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WADA vor richtungsweisendem Urteil

Russischer Doping-Skandal

Am Montag entscheidet das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur über neuerliche Sanktionen gegen Russland. Wegen dreister Daten-Manipulationen fordert eine unabhängige Prüfkommission eine vierjährige Sperre.

WADA-Schild an der Wand
Quelle: ZDF

Vor anderthalb Jahren hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Russland-Affäre mit aller Macht für beendet erklärt. Drei Tage nach dem Ende der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang hob das IOC seine Sperre gegen Russland auf. Die Ringe-Organisation mit ihrem deutschen Präsidenten Thomas Bach wollte die Schattenseite des internationalen Spitzensports endlich wieder in die Abgeschiedenheit verbannen, wollte zurück zu Glanz und Glamour sportlicher Großtaten. Doch Russland manipulierte munter weiter.

Falsche Daten

Und nun steht am Montag in Lausanne eine Entscheidung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) an, die alle bisherigen Strafen gegen Russland in den Schatten stellen könnte.

Bedingung für die Wiederaufnahme Russlands in die Weltsportgemeinde war die Herausgabe von Daten aus dem Moskauer Dopinglabor, das über Jahre kein Ort der Aufdeckung von Dopingvergehen, sondern Zentrale der Vertuschung russischen Staatsdopings gewesen war. Russland rückte die Daten nach langem Hickhack raus – allerdings stark verfälscht. Die Daten seien „weder komplett noch authentisch“, teilte die WADA mit. Offenbar sind sogar gefälschte Hinweise platziert worden, um Grigorij Rodtschenkow, früherer Leiter des Labors und später wichtiger Whistleblower in dem Skandal, die Schuld zuzuschieben.

Drastische Sanktionen gefordert

Eine unabhängige Prüfkommission hat dem Exekutivkomitee der WADA nun drastische Sanktionen gegen den Wiederholungstäter Russland empfohlen: Unter anderem soll die Russische Anti-Doping-Agentur RUSADA für vier Jahre gesperrt werden und Russland soll für diesen Zeitraum die Ausrichtung sportlicher Großveranstaltungen untersagt werden. Russland wäre bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio und den Olympischen Winterspiele 2022 in Peking nicht dabei. Es könnten jedoch wie schon 2018 in Pyeongchang streng geprüfte Athleten aus Russland unter neutraler Flagge antreten.

Auswirkungen auf die Endrunde der Fußball-EM im kommenden Jahr, bei der Russland mit St. Petersburg als Austragungsort eingeplant ist und für die sich die russische Fußball-Nationalmannschaft qualifiziert hat, soll die Strafe nicht haben. Die EM sei ein regionales Event und wäre daher nicht betroffen, ließ die WADA bereits im Vorfeld der Urteilsverkündung verlauten. Ob die Formel 1 mit ihrem Rennen in Sotschi betroffen wäre oder das russische Frauen-Team bei der laufenden Handball-WM, ist bislang unklar. Ebenso, ob die deutschen Basketballer ihre Olympiaqualifikation dann nicht gegen Russland, sondern gegen „neutrale Athleten“ bestreiten müssten. Oder ob sie sogar einen Gegner weniger hätten.

IOC bisher eher zurückhaltend mit Strafen

Eine Strafe gegen Russland scheint unausweichlich, die Manipulationen an den Datensätzen sind zu dreist, um Milde walten zu lassen. Richtungsweisend wird die Härte der Sanktionen sein. IOC-Chef Thomas Bach gilt als wohlgesonnen gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und ist seit Beginn des Skandals vor fünf Jahren, als Russland ein flächendeckendes Dopingsystem nachgewiesen wurde, kein Freund einer Kollektivstrafe gegen russische Athleten.

So sperrte das IOC 2017 lieber den früheren russischen Sportminister Witali Mutko als einen der angeblich Hauptverantwortlichen im russischen Dopingsystem lebenslang für Olympische Spiele. Die Sperre ist inzwischen vom Internationalen Sportgerichtshof CAS gekippt worden. Und Mutko steht als Vize-Ministerpräsident weiterhin an der Seite von Staatspräsident Wladimir Putin ganz oben im russischen Polit-Geschäft.

Juristische Zerreißprobe droht

Kommt die WADA, von der die längst überfällige Emanzipation vom IOC erwartet wird, nun also zu dem Schluss, dass alles andere als eine den gesamten russischen Sport betreffende Strafe jegliche Wirkung verfehlen würde? Wenn die Sanktionen am Montag in der von der Prüfkommission vorgeschlagenen Härte ausgesprochen werden, droht allerdings eine juristische Zerreißprobe. Denn Russland kann vor dem CAS gegen das Urteil vorgehen.

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