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Schluss mit lustig für deutsche Schwimmer

Schwimmen - Deutsche Meisterschaften in Berlin vom 15. bis 18. Juni

Seit dem Doppel-Gold von Britta Steffen 2008 haben Deutschlands Schwimmer kein einziges olympisches Edelmetall mehr aus dem Wasser gefischt. Die Folgen daraus sorgen nun für reichlich Wirbel in der Branche – und verschärfte Anforderungen bei den nationalen Meisterschaften.

Schwimmbundestrainer Henning Lambertz
Schwimmbundestrainer Henning Lambertz Quelle: dpa

Seit dem zweiten olympischen Debakel in Folge fährt Henning Lambertz einen harten Kurs, doch zwischendurch lässt der Chefbundestrainer auch noch mal eine weiche Welle durch den nationalen Schwimmsport schwappen. So gibt es bei den deutschen Meisterschaften, die heute in Berlin beginnen, eine ausgesprochen sanfte Hürde für alle U23-Kandidaten: Wer im Juli zur WM will, muss die Zeiten vorlegen, die der Weltverband als Minimalvorgabe für die Teilnahme an den Titelkämpfen ansetzt.

Zügel deutlich angezogen

„Die Jungen sollen einen erleichterten Einstand in die Nationalmannschaft haben“, begründet Lambertz im Gespräch mit zdfsport.de diese dezenten Grenzwerte. Den etablierten Akteuren dagegen macht der 46-Jährige nun richtig Dampf: Bei ihnen muss für das WM-Ticket nach Budapest im Finale die Zeit des Endlauf-Achten bei den Spielen in Rio her.

„Ich bin da erst mal zwiegespalten, denn diese Normen schüttelt man nicht so einfach aus dem Ärmel“, kommentiert Marco Koch. Ehe der Weltmeister über 200 Meter Brust von 2015 gegenüber zdfsport.de. ergänzt: „Die Zügel wurden nach Rio schon deutlich angezogen. Aber noch nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Mal sehen, was die Zukunft bringt.“

Komplizierte Flucht

Die Vergangenheit jedenfalls gefiel Henning Lambertz gar nicht. Deshalb hat der Schwimm-Bundestrainer im September 2016 ein verschärftes Krafttraining eingeführt, zudem treibt er gemeinsam mit dem DSV die Zentralisierung seiner Sportart voran. Einige in der Branche bringt das auf die Palme, der Attackierte aber verweist auf die fruchtlosen Bemühungen der letzten Jahre und kontert scharf: „Wer nicht den Mut aufbringt, die alten Systeme loszulassen, hat im Moment leider keinen Platz an meiner Seite.“

Die Flucht aus dem internationalen Schattendasein ist nach Rücktritten von Topkräften wie Paul Biedermann oder Steffen Deibler kompliziert genug. Zuletzt musste Lambertz aber auch ernüchtert feststellen, dass kein einziger Kandidat im Land die Norm für die Jugend-EM erfüllt hat. „Schon unten entsteht, was wir oben spüren“, seufzt der gebürtige Neusser – und fügt hinzu: „Das gilt trotz oder aufgrund vieler bisheriger Freiheiten im Nachwuchsbereich.“

Von 2020 auf 2024 verschoben

Lambertz bemängelt nicht zuletzt die fehlende Kommunikation seitens einiger Trainerkollegen. Deshalb agiert der DSV nun in erster Linie mit den vier Kernstützpunkten in Hamburg, Essen, Heidelberg und Berlin – inzwischen allesamt besetzt mit hauptverantwortlichen Trainern, die der neuen Linie folgen. „Dafür bin ich sehr dankbar“, kommentiert der Bundestrainer, der wegen der harten Normen mit nur sechs WM-Qualifikanten in der offenen Klasse rechnet. Plus zehn bis zwölf Nachwuchsschwimmer.

Parallel dazu rückt der rigorose Abteilungsleiter von seinem ursprünglichen Plan, die deutschen Pool-Spezialisten bis Olympia 2020 zurück in die Weltspitze zu führen, bereits ab. „Die Frage, ob wir unsere sportlichen Ziele auf 2024 verschieben müssen, muss ich fast bejahen“, gesteht Lambertz. Denn: „Mit welchen Namen sollen wir die Medaillen in drei Jahren gewinnen? Fakt ist, dass wir nach heutigem Stand keinen einzigen Schwimmer als klaren Medaillenkandidaten für Tokio bezeichnen dürfen. Selbst Marco Koch nicht.“

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