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Testen auf hohem Niveau

Frauenfußball-Länderspiel Deutschland - Österreich

Die österreichische Frauen-Nationalmannschaft hat zwar die Qualifikation für die WM verpasst, will die Fortschritte aber im Länderspiel gegen Deutschland in Essen (Samstag, ab 13:45 Uhr/live im ZDF und bei zdfsport.de) demonstrieren. Der Großteil des Kaders spielt nicht umsonst in der Frauen-Bundesliga.

Laura Feiersinger und Verena Aschauer (r)
Laura Feiersinger und Verena Aschauer (r)
Quelle: imago/GEPA pictures

Laura Feiersinger kann sich noch gut erinnern, wie das damals in ihrer Schulzeit in Saalfelden gewesen ist: „Die eine Hälfte der Klasse ist zum Skifahren gegangen, die andere zum Biathlon.“ Nur sie hatte da bereits andere Präferenzen. „Mir war immer zu kalt im Winter“, erzählt sie. Folglich zog sie es ausgerechnet in einem der typischen österreichischen Wintersportorte vor, Fußballerin zu werden. Genau wie ihr Vater Wolfgang übrigens, der unter anderem auch bei Borussia Dortmund am Ball war.

Viele Bundesliga-Legionärinnen im ÖFB-Team

Die 62-fache österreichische Nationalspielerin erzählte diese Episode kürzlich bei der Saisoneröffnungspressekonferenz des Frauen-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt, bei der die 25-Jährige gemeinsam mit ihrer Auswahlkollegin Verena Aschauer vorgestellt wurde. Insgesamt stehen 15 Spielerinnen aus der Frauen-Bundesliga im Aufgebot des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB), das sich im oberösterreichischen Mühldorf auf das Länderspiel gegen Deutschland vorbereitet hat.

Das Testspiel im Stadion Essen soll dazu dienen, „um zu sehen, wo wir stehen“, erklärt Feiersinger. Und Aschauer, mit der Feiersinger vor acht Jahren beim Herforder SV ihre Mission in Deutschland begann, ergänzt: „Beim letzten Aufeinandertreffen hat man gesehen, dass wir Deutschland ärgern können, wenn es für uns gut läuft. Sie waren nicht um Welten besser.“ Bei der bisher einzigen direkten Begegnung am 22. Oktober 2016 unterlag die ÖFB-Elf mit 2:4.

EM-Erfolg löst Hype aus

Die Partie fand im Vorlauf zur EM 2017 in den Niederlanden statt, wo es unterschiedlicher nicht hätte laufen können. Während der Titelverteidiger Deutschland im Viertelfinale scheiterte und in eine tiefe Sinnkrise rutschte, stürmte der Novize Österreich bis ins Halbfinale und löste in der Heimat einen wahren Hype aus. Die Einschaltquoten beim ORF (überträgt auch das Deutschland-Spiel) brachen alle Rekorde, der Empfang nach der Rückkehr geriet fast zum Staatsakt. „Ich denke noch sehr oft an die unheimlich gute Zeit zurück“, gesteht Feiersinger.

Die Sequenzen der fröhlich feiernden Party-Mädels aus der Alpenrepublik wurden auch hierzulande gewürdigt und wahrgenommen, wobei es zu leicht wäre, den Erfolg 2017 nur der Fröhlichkeit und Unbeschwertheit zuzuschreiben. Sukzessive hat der österreichische Frauenfußball an Qualität hinzugewonnen und demonstriert Fortschritte auf allen Ebenen.

Thalhammer ist der Baumeister

Als einer der wichtigsten Langzeit-Treiber gilt Nationaltrainer Dominik Thalhammer, der mit seiner bodenständigen Sachlichkeit bisweilen das Kontrastprogramm zu seinen extrovertierten Spielertypen wie Torfrau Manuela Zinsberger (FC Bayern) wirkt. Dementsprechend fokussiert gibt sich der 48 Jahre alte ÖFB-Teamchef vor dem Deutschland-Duell: „Das Spiel hat eine große Bedeutung für uns, weil wir gegen eine der besten Mannschaften der Welt spielen. Das ist für unsere Entwicklung extrem wichtig.“ Denn nicht alle seiner Nationalspielerinnen sammeln beispielsweise in der Women’s Champions League Erfahrungen wie Abwehrspielerin Carina Wenninger, eine weitere Leistungsträgerin beim deutschen Vizemeister FC Bayern.

Die verpasste Qualifikation für die WM 2019 in Frankreich war für den Reifeprozess der ÖFB-Auswahl insofern ein herber Stimmungsdämpfer. Der FIFA-Weltranglisten-21. leistete sich gegen Serbien einen Ausrutscher (1:1), verlor danach zu Hause gegen Spanien (0:1) und verspielte sogar die Playoff-Runde mit den vier besten Gruppenzweiten. Umso mehr wird nun die EM 2021 das nächste Fernziel, für deren Austragung England Interesse angemeldet hat.

ÖFB-Frauen haben aufgeholt

„Vieles hat sich durch die EM 2017 verbessert. Aber mit Deutschland vergleichen kann man Österreich noch lange nicht. Es geht voran, langsam, aber es geht voran“, erläutert Aschauer, die genau wie Feiersinger lange beim SC Sand spielte. Dort ist beispielsweise mit Nina Burger die mit 104 Länderspielen und 52 Toren doppelte Rekordhalterin beheimatet. Als weitere Leistungsträgerin zählt Vereinskollegin Nadine Prohaska, die nicht mit dem berühmten Herbert Prohaska verwandt ist. Die 86-fache Auswahlspielerin kündigt an: „Auf jeden Fall wollen wir die Deutschen ein wenig ärgern.“

Die langjährige Deutschland-Legionärin und Kapitänin Sarah Puntigam, im Sommer vom SC Freiburg zu HSC Montpellier gewechselt, erklärt: „Spiele gegen Deutschland sind immer etwas Besonderes, weil wir auf viele aktuelle und ehemalige Vereinskolleginnen treffen.“ Dass so viele Akteure in der Frauen-Bundesliga beheimatet sind, ist kein Zufall, denn hier ist Lernen auf hohem Niveau am besten möglich.

Frauenbundesliga ist am attraktivsten

Man sehe zwar, dass andere Vereine im Ausland aufrüsten würden, aber in Frankreich oder Italien gäbe es beispielsweise nur wenige Topteams, der Rest falle deutlich ab, so Feiersinger. Wer anspruchsvolle Ziele verfolge, sei in Deutschland besser aufgehoben. Und weiter: „Die taktischen und athletischen Anforderungen sind hier am höchsten. Deutschland hat noch die attraktivste Liga der Welt.“

Sport | ZDF SPORTextra - Frauenfußball-Länderspiel Deutschland - Österreich

Das Frauentestspiel Deutschland gegen Österreich aus dem Stadion Essen in voller Länge. Reporterin ist Claudia Neumann, Moderation: Sven Voss.

Videolänge:
128 min
Datum:
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