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Horngacher Favorit auf Schuster-Nachfolge

Skispringen - Bundestrainer-Suche

Seitdem Werner Schuster seinen Abschied zum Saisonende angekündigt hat, kocht die Gerüchteküche im Skispringen. Klarer Favorit auf den Bundestrainer-Posten ist Stefan Horngacher, der in Willingen (ab Freitag im ZDF) noch die polnische Mannschaft betreut.

Stefan Horngacher an der Schanze
Stefan Horngacher
Quelle: dpa

Es läuft kurz vor der WM nicht so richtig rund bei den deutschen Skispringern. Olympiasieger Andreas Wellinger und Richard Freitag fehlt ein gutes Stück zur Topform, Karl Geiger und Stephan Leyhe sind momentan ebenfalls keine Kandidaten für Podestplätze. Lediglich Markus Eisenbichler macht für den Heim-Weltcup in Willingen und die nachfolgende WM im österreichischen Seefeld Hoffnung auf Einzel-Medaillen. Ganz anders sieht es da bei den Polen aus: Olympiasieger und Weltmeister Kamil Stoch hat die letzten beiden Einzel-Weltcups gewonnen, auch Piotr Zyla und Dawid Kubacki sind jederzeit Kandidaten für die Top 3.

Gerüchte um Horngacher sorgen für Aufregung

Ihre Topform zu verdanken haben sie vor allem ihrem Cheftrainer Stefan Horngacher. Seit der Österreicher 2016 von seinem Posten im Deutschen Skiverband (DSV) als Co-Trainer von Werner Schuster ins Nachbarland gewechselt ist, geht es dort steil bergauf. Kamil Stoch sorgt für die großen Erfolge, doch das polnische Skispringen ist auf breiter Front besser geworden. Umso größer ist nun die Aufregung über die mögliche Rückkehr des Goldschmieds Horngacher nach Deutschland. Skispringen ist in Polen mindestens genauso wichtig wie Fußball und Horngacher ein Heilsbringer wie Jürgen Klopp beim FC Liverpool. Kein Wunder also, dass die Skisprung-Legende Adam Malysz als Sportchef des Verbandes seinem Chefcoach eine satte Gehaltserhöhung bei einem Verbleib in Polen in Aussicht stellt: "Was Stefan will, geben wir ihm."

Horngacher scheint davon wenig beeindruckt. Genau, wie er vor drei Jahren unbedingt die Chance auf eine persönliche Weiterentwicklung als Chef in Polen ergreifen wollte, so drängt es ihn jetzt zurück nach Deutschland. Deshalb hat er immer nur Einjahresverträge mit dem polnischen Verband unterschrieben und einen lukrativen Vierjahreskontrakt bis Olympia 2022 ausgeschlagen. "Mein Wunsch war es immer, zum DSV zurückzukehren. Es wäre eine große Ehre, wieder dort zu arbeiten", hat er neulich gesagt. Die Sehnsucht nach einer Rückkehr hat auch damit zu tun, dass seine Frau Nicole und die beiden Kinder in Titisee-Neustadt im Schwarzwald wohnen. Und als deutscher Cheftrainer könnte er sicher ähnlich viel Geld wie in Polen kassieren. "Natürlich spielen die Finanzen mit rein - ein Mann wie Stefan Horngacher hat seinen Preis. Das ist im Fußball auch so. Aber so, wie ich ihn kenne, wird es nicht den letzten Ausschlag geben", sagt Horst Hüttel, Sportlicher Leiter im DSV.

Horngacher wäre die Wunschlösung

Hüttel führt die Verhandlungen über die Schuster-Nachfolge. Einer wie der aktuelle B-Kader-Trainer Bernhard Metzler, der auch schon Stars wie Eisenbichler oder Freitag zur Topform geführt hat, gehört natürlich auch zu den möglichen Kandidaten. Aber die 1A-Wunschlösung wäre der Stef, wie Horngacher in der Szene genannt wird. Hüttel: "Für ihn spricht natürlich, dass er das System gut kennt und es wenig Reibungsverluste gäbe. Aber es geht ja nicht nur darum, wer neuer Bundestrainer wird. Wir brauchen keine One-Man-Show, wir brauchen eine funktionierende Gesamtkonstellation. Natürlich mit einem guten Käpt‘n und da könnte Stef zweifellos eine gute Option sein."

Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis der Deal über die Bühne geht. Horngacher hat gesagt, dass er erst nach der WM in Seefeld - also frühestens ab 5. März - richtig verhandeln will. Bis alles unter Dach und Fach ist, könnte es Ende März/Anfang April werden. Schließlich arbeitet Hüttel an einem Gesamtkonzept, zu dem auch der bisherige Amtsinhaber Werner Schuster und als Überraschungscoup noch Martin Schmitt gehören könnten. Schuster, der nach elf Jahren auf dem Bundestrainer-Posten mehr Zeit für seine Frau und die beiden Kinder haben wollte, könnte in einer neuen Funktion in der aufzubauenden DSV-Akademie oder im inhaltlich-konzeptionellen Bereich eingebunden werden.

Schuster soll in anderer Funktion bleiben

Der noch amtierende Bundestrainer hat außerdem das Angebot, in seinen heimischen Österreichischen Skiverband (ÖSV) zurückzukehren. Entweder als Chef der Talentschmiede in Stams oder in anderer Funktion. Hüttel arbeitet aber "massiv daran, dass er bei uns im DSV bleibt. Wenn er sich heute dafür entscheidet, hat er morgen den Vertrag auf dem Tisch." Ein weiteres Puzzleteil könnte Martin Schmitt sein. "Wir sind mit ihm in Gesprächen, aber nicht für die Funktion des Bundestrainers. Er könnte uns in einer Gesamtkonstellation helfen, zumal er die Persönlichkeit und Fachkompetenz mitbringt", sagt Hüttel. Schmitt selbst glaubt, dass man sich einigen werde - allerdings derzeit noch nicht auf eine Trainerposition als Betreuer einer Mannschaft. Mittelfristig ist der ehemalige Überflieger, der den Trainerschein als einer der Lehrgangsbesten abgelegt hat, aber ganz sicher auch ein Kandidat für den Chefposten.

Jetzt aber spricht alles für Horngacher. Die Parallelen zu Schuster sind frappierend: Beide sind Österreicher, 49 Jahre alt (Horngacher ist nur 16 Tage jünger), haben eine Familie mit zwei Kindern und haben neben ihrem großen trainingsmethodischen Knowhow auch starke Fähigkeiten als Psychologen. Es gibt aber auch einige Unterschiede: Schuster ist geschliffener im Umgang mit den Medien. Horngacher hat dagegen als Trainer seit seinem Amtsantritt in Polen mit Kamil Stoch zweimal die Vierschanzentournee gewonnen. Genau jener begehrte Titel, der den Fliegern von Werner Schuster in der elfjährigen Ära immer verwehrt geblieben ist.

Der Weltcup in Willingen im Liveticker

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