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Es kracht zu oft im Knie

Skispringer fordern Regeländerungen

Skispringen ist eine gefährliche Sportart. So haben sich zuletzt die Knieverletzungen nach der Landung gehäuft. Jetzt fordern die Olympiasieger Andreas Wellinger und Martin Schmitt Regeländerungen.

David Siegel erleidet nach seinem Sturz beim Weltcup in Zakopane einen Kreuzbandriss
David Siegel erleidet nach seinem Sturz beim Weltcup in Zakopane einen Kreuzbandriss
Quelle: ap

Dem deutschen Team fehlen bei der 68. Vierschanzentournee mit Andreas Wellinger, David Siegel und Severin Freund drei Topspringer wegen Verletzungen. Hart getroffen hat es auch die Norweger: In den letzten Monaten fielen schon Anders Fannemel und zuletzt beim Weltcup in Klingenthal Thomas Aasen Markeng nach Kreuzbandrissen aus, der einstige Topflieger Kenneth Gangnes hat nach vier Kreuzbandrissen inzwischen seine Karriere beendet und arbeitet lieber als Servicemann.

Wellinger arbeitet im Aufbautraining gerade daran, das letzte Zentimeter Oberschenkelumfang in seinem rechten Bein zurückzugewinnen. Acht Zentimeter war der wichtige Muskel geschrumpft, nachdem sich der Skispringer bei einem Sturz im Sommertraining das Kreuzband gerissen hatte und operiert werden musste. Auch Hoffnungsträger David Siegel kämpft sich nach einem Kreuzbandriss gerade wieder zurück auf der Schanze. Genau wie der einstige Überflieger Severin Freund, der nach zwei Kreuzbandrissen in Serie zuletzt mit Rückenproblemen gekämpft hatte.

Material problematisch

Das Material ist für den Flug optimiert, auf Kosten der Landung.
Andreas Wellinger

Die betroffenen Trainer und Verantwortlichen in der Skisprung-Szene sprechen immer gern von einer Kette von Gründen, die von einer nicht immer perfekten Schanzenpräparierung über teils zu weite Flüge, das zu einseitige Training bis zum Material reicht. Für den schon in seiner aktiven Zeit als Tüftler bekannten und auch heute noch bestens vernetzten Martin Schmitt ist der Hauptgrund jedoch eindeutig: „Das Material von heute ist für das Fliegen optimiert, aber nicht für die Landung. Es gibt Extreme, da kann eine physiologische Landung gar nicht mehr möglich sein.“ Dieser Einschätzung stimmt auch Wellinger zu: „Das Material ist für den Flug optimiert, auf Kosten der Landung.“

Genau das ist auch der Grund für die meisten Stürze und Knieverletzungen in den letzten Monaten und Jahren. Kurz nach der Landung verschneidet meist ein Ski und fährt über den anderen, ein schlimmer Crash samt Verletzung ist bei einer Landegeschwindigkeit von um die 100 km/h damit fast programmiert. Schmitt: „Die Unterschenkel der Springer werden durch die Schuhe und Keile nach vorn innen geführt. Damit kann man die Ski in der Luft wunderschön plan in den V-Stil legen.“ Das führt zu mehr Stabilität in der Luftfahrt – genau deshalb sieht man schlimme Stürze wie die des Österreichers Thomas Morgenstern beim Skifliegen am Kulm heutzutage gar nicht mehr. Dafür kracht es bei der Landung umso häufiger.

Forderung nach Regeländerungen

Im Anzugbereich ist fast jede Naht vorgeschrieben. Aber bei den Schuhen ist Feuer frei. Das kann ich nicht nachvollziehen.
Martin Schmitt

Walter Hofer, Skisprung-Chef des Internationalen Skiverbandes FIS, hat das Problem längst erkannt. Er spricht davon, dass man die Entwicklung durch verschiedene Maßnahmen in den Griff bekommen könnte: „Entweder direkt durch Eingriffe in die Regeln. Oder indirekt, in dem man die Landung in der Punktewertung mit einem höheren Faktor bewertet.“ Für letzteren Vorschlag hat Martin Schmitt nur Unverständnis übrig: „Das ist genauso, als würde man in der Formel 1 keine Auslaufzonen mehr machen, damit die Piloten nicht mehr so schnell durch die Kurve fahren.“ Die einzige Lösung sind nach seiner Meinung Regeländerungen, um die Extreme zu unterbinden: „Im Anzugbereich ist fast jede Naht vorgeschrieben. Aber bei den Schuhen ist Feuer frei. Das kann ich nicht nachvollziehen.“

Andreas Wellinger fordert von der FIS, dass die Sportler künftig in die Entscheidung über die Regeln einbezogen werden: „Wir müssen schließlich da runterspringen.“ Auch der im Damenbereich von Verletzungen gebeutelte Deutsche Skiverband (DSV) setzt sich wegen der „besorgniserregenden Entwicklung der letzten Jahre“ in Person des sportlichen Leiters Horst Hüttel für eine Anpassung der Regularien eine „Wir und andere Nationen sind an dem Punkt, wo schon darüber gesprochen wird.“ Schon jetzt springen die deutschen Topflieger wie Karl Geiger oder Markus Eisenbichler schon mit einem Material-Setup, das noch eine halbwegs sichere Landung ermöglichen. „Wir gehen nicht auf 100 Prozent, weil wir auch die Verletzungsgefahr im Blick haben“, sagt Bundestrainer Stefan Horngacher.

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