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DFB-Favorit Infantino das kleinste aller Übel

Sport - DFB-Favorit Infantino das kleinste aller Übel

Festnahmen, Ermittlungen und eine Sperre gegen die beiden Mächtigsten im Weltfußball: UEFA-Präsident Platini und FIFA–Präsident Blatter. Befreit sich die FIFA 2016 von Korruption und Heimlichtuerei?

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.01.2017, 18:54

Ein Neuanfang sieht anders aus. Selbst die beiden Favoriten auf die Nachfolge von Sepp Blatter gehen nicht unbelastet ins Rennen um die FIFA-Krone. Hinter den Kulissen läuft der Stimmenfang vor dem Wahltag am 26. Februar. Die Methoden erinnern an bewährte und intransparente Konzepte aus der Blatter-Ära.

Mittlerweile sind es nur noch fünf, die Präsident der FIFA werden wollen – oder können. Amtsinhaber Sepp Blatter ist wegen undurchsichtiger Geschäfte ebenso für acht Jahre gesperrt wie der bisherige Chef des europäischen Verbandes UEFA Michel Platini. Vorauszusagen, wer am Ende das Rennen macht und den kriselnden Weltverband führt, ist höchst spekulativ, obwohl es zwei Favoriten gibt.

Fahndung nach schwarzen Konten

Nach zahlreichen Enthüllungen rund um den maroden Weltverband würde es kaum jemanden überraschen, wenn es bis zum Votum der 209 Mitgliedsverbände weitere unangenehme Enthüllungen gibt. Die Ermittler einiger US Behörden, so heißt es, arbeiten auf Hochtouren und durchforsten weitere Bankdaten auf der Suche nach schwarzen Konten und verdächtigen Geldbewegungen.

Bisher ließ sich weder bei den Wahl-Favoriten Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa (Bahrain) und Gianni Infantino (Schweiz) noch bei den Außenseitern, dem Jordanier Prinz Ali bin al-Hussein, dem Franzosen Jerome Champagne und dem Südafrikaner Tokyo Sexwale, etwas finden. Kein Grund, die Geduld zu verlieren, spötteln manche. In den knapp vier Wochen bis zum Wahltag kann noch einiges durcheinander purzeln.

DFB pro Infantino

Derweil läuft hinter den Kulissen der Stimmenfang. Der Deutsche Fußball Bund (DFB) will für den amtierenden UEFA-Generalsekretär Infantino votieren, wie die meisten Europäer und der Großteil Südamerikas. Zumindest im ersten Wahlgang.

Infantino, der neben vier anderen Sprachen arabisch spricht und für sich eine Brücke nach Nahost bauen könnte, lockt vor allem kleinere Verbände mit einem auf 40 Plätze erweiterten WM-Teilnehmerfeld und will zudem nicht nur in ein oder zwei Ländern spielen lassen, sondern "in einer ganzen Region" also beispielsweise eine WM auf einem Kontinent. Das kommt in Asien und Afrika gut an, öffnet aber, so Kritiker, Schiebereien und Bestechung weiter Tür und Tor.

Auf beiden Kontinenten kann jedoch Asien-Verbandschef Scheich Salman auf eine solide Gefolgschaft bauen (103 von 209 Stimmen). Er steht für das Misstrauen den Europäern gegenüber, von dessen mächtigen Verbänden sich einige im Rest der Welt bevormundet fühlen.  Salman aber muss sich mit Vorwürfen auseinandersetzen, er sei an Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat beteiligt gewesen. Belastbare Beweise liegen noch nicht auf dem Tisch und Europäer sowie internationale FIFA-Sponsoren scheuen die direkte Konfrontation. Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) mahnte, man dürfe Fußball nicht als rein europäische Angelegenheit betrachten.

Alles andere als Neuanfang

Salman, Infantino und Sexwale sind seit Jahren hervorragende Netzwerker – wobei Infantino als das "kleinste aller Übel" gilt, aber auch er tummelt sich seit 15 Jahren im korrupten FIFA und UEFA Apparat. Nach transparentem Neuanfang klingt keines der Kandidaten-Konzepte. Kontinental- und Nationalverbänden fehlt dazu die Entschlossenheit. Die undurchsichtigen Strukturen des Weltfußballs sind immer noch intakt – auch ohne Blatter und Platini. Der DFB, immerhin mitgliederstärkster Nationalverband, leckt nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach seine Wunden und hat keine Alternative zu bieten.

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