren kann. Wasser wird im Inneren der Container in Eis verwandelt und dann feingemahlen als eine Art Crushed Eis wieder ausgespuckt. So konnte zum Beispiel der Weltcup-Auftakt der Skispringer in Klingenthal im November gerettet werden.

Der Schnee aus diesen Anlagen reicht für den Auslauf der Skisprung-Schanzen. Aber vor allem für die die auf wesentlich mehr vom teuren Weiß angewiesenen Veranstalter von alpinen Weltcups oder Langlauf-Events reicht er nicht.

Gekürzte Tour de Ski

In Oberstdorf muss das Programm der Tour de Ski am 5. und 6. Januar auf einem verkürzten Kurs stattfinden, da rund 1500 von 4000 Kubikmetern vorproduzierten Schnees wieder weggetaut waren. Allerdings gibt es Hoffnung auf Naturschnee. Bayer: "Wir werden zum Jahresanfang eine kurze winterliche Episode in Deutschland erleben, bei dem voraussichtlich weite Teile unter einer Schneedecke verschwinden werden."

Das wird aber in Zukunft eher die Ausnahme bleiben. Bob, Rodeln und Skeleton sind mit ihren künstlichen Eiskanälen fein raus. Im Skisport sind dagegen immer innovativere Lösungen gefragt. Gianfranco Kasper als Präsident des Ski-Weltverbandes FIS setzt zum Beispiel auf die Erschließung neuer Märkte:"Wir müssen in Sachen Austragungsorte flexibler werden. Nepal und der Himalaya könnten irgendwann unsere letzten Ausweichmöglichkeiten sein." vierschanzentournee.com

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