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Ein Team für die Zukunft

Para-Leichtathletik-EM in Berlin

Die deutschen Para-Leichtathleten wollen bei ihrer EM im Berliner Jahnstadion vom 20. bis 26. August mit einer großen Mannschaft sportlich überzeugen und die Begeisterung für den Behindertensport weiter schüren.

Niko Kappel jubelt (Archivbild)
Kugelstoßer Niko Kappel
Quelle: dpa

Das Berliner Olympiastadion ist noch eine Nummer zu groß, aber die deutschen Para-Leichtathleten hoffen, dass der Funke der Begeisterung von der EM der Nichtbehinderten zu ihren Europameisterschaften im knapp 20.000 Zuschauer fassenden Jahnstadion überspringt. Dort messen sich ab dem 20. August eine Woche lang 38 Sportler und ein Guide des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) mit der übrigen Elite Europas. Rund 650 Athletinnen und Athleten aus mehr als 35 Nationen werden erwartet, sie treten in 191 Wettbewerben gegeneinander an.

Die üblichen Verdächtigen

Im deutschen Team seien die „üblichen Verdächtigen“ für die Erfolge zuständig, sagt Bundestrainer Willi Gernemann. Allen voran also Prothesen-Weitspringer Markus Rehm, der kleinwüchsige Kugelstoßer Niko Kappel, 200-Meter-Sprinterin Irmgard Bensusan (Teillähmung im rechten Unterschenkel) oder Kugelstoßerin Birgit Kober (Koordinationsstörung und linksseitige Spastik). Alle vier haben in diesem Jahr schon Weltrekorde aufgestellt.

Die EM-Mannschaft der deutschen Para-Leichtathleten ist fast doppelt so groß wie das WM-Team im vergangenen Jahr. „Wir haben viele Junioren nominiert, sie sollen Wettkampf-Erfahrung für die Paralympics 2020 in Tokio sammeln“, erklärt Gernemann. „Sie müssen mal erleben, wie das ist, wenn die Fahnen wehen und die Musik laut spielt.“ Vor zwei Jahren in Rio war sein Team so erfolgreich wie nie. „Platz vier im Medaillenspiegel und ein deutlicher Zuwachs an Top-Drei-Platzierungen, das war richtig gut“, sagt Gernemann. Auch für Tokio sei er noch optimistisch, doch in den Jahren danach könnte es schwierig werden. Zwar gehe es insgesamt beständig aufwärts für den Behindertensport, aber in Sachen Talentfindung- und Förderung sei noch immer dringend eine professionelle Weiterentwicklung nötig.

Verzahnung mit Nicht-Behinderten immer besser

Athleten wie Markus Rehm, Niko Kappel oder auch Prothesensprinter Heinrich Popow sind ein Segen für den Sport. Sie sind bekannt, in der Öffentlichkeit präsent (Popow etwa zuletzt bei „Let’s Dance“, Kappel zusammen mit dem Kollegen Mathias Mester während der Paralympischen Winterspiele 2017 mit dem ARD-Format „Zwei Halbe im Ersten“), werden gut von Sponsoren unterstützt. Auch klappt der Brückenschlag zum Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) immer besser. Bei dessen Deutschen Meisterschaften in Nürnberg bestritten in diesem Jahr sechs Para-Kugelstoßer einen Show-Wettkampf und Athleten wie Rehm oder seine Kollegen Felix Streng und Johannes Flors nahmen nach erfüllter Norm zwar außerhalb der Wertung, aber doch ganz selbstverständlich an den Wettkämpfen teil.

Willi Gernemann mahnt dennoch an, dass Erfolge als Leistungssportler nur möglich seien, wenn es „die richtigen Anreize“ gebe. Heißt: Die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Und die Chance, Sport und einen beruflichen Werdegang zu kombinieren. Beides sei nach wie vor rar im Behindertensport. Der Bundestrainer würde sich eine noch engere Verbundenheit zwischen Para-Leichtathletik und Nichtbehinderten-Leichtathletik wünschen. Wie in den USA, Großbritannien oder Kanada, wo alle Leichtathleten in einem Verband organisiert sind und alle Medaillen gleichwertig gefeiert werden. Immerhin habe es in Rio ja auch für deutsche Sportler schon dieselben Medaillen-Prämien bei Olympia und Paralympics gegeben. „Aber die Trainerprämien haben sich noch immer unterschieden“, sagt Gernemann. Behindertensport-Trainer bekamen weniger – und sind zudem nur sehr selten hauptamtlich beschäftigt.

Von der EM profitieren

Die EM im Berliner Olympiastadion hat Willi Gernemann verfolgt. „Das war natürlich fantastisch, eine tolle Werbung für unseren Sport“, sagt er. Und er hofft: „Vielleicht schwappt etwas von der Spannung und der Euphorie zu uns rüber. Und vielleicht kommt die Bundeskanzlerin ja zu uns, nachdem sie die EM der Kollegen verpasst hat.“

Para-EM im ZDF

  • Fr., 24.8., ab ca. 22:45 Uhr Zsfg. in SPORTextra (nach dem Bundesliga-Spiel Bayern – Hoffenheim)
  • Sa., 25.8., ca. 14:40 - 16:00 Uhr zdfsport.de-Livestream, Zsfg. in SPORTextra
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