Sie sind hier:

Routine, auf die Löw nicht verzichten will

Sport - Routine, auf die Löw nicht verzichten will

Heute sind die beiden Nationalspieler auf der DFB-PK erschienen, die in der Türkei spielen: Die Stürmer Lukas Podolski (Galatasaray) und Mario Gomez (Meister) zeigen sich vor der EM hochmotiviert.

Beitragslänge:
19 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.06.2017, 10:30

Kaum eine Entscheidung wird so kontrovers diskutiert wie die Berufung von Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski in den deutschen EM Kader. Mancher Fan und Experte verspottet das 31 Jahre alte Duo als "Maskottchen“ ohne großen sportlichen Wert. Joachim Löw sieht das anders.

Nur selten schimmert bei Joachim Löw so etwas wie gereiztes Unverständnis durch, wenn eine dieser Fragen nach Sinn und Zweck der Personalie Schweinsteiger und Podolski auftaucht. Der Bundestrainer presst kurz und kräftig Luft durch Mund und Nase und rechtfertigt seine Entscheidung dann doch in aller Ruhe. Ein Bundestrainer muss auch Diplomat sein. Ganz verstehen kann Löw die Zweifel allerdings nicht. Hatte nicht zuletzt sein Plan, bei der WM in Brasilien vor allem auf Teamgeist zu setzen, den Titel gebracht?

Löws eigene Wahrheiten

Vor der EM in Frankreich ist Löw wieder sicher, nur mit Teamgeist ist der erste EM-Titel seit 20 Jahren (1996 in England) realistisch. Dafür, so glaubt Löw, sind Schweinsteiger und Podolski unverzichtbar, trotz vieler Fakten, die die "Maskottchen“-Theorie befeuern. "Lukas hat auch sportlichen Wert für uns, auch, wenn das mancher nicht wahrhaben mag“, stichelte Löw. Über Schweinsteiger sagte er, er brauche ihn "nur für die großen und entscheidenden Spiele“. Bei der Euro benötige er ohnehin zwei Teams, eines für die Gruppenphase und eines, um das Finale zu schaffen. Braucht er vielleicht sogar ein drittes? Die Motivationsfraktion neben denen, die spielen?

Es bleibt der Vorwurf, auf zwei Spieler zu setzen und damit zwei Plätze zu blockieren, die nur als Teilzeitarbeiter einsetzbar sind, wenn überhaupt. Schweinsteiger kämpft sich derzeit nach einer Verletzung mühsam zurück ins Training, hat jedoch nach Verletzungen nur besorgniserregende 20 Minuten Spielzeit bei Manchester United vorzuweisen. "Aufgeben gibt es für mich nicht“, sagt Schweinsteiger und verbreitet nach seinem Teileinriss des Innenbandes im rechten Knie Optimismus. "Vor zwei Jahren hat es gut geklappt, da war ich in einem schlechteren Zustand als jetzt.“ Der Kapitän sei mittlerweile schmerzfrei lässt der DFB mitteilen.

Schweinsteiger steht für Symbolkraft

Wenn es um Symbolkraft geht, sprechen die Bilder des WM-Finales für ihn. Mit einem blutverschmierten Kopfverband rackerte Schweinsteiger unermüdlich und führte sein Team zum Titel. Podolski war zu diesem Zeitpunkt schon Ergänzungsspieler geschrumpft und saß draußen. Das tat er ohne Murren. Im Hintergrund, so wird berichtet, trat "Poldi“ als Teamarbeiter in Sachen Stimmung und Mentalität auf. Kein Tag verging und vergeht, ohn dass ein lustiges Foto in den Medien kursiert. "Lukas ist eine große Persönlichkeit, die der Gruppe viel geben kann“, argumentiert Löw. Und Podolski stellte klar: "Als Maskottchen bin ich nicht hier. Ich habe über 100 Länderspiele, mich dann Maskottchen zu nennen ist respektlos und unverschämt."

Immerhin hat Podolski vor kurzem ein großes Spiel im Verein gemacht und im türkischen Pokalfinale das Siegtor erzielt. Im Nationalteam ist das eine Weile her. Sein letztes Spiel über 90 Minuten machte der Galatasaray-Profi im November 2014, sein letztes Tor schoss er im März 2015.

Große Persönlichkeiten

Wie bei Podolski misst der 56-Jährige Löw auch Schweinsteiger enorme Bedeutung in Sachen Teamgeist zu. "Bastian hat großen Einfluss auf die Mannschaft, sie kann von seiner Reife, Erfahrung und Persönlichkeit profitieren“, glaubt Löw und fordert mehr Vertrauen in seine Personalpolitik. "Wir haben uns intensiv mit dem Thema befasst und sind von unserer Entscheidung überzeugt.“ Sonst machte der Bundestrainer klar, "das Team ist wichtiger als jeder Einzelne“. Das, so heißt es, gelte für Schweinsteiger und Podolski wie für alle anderen, wenn es zum Schwur kommt.

Nach den Rücktritten von Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker nach der WM in Brasilien jedoch kann und will Löw beim Unternehmen EM auf Routine nicht ganz verzichten. Den "Alten“ im Kader, egal in welcher Rolle, stellt er mit Leroy Sane, Joshua Kimmich und Julian Weigl bewusst gleich drei junge, frische und unerfahrene Spieler zur Seite.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet