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Personalpuzzle für die Talentschau in Russland

Bundestrainer Joachim Löw beobachtet das Mannschaftstraining der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Sport - Personalpuzzle für die Talentschau in Russland

Die großen Namen werden fehlen, wenn Joachim Löw seinen Kader für den Confed Cup verkündet. Und weil parallel noch eine U21-EM stattfindet, kann auch nicht jeder aufstrebender Jungstar mit nach Russland reisen. …

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Häufig genug hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keine Kosten und Mühe gescheut, wenn der Kader für ein großes Turnier verkündet wurde. Vor der EM 2008 in Österreich und der Schweiz, plakativ mit dem Auftrag „Gipfelsturm“ versehen, fuhr der ganze Begleittross hinauf auf die Zugspitze, um die Namen der Auserwählten zu verkünden. Und noch vor dem letzten wichtigen Ereignis, der EM 2016 in Frankreich, ging es immerhin in die Französische Botschaft in Berlin. Vor der Kaderbekanntgabe der deutschen Nationalmannschaft für den Confederations Cup (17. Juni bis 2. Juli/ARD und ZDF) reicht am Mittwoch die DFB-Zentrale in Frankfurt.

Der Marktwert lässt sich nicht steigern

Wenn Joachim Löw zur Mittagszeit das Geheimnis um seinen Kader für die Russland-Reise lüftet, kommt ja ein Kompromiss heraus, der im Grunde die Organisatoren vor den Kopf stößt: Für den Weltmeister ist das Acht-Nationen-Turnier unter FIFA-Hoheit nur eine Talenteschau. Oder, wie der Bundestrainer sagen wird: „ein Perspektivturnier“. Natürlich will die Mannschaft sich in den Gruppenspielen gegen Australien (19. Juni), Chile (22. Juni) und Kamerun (25. Juni) nicht blamieren, aber den besten DFB-Kickern bleiben diese Spiele allesamt erspart.

Über Monate hatte Löw betont, dass er eine längere Erholungsphase in diesem Sommer für seine vielbelasteten Stars für unabdingbar hält. Was der 57-Jährige nicht verriet: Etliche Leistungsträger drängten über ihre Berater vehement auf eine Befreiung von einem Leistungstest Confed Cup, der Marktwert und Strahlkraft nur bedingt steigert, wen man sich schon Weltmeister (oder Champions-League-Sieger) nennen darf.

Auslandsstars haben frei

Und so ist es kein Zufall, dass Toni Kroos (Real Madrid), Sami Khedira oder Mesut Özil (FC Arsenal) allesamt die Beine hochlegen dürfen. Weil erstere beiden sich zudem im Champions-League-Finale am 3. Juni in Cardiff duellieren, bleiben ihnen auch gleich die Länderspiele in Kopenhagen gegen Dänemark (6. Juni) und die WM-Qualifikation in Nürnberg gegen San Marino (10. Juni) erspart.

Doch nicht nur die im Ausland angestellten Vielspieler fehlen, sondern bis auf Joshua Kimmich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch alle Leistungsträger des FC Bayern. Manuel Neuer ist ohnehin verletzt, Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller dürfen ziemlich sicher eine Sommerpause völlig ungewohnter Dimension genießen: Durch das Verpassen von DFB-Pokalfinale und Königsklassen-Showdown endet ihre Spielzeit bereits am Wochenende.

Borussia Dortmund wird als Lückenfüller nicht einspringen: Der eigentlich fest eingeplante Julian Weigl fällt mit seinem Sprunggelenksbruch kurzfristig aus, beim immer wieder von Verletzungen heimgesuchten Marco Reus zeigten sich Spieler und Verein wenig begeistert. „Wir werden sehen, was das beste im Sommer für mich ist. Auch im Hinblick auf die WM“, sagte Reus, der bislang allein bei der EM 2012 mitgespielt hat.

So könnte die Startelf aussehen

Gut möglich, dass zum ersten Gruppenspiel in gut einem Monat in Sotschi eine Anfangself mit Bernd Leno (Leverkusen) im Tor, eine Viererkette mit Kimmich, Niklas Süle (Hoffenheim), Antonio Rüdiger (AS Rom) und Jonas Hector (Köln) aufläuft, davor Emre Can (Liverpool) und Leon Goretzka (Schalke) die Doppel-Sechs bilden, während sich Julian Brandt (Leverkusen), Lars Stindl (Mönchengladbach), Armin Younes (Amsterdam) und Timo Werner (Leipzig) um die offensive Ausrichtung kümmern.

Der formstarke Torgarant Stindl und der freche Flügelflitzer Younes, der als Stammspieler bei Ajax das Europa-League-Finale erreicht hat, könnten die einen Überraschungsgäste im Aufgebot sein, ein weiterer könnte Max Kruse (Bremen) heißen, der eigentlich bei Löw wegen privater Eskapaden aussortiert war. Denn unbegrenzt ist das Reservoir der Nachrücker eben nicht, da fast zeitgleich noch die U21-EM in Polen stattfindet.

Personalpuzzle für U21-EM

Und für das vom 16. bis 30. Juni in Polen terminierte Turnier hat sich U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz vorgenommen, mal wieder einen Nachwuchstitel für Deutschland zu gewinnen. Gut möglich, dass von Löw bereits getestete Hochbegabte wie Serge Gnabry (Bremen) sich erst einmal dort beweisen sollen. Das Personalpuzzle soll ziemlich kompliziert gewesen sein, weshalb auch Sportdirektor Horst Hrubesch eingebunden war: Der 66-Jährige gilt als ein Mann des Ausgleichs. Und Kompromisse sind zwingend nötig für ein Turnier, das übrigens DFB-Chef und Fifa-Vorstand Reinhard Grindel bereits offiziell für in der Zukunft überflüssig erklärt hat.

Confed Cup: Modus, DFB-Bilanz, Stadien, Spielplan

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