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Alexander Zverev: Neues Jahr, alte Probleme

Tennis: Australian Open in Melbourne

Nach seiner Seuchensaison will der beste deutsche Tennis-Profi beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Melbourne angreifen. Doch Zverev hat aus seinen Fehlern immer noch nicht gelernt.

Alexander Zverev
Alexander Zverev
Quelle: dpa

Gewonnen hat Alexander Zverev 2020 noch kein Tennis-Match, dafür knackte er aber bereits eine Bestmarke. Auf dem azurblauen Boden der Rod-Laver-Arena im Melbourne Park hatte Zverev dieser Tage aus Tennisbällen die Ziffer "1" und den Buchstaben "M" geformt - symbolisch für eine Millionen Fans bei Instagram. Und die konnten in den vergangenen acht Wochen auf hübsch inszenierten Hochglanzbildern mitverfolgen, wo sich der 22-Jährige nach einer Saison zum Abhaken überall herumgetrieben hatte.

Statt die ohnehin kurze Pause zu nutzen, um den Kopf frei zu kriegen und den dringend nötigen Neustart einzuleiten, machte sich Zverev nach den Tour-Finals in London Ende November erstmal mit Roger Federer zu einer Schaukampftour quer durch Südamerika auf - vier Länder in sieben Tagen. Und weil's so schön war, flog er mit dem Schweizer Superstar vor dem Jahreswechsel für das nächste Exhibition-Match drei Tage nach China. Und das, obwohl Zverev konstant jammert, der Turnierkalender sei ja viel zu voll und die Vorbereitungszeit viel zu kurz. Gelernt hat Zverev aus seinen früheren Fehlern offensichtlich nicht. Seine Winterpause war sicherlich lukrativ, frische Kräfte weckte sie wohl kaum.

31 Doppelfehler in drei Matches

So begann der Weltranglistensiebte dann die neue Saison auch in desolater Form beim neu installierten ATP Cup im australischen Brisbane. Es setzte drei krachende Niederlagen für Zverev bei diesem Nationenturnier. Und sofort war offensichtlich, dass der gebürtige Hamburger seine alten Probleme mit ins neue Jahr geschleppt hatte. 31 Doppelfehler unterliefen Zverev in diesen drei Partien, seine erste Aufschlagquote war eklatant schwach. Insgesamt hatte er es 2019 auf fast 400 Doppelfehler gebracht, auf doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Zverev haderte und meckerte, und das einzige Mal, dass beim ATP Cup seine Quote stimmte, war, als er exzessiv und ausdauernd seinen Schläger zertrümmerte - denn die Fans in den sozialen Netzwerken liebten seinen Ausraster.

"In Brisbane wusste ich wirklich nicht, was ich machen sollte", sagte Zverev nun in Melbourne: "Ich war hektisch, ich war unruhig, ich hatte Probleme, die ich nicht lösen konnte. Und ich habe noch nie vor einem Grand Slam so schlecht gespielt." Dabei sollte in dieser Saison doch alles wieder besser werden für ihn, der seit frühester Jugend als kommender Champion gehypt wurde. Aber der sich bisher schwer tut, sein Potenzial bei den Grand Slams abzurufen. Auf ein Vorbereitungsturnier verzichtete Zverev in Australian, rackerte lieber auf dem Trainingsplatz im Melbourne Park.

Kritik von Boris Becker zur Trainerfrage

"Ich habe hart gearbeitet. Ich habe in dieser Woche mehr trainiert als jeder andere, fünf, sechs, sieben Stunden täglich", betonte Zverev. An seiner Seite ist wieder sein Vater, Alexander Zverev senior, den er in Brisbane noch wüst und für alle hörbar während eines Matches angeschnauzt hatte. Boris Becker rät Zverev zu einem neuen Trainer, will den Job selbst aber nun doch nicht machen und glaubt zudem, Zverev sei ein "Fall für den Psychologen". Seine negative Art auf dem Platz sei zu destruktiv. Aber der 22-Jährige wehrte sich: "Ich habe den Eindruck, dass ich mein Tennis selbst auf dem Platz finden muss."

Seine Augenoperation wegen einer Hornhautverkrümmung hatte Zverev jedenfalls noch nicht den richtigen Durchblick verschafft. Am Dienstag in der ersten Runde der Australian Open wird sich gegen den Italiener Marco Cecchinato zeigen, ob Zverev seine Einstellung und seine Form gefunden hat. Seinen eine Millionen Fans bei Instagram gab er zumindest ein Versprechen: "Ich kann nicht versprechen, dass ich jedes Mal gewinnen werde, aber ich verspreche, dass ich mein Bestes geben und nicht aufgeben werde bis zum letzten Schlag." Sollte er das tun, wäre es ein großer Schritt in die richtige Richtung.

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