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Denise Herrmann - die neue starke Frontfrau

Biathlon-Weltcup in Östersund | Frauen-Einzel

Durch ihre Erfolge bei der letzten WM sind die Erwartungen an Denise Herrmann weiter gestiegen – auch wegen des Abschieds der langjährigen Spitzenkraft Laura Dahlmeier. Für deren potenzielle Nachfolgerin, die am Donnerstag in Östersund im Einzel startet, keine Belastung, sondern zusätzlicher Ansporn.

Denise Herrmann in Aktion
Denise Herrmann
Quelle: dpa

Denise Herrmann ist zwar gerade erst in ihre vierte Saison als Skijägerin gestartet, die extremen Höhen und Tiefen, die diese Sportart bietet, hat sie trotzdem bereits ausgiebig durchlebt. Noch als Biathlon-Greenhorn gewann sie im Dezember 2017 in Östersund ihre ersten beiden Weltcuprennen. An gleicher Stelle wurde sie 15 Monate später Weltmeisterin. Doch dazwischen gab es auch den enorm zähen Einstieg in den letzten Winter.

Immer auf der Suche nach Lösungen

Wenn man das schon mal erlebt hat, weiß man beim nächsten Mal besser, wie man damit umgehen muss.
Denise Herrmann

In den ersten zwei Monaten gelang ihr ein einziger Top-Ten-Platz, Rang neun in der Verfolgung von Oberhof. „Im vergangenen Jahr gab es eine Phase, in der es alles andere als rund lief – vom Schießen her, das Laufen war bei mir ja nie das Problem“, rekapituliert die frühere Langläuferin im Gespräch mit zdfsport.de. Dann fügt sie hinzu: „Wenn man das schon mal erlebt hat, weiß man beim nächsten Mal besser, wie man damit umgehen muss. Das ist ja in vielen Situationen im Leben so.“

Und Denise Herrmann, die auf ihrem Lieblingskurs in Östersund am Donnerstag im Einzel startet, hält es in ihrem Leben als Biathletin so, dass sie aus eigenem Antrieb nach Lösungen sucht. Bevor sie Anfang des Jahres zu den Februar-Weltcups nach Kanada und in die USA flog, nahm die Wahl-Ruhpoldingerin über den früheren Langlauf-Kollegen Tobias Angerer deshalb Kontakt zu dem Mentaltrainer Thomas Baschab auf.

Meisterstück in Östersund

Bis zum Saisonfinale war die gebürtige Sächsin danach nie mehr schlechter als Platz sieben, holte bei der WM Gold in der Verfolgung und Bronze im Massenstart. „Dass das an dem Tag X in Östersund genau so funktioniert hat – das war für mich schon das Meisterstück“, erklärt die 30-Jährige ohne falsche Scheu.

Noch während der Titelkämpfe in Schweden buchte sie für sich und ihren Freund einen zwölftägigen Urlaub auf den Malediven. „Um“, wie sie betont, „nach einer sehr emotionsreichen Saison mal komplett zu entschleunigen, komplett etwas anderes zu machen.“

Auszeit für Körper und Geist

Von außen, sagt Herrmann, lasse sie sich nicht unter Druck setzen. Vielmehr verlange sie selbst das meiste von sich ab, sei in dem Punkt manchmal ihr ärgster Gegner. Klar ist: Die frühere Spezialistin, die weiterhin mit Mentalcoach Baschab zusammenarbeitet, horcht gerne in sich hinein, sie kennt ihre eigenen Bedürfnisse – und nimmt sie ernst.

„Man muss schon ein bisschen aufpassen, im April nicht zu überdrehen. Sondern Körper und Geist die nötige Auszeit zu geben, damit man im Mai wieder wirklich produktiv und mit konkreten Plänen an die Sache rangehen kann. Dafür waren die Malediven genau der richtige Ort“, betont Herrmann, die schon bei der WM die – durch eine hartnäckige Erkältung geschwächte – Teamkollegin Laura Dahlmeier aus dem Rampenlicht drängte. Und die nach Dahlmeiers Abschied vom Biathlonsport nun als die neue Frontfrau im DSV-Team gilt.

Feilen an Schaft und Schießgeschwindigkeit

Meine Erwartungen sind hoch, die werden auch hoch bleiben.
Denise Herrmann

Probleme mit dieser Rolle hat die lebensbejahende, offene Quereinsteigerin keine. Im Gegenteil. „Meine Erwartungen sind hoch, die werden auch hoch bleiben“, erklärt sie klipp und klar. Am meisten Verbesserungspotenzial liegt bei ihr naturgemäß in der Teilübung mit der Waffe – und dort vor allem bei der Schießgeschwindigkeit.

Das richtige Aufsetzen des Gewehrs, für das sie sich im Sommer einen neuen Schaft anfertigen ließ, übt Herrmann schon mal in ihrer Ruhpoldinger Wohnküche, mit aufgemalten Scheiben an den Schränken. Zudem fährt sie im Schnitt ein Mal pro Monat aus den Chiemgauer Alpen nach Oberhof, zu ein paar Spezialeinheiten mit dem früheren Frauen-Bundestrainer und jetzigen Schießcoach Gerald Hönig.

Oberhofer Gruppendynamik

Im Thüringer Wald trainiert sie dann auch mit der dortigen Trainingsgruppe – die die gewissenhafte Skijägerin ebenfalls jedes Mal ein Stück voranbringt. „Beim Schießen“, erzählt die als Vorjahres-Achte beste Deutsche im Gesamtweltcup, „gibt es dort eine ganz gute Gruppendynamik, da hängen die Trauben bei manchen Mädels doch verdammt hoch. Da bin ich schon immer die, die am langsamsten ist.“

Und genau das will Denise Herrmann, beim Weltcupstart am Sonntag Sechste im Sprint, in diesem Winter und bis Olympia 2022 sukzessive ändern.

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