Sie sind hier:

Absage an die Brechstange

Biathlon | Weltcup in Le Grand-Bornand

Nach dem ernüchternden Start in den Winter gibt es bei den deutschen Biathletinnen beim Weltcup in Le Grand-Bornand Veränderungen im Team. Vor dem Auftaktrennen am Freitag rät Cheftrainer Mark Kirchner den Damen zu Gelassenheit, nimmt sie aber gleichzeitig in die Verantwortung.

Biathletin Denise Herrmann
Kann Denise Herrmann ihre Schießleistung wieder stabilisieren?
Quelle: imago

Ehe sich das gebeutelte Ensemble der deutschen Skijägerinnen vom österreichischen Hochfilzen aus auf den Weg in die französischen Alpen aufmachte, gab es von einer der Protagonistinnen dann doch mal ein offensives Statement zu hören. Absenderin war Vanessa Hinz, die sich nach Platz 42 im Sprint im Verfolgungsrennen auf Rang zwölf katapultiert hatte - und sich nun als Trampolin in Menschengestalt anbot.

Kirchner wechselt durch

"Das, was ich kann, das kann das ganze Team auch", gab die 27-Jährige das Motto für den letzten vorweihnachtlichen Weltcup aus. Der beginnt für die Frauen am Freitag in Le Grand-Bornand mit dem Sprint. Und weil für die Biathletinnen des DSV nach dem zumindest für Franziska Preuß und Denise Herrmann passablem erstem Saisonrennen in Östersund und Hinz‘ persönlicher Leuchtrakete aus dem Pillerseetal nichts zusammenlief, gibt es auf der französischen Weltcupstation nun klare Veränderungen.

Mit Franziska Hildebrand, Karolin Horchler und Anna Weidel werden drei Athletinnen erst einmal in ein verlängertes Weihnachtstraining geschickt oder im IBU-Cup, der zweiten Liga im Biathlon, eingesetzt. Stattdessen wurden Maren Hammerschmidt, Marion Deigentesch und Janina Hettich berufen.

"Natürlich kann man mitten in der Saison nicht mehr alles umkrempeln. Aber mit den Änderungen haben wir versucht, ein bisschen Bewegung in die Mannschaft zu bringen", erläutert Mark Kirchner im Gespräch mit zdfsport.de.

Kardinalproblem Kondition

Gemeinsam mit dem neuen Sportlichen Leiter Bernd Eisenbichler und den verantwortlichen Trainern der DSV-Frauen, Kristian Mehringer und Florian Steirer, hat der Cheftrainer der deutschen Biathleten die heftige Krise zu Saisonbeginn inzwischen analysiert. Und die konditionelle Verfassung der Biathletinnen dabei als ein Kardinalproblem ausgemacht.

Die Schwierigkeiten deuteten sich bereits bei den nationalen Meisterschaften im September an, als sich die frühere Langläuferin Herrmann intern deutlich absetzte. "Im Biathlon ist es nun mal so: Wenn du konditionell nicht dagegenhalten kannst, musst du treffen. Dann ist es meistens schwierig, das hinzubekommen, weil der Druck wächst", erläutert Kirchner, der betont: "Das ist für uns erst einmal der wichtigste Ansatzpunkt."

Hoffen auf Preuß und Herrmann

Entscheidend wird in den Augen des dreimaligen Olympiasiegers sein, ob Franziska Preuß, die wegen gesundheitlicher Probleme vorzeitig aus Hochfilzen abgereist war, wieder hundertprozentig fit ist. Und ob die amtierende Verfolgungsweltmeisterin Denise Herrmann ihre Schießleistung in Frankreich wieder normalisieren und stabilisieren kann.

Sie stehen mit in der Verantwortung. Das ist ein wichtiger Aspekt - den man ihnen auch hin und wieder mal mit auf den Weg geben muss
Cheftrainer Kirchner über seine Athletinnen

"Das sind aktuell unsere einzigen beiden Leistungsträgerinnen. Läuft es bei ihnen, wird letztlich auch ein Ruck durch das ganze Damenteam gehen", glaubt Kirchner, warnt trotz der vermasselten Saisonstarts aber gleichzeitig vor möglicher Übermotivation. "Eigentlich", so der Coach, "gibt es für alle diese Hürde - sich über ein Erfolgserlebnis wieder Selbstvertrauen zu holen. Aber das ist immer die spezielle Schwierigkeit: Man will alles gut machen. Und wenn man das mit der Brechstange versucht, wird es meistens eher schlechter als besser."

Ähnlich sieht es auch Ex-Weltklasse-Biathletin Laura Dahlmeier. Herbe Enttäuschungen lassen sich nicht einfach wegdrücken, sagt Laura Dahlmeier die Expertin des ZDF. Die Frauen sollten sich vielmehr "Einzelziele setzen" und "nicht das Gesamtergebnis im Kopf haben, sondern das Rennen Runde für Runde abarbeiten".

Teile des Gefüges

In Watte packen will Mark Kirchner das versammelte Frauen-Team allerdings auch nicht. Schließlich waren es die Skijägerinnen, die sich nach Olympia 2018 für einen Wechsel im Trainerteam aussprachen. "Sie stehen mit in der Verantwortung. Das ist ein wichtiger Aspekt - den man ihnen auch hin und wieder mal mit auf den Weg geben muss", betont Kirchner.

Die beiden Frauen-Coaches Mehringer (38) und Steirer (37) seien "zwei junge, engagierte Trainer, die sicherlich noch lernen müssen", sagt der Bundestrainer. "Aber dafür brauchen sie das hundertprozentige Vertrauen ihrer Athletinnen. Deshalb sind die Damen jetzt auch gefordert. Damit die Trainer sehen: Okay, die Mädels wollen und ziehen hundertprozentig mit. Letztlich kann es nur in einer gemeinsamen Arbeit funktionieren." Denn: "Wenn ein Teil des Gefüges nicht mitzieht, haut’s nicht hin."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.