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Von Anfang an knifflig

Bayern München geht mit vielen Fragezeichen in neue Saison

Titelverteidiger FC Bayern eröffnet gegen Hertha BSC eine Bundesligasaison, in der der Umbruch beim Rekordmeister noch bevorsteht. Trainer Kovac geht sein schweres zweites Jahr mit neuem Selbstbewusstsein an – trotz oder gerade wegen der Mühen auf dem Transfermarkt.

FCB-Trainer Niko Kovac beobachtet das Mannschaftstraining
Niko Kovac beobachtet das Mannschaftstraining.
Quelle: imago

Vor allem um die Gegenwart und nähere Zukunft geht es Trainer Niko Kovac gerade, um Bayerns Meistertitel Nummer 30 und Pokaltitel Nummer 20. Ginge es dabei nach der Statistik, könnten die Prognosen schon an diesem Freitagabend hinfällig sein: Seit 2012 gewann der FC Bayern immer sein erstes Spiel einer neuen Bundesligasaison - und wurde dann stets Meister. Sollte gegen Hertha BSC (20.30 Uhr, live im ZDF) der achte Startsieg folgen, wäre der achte Ligatitel in Serie demnach logisch.

Die Prognosen sehen aber einen engen Kampf mit dem verstärkten Herausforderer Borussia Dortmund voraus.

Der Nachteil von Statistiken und Prognosen ist, dass sie sich nicht auf die Gegenwart beziehen, sondern auf die Vergangenheit oder Zukunft. Wie sie letztere vorbereiten sollen und können, wissen sie bei den Bayern aber weiterhin nicht so genau. Mit Flügel- und Zentrumsspieler Philippe Coutinho vom FC Barcelona? Mit Stürmer Mario Mandzukic von Juventus Turin? Vielleicht noch mit einem Sechser? Vieles ist offen vor dem 2. September, wenn der Transfervorhang fällt.

Umbruch im Team und in der Chefetage

Derzeit sieht es so aus, als könne es von Anfang an ein kniffliges zweites Amtsjahr für Kovac werden, weil der Umbruch noch bevorsteht. Im Kader wie auf der Führungsebene, aus der sich Kovacs Fürsprecher, Präsident Uli Hoeneß, voraussichtlich zunehmend zurückziehen wird, ehe Oliver Kahn vom 1. Januar an zum Nachfolger von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge aufgebaut werden soll.

Dass auch der sportliche Teil des Umbruchs noch aussteht, wird voraussichtlich an der Startelf abzulesen sein, die Kovac gegen die Hertha aufbieten wird. Gut möglich, dass zunächst keiner der bisherigen vier Zugänge Lucas Hernández (noch nicht voll belastbar), Benjamin Pavard (noch nicht voll integriert), Ivan Perisic (gesperrt) und Talent Jann-Fiete Arp (bestenfalls auf der Bank) spielen wird.

Statt mit Pavard wird in der Innenverteidigung neben Niklas Süle eher mit Jérôme Boateng gerechnet, dem Hoeneß bei der Doublefeier im Mai dringend empfohlen hatte, das Weite zu suchen. Ebenso legendär sind bereits die vollmundigen Ankündigungen zur Transferoffensive, die bisher statt des geplanten Königstransfers Leroy Sané von Manchester City nach dessen Kreuzbandverletzung allein Leihspieler Perisic von Inter Mailand hervorgebracht hat.

Kovac gibt Druck zurück

Umso erstaunlicher mutet es an, dass Kovac mit neuem Selbstbewusstsein auffällt – trotz oder vielleicht gerade wegen der Transfermühen. "Wir wollen das Double verteidigen und international besser abschneiden als letzte Saison", sagte er schon kurz nach dem Trainingsauftakt, ganz auf Linie mit dem immer wieder als Kovac-Skeptiker aufgefallenen Rummenigge.

Zugleich fordert der Trainer mit Nachdruck Verstärkungen für seine Belegschaft mit nur 18 Feldspielern, damit mehr als das Achtelfinal-Aus in der vergangenen Champions-League-Saison realistisch ist. Und als Kovac bei der Präsentation seines Wunschspielers Perisic scherzte, "ich war ja auch die B-Lösung, und wir haben das Double geholt", klang der Trainer, als setze er sich zunehmend über den Dauerdruck aus der Chefetage hinweg - und gebe diesen dorthin zurück. Zumal die Klublenker es trotz viel Vorlaufs noch nicht geschafft haben, ihre Aufgabe Kaderumbau umzusetzen – und nun auf zunächst abgelehnte Vorschläge von Kovac zurückgreifen, wie seine Landsleute Perisic und womöglich auch Mandzukic.

Den Kroaten, von 2012 bis 2014 beim FC Bayern, wolle Kovac unbedingt, berichtete der kicker. Wie Perisic stünde auch Mandzukic zwar nicht für die Zukunft, dafür aus Kovacs pragmatischer Sicht für das machbare und kostengünstige Ziel, Spieler zu holen, "die den Kader nicht nur auffüllen, sondern besser machen". Und zwar mit ihrer Erfahrung aus der Vergangenheit in der Gegenwart – und zumindest auch näheren Zukunft.

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