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U21: Zulieferbetrieb auf der Überholspur

Vor der Auslosung zur U21-EM 2019

Siegesserie, beste Stimmung, Teamgeist: Nicht viel spricht gegen die Favoritenrolle des deutschen Nachwuchses bei der U-21-EM 2019. Am Freitag werden in Bologna die Gruppen ausgelost. Das perfekte Jahr aber ist kein Grund für den Titelverteidiger, sich auszuruhen – findet zumindest Trainer Stefan Kuntz.

Stefan Kuntz mit dem U21-EM-Pokal von 2017
Stefan Kuntz mit dem U21-EM-Pokal von 2017
Quelle: dpa

Vergleiche mit der A-Nationalmannschaft und Joachim Löw findet Stefan Kuntz ausdrücklich albern. Dass ihn aber jemand fragt, ob er nicht der bessere Bundestrainer wäre, darauf hat sich der 56 Jahre alte Saarländer vorbereitet.

Kuntz mittlerweile etabliert

„Wir haben einen sehr guten Bundestrainer“, antwortete er und findet „cool“, dass Löw junge Talente einbaut. Und zwar die aus der U21. Trotzdem: Kontrastreicher könnten die Bilanzen beider Teams derzeit kaum ausfallen. Dort Löws Elf, bei der WM gescheitert und in die B-Gruppe der Nations League abgestiegen. Hier der muntere Haufen der U21, der nach dem EM-Titel 2017 ungeschlagen zur EM 2019 stürmte.

Dazu ein Trainer, der 12 Jahre lang als Klubchef am Schreibtisch saß und nach seiner Berufung zum U21-Coach im August 2016 eher Vorbehalte denn Jubel hervorrief. Bis Kuntz 2017 die EM gewann. Heute gilt der Ex-Stürmer als unverzichtbarer Baustein im Trainerstab.

A-Team abhängig vom Nachwuchs

Dass die Krise rund um das A-Team, ausgelöst durch den unvermeidlichen Umbruch nach dem WM-Debakel, den Blick auf den erfolgreichen Nachwuchs lenkt, sieht Kuntz als Normalfall. Dennoch schien das A-Team nie abhängiger vom „Ertrag“ bei der U21 als heute.

Der deutsche Nachwuchs ist Zulieferbetrieb, der nicht nur in Krisenzeiten weit in die Zukunft denken muss. „Wir müssen uns jetzt um die kümmern, die 2024 die EM in Deutschland für Deutschland spielen“, sagt „Quereinsteiger“ Kuntz.

Die Lücke danach

Dass der aktuelle deutsche Nachwuchs in den Altersgruppen 16,17 und 18 bestens aufgestellt scheint, weiß keiner besser als er. „Jetzt geht es um die Lücke danach“, sagt Kuntz und fordert, man müsse sich nun um die 10- bis 13-Jährigen kümmern.

Es reiche nicht an einer Stellschraube in der Ausbildung zu drehen. Mehr Individualität ist gefordert. Die Kleinen sollen wieder dribbeln dürfen und selbst ausprobieren. Heute räume man dem Nachwuchs „zu viele Konflikte aus dem Weg“, meint Kuntz und sagt: „Die wollen selbst lernen, wie das Leben geht."

Entwickler-Qualitäten gefragt

Der Job des U21-Trainers ist der eines Entwicklers. Kai Havertz, U21-Kapitän Jonathan Tah und Thilo Kehrer könnten noch für die Junioren spielen, werden aber wohl im A-Team gebraucht. Am Ende jedoch entscheidet der Bundestrainer darüber, wer befördert wird und „wem eventuell noch Turniererfahrung oder das Kapitänsamt gut tut“.

Kuntz ist gerne Teamplayer. Der ehemalige Klubchef des 1. FC Kaiserslautern wird als „Spieler-Versteher“ beschrieben, der das große Bild im Kopf hat und sich als Teil des Ganzen sieht. „Früher hatten wir fünf bis sechs Toptalente, heute sind es höchstens zwei bis drei“, mahnt Kuntz und glaubt die „Bolzplatz-Mentalität“ ist abhandengekommen. Im Training wäre eine „Straßenfußball-Atmosphäre“ neben grundsätzlichen Inhalten hilfreich.

Aufstieg in ein raues Klima

Die Stimmung beim Nachwuchs ist bestens. Das liegt nicht nur am Erfolg, sondern auch an der Aussicht, vielleicht bald für höhere Aufgaben herangezogen zu werden. Dass der Aufstieg in ein raueres Klima gut gelingt, ist der Job von Kuntz. „Wir haben ein Stimmungslevel, dass es allen leicht macht, sich einzufügen“, sagt er und meint die U21. Im A-Team, so hofft er, könnte das dank der Nachwuchskicker bald auch wieder so sein.

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