Sie sind hier:

Die Tournee im Wandel der Zeit

Seit 1953 hat sich viel getan

Die Vierschanzentournee hat in den 67 Jahren seit ihrer Premiere viele unglaubliche, kuriose und spannende Geschichten geschrieben. Viel hat sich geändert, doch die Faszination ist geblieben.

Helmut Recknagel 1958.
Helmut Recknagel 1958.
Quelle: dpa

Begonnen hat diese einmalige Erfolgsstory am Neujahrstag des Jahres 1953. An der Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen versammelten sich neben den besten Skispringern aus den Gastgeber-Nationen Deutschland und Österreich auch fünf Slowenen, vier Schweden sowie je drei Norweger und Schweizer zum ersten Springen der Vierschanzentournee. Es siegte vor 20.000 begeisterten Fans der Norweger Asgeir Dölplads mit Sprüngen auf 78,5 und 81 Meter. Die erste Tournee endete am 11. Januar in Bischofshofen mit dem Gesamtsieg des Österreichers Sepp "Buwi" Bradl.

Nicht nur der Flugstil änderte sich

In den 67 Jahren seitdem hat sich viel gewandelt. Ob nun der Flugstil (statt paralleler Skiführung mit teils vogelwild kreisenden oder nach vorn gereckten Armen wird jetzt im V-Stil geflogen), die Zahl der Teilnehmer (bei dieser Auflage sind es 71) oder die Weiten der Sprünge (bis zu 146 Meter in Bischofshofen).

Die Begeisterung für das allwinterlich stattfindende Event in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen ist jedoch gleich geblieben - ob bei den Fans an den Schanzen und vor dem Bildschirmen oder bei den Springern. "Die Tournee ist Tradition pur. Ich habe sie schon als Kind im Fernsehen gesehen und es war immer mein Traum, um den goldenen Adler zu kämpfen", hat der Norweger Daniel Andre Tande in diesen Tagen gesagt.

Die Tournee ist Tradition pur.
Daniel Andre Tande

So ging es schon einigen Springer-Generationen vor ihm - und über inzwischen bald sieben Jahrzehnte haben sich rund um den Jahreswechsel schon viele kuriose, unglaubliche oder komische Geschichten ereignet. Zum Beispiel bei der zweiten Tournee 1953/54, die am 28. Dezember eigentlich wegen Schneemangels abgesagt worden war. Als aber Frau Holle im neuen Auftaktort Oberstdorf doch noch ihre Wolkenbetten öffnete und die weißen Flocken die Luft erfüllten, ging an alle Skiverbände telegrafisch die Nachricht heraus, dass die Tournee nun doch stattfinden kann. Die Fluggesellschaft SAS verschob sogar einen Flug um einen halben Tag, damit auch die skandinavischen Skispringer rechtzeitig zum Auftaktspringen vor Ort sein konnten.

Die Aktion lohnte sich: Mit Olaf Björnstad gewann ein Norweger das Auftaktspringen und die gesamte Tournee. Es dauerte übrigens bis zur Tournee 2007/2008, bis tatsächlich erstmals ein Springen abgesagt werden musste. Ein Föhnsturm mit Windspitzen von bis zu 100 km/h sorgte für die Absage des Wettbewerbs am Bergisel von Innsbruck. Stattdessen gab es bei der einzigen „Dreischanzentournee“ der Geschichte einmalig zwei Springen in Bischofshofen.

"Flugbenzin" und Flaggentricks

In den Anfangsjahren des Events soll auch „Flugbenzin“ eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. Hemmo Silvenoinen zum Beispiel durchzechte die Silvesternacht zum neuen Jahr 1956, obwohl das dem gesamten finnischen Team ausdrücklich verboten worden war. Sein Mannschaftsführer wollte ihn deshalb von der Startliste streichen lassen. Allerdings setzten sich daraufhin alle Teamkollegen für Silvenoinen ein und so wurde die Strafe vertagt. Der Suomi-Flieger bedankte sich mit dem Sieg beim Neujahrsspringen.

Genau wie beim Thema Alkohol nahm man es damals auch mit dem Wind nicht so genau: In Oberstdorf stand zum Beispiel der ehemalige Skispringer und Schanzenbauer Heini Klopfer am Schanzentisch und gab mit einer roten Fahne den Start frei. Auch bei einer steifen Brise: Klopfer tauchte die Fahne einfach in Wasser ein, damit sie nicht flattern konnte.

Der Rubel rollt

Heutzutage ist dagegen (fast) alles bei der Vierschanzentournee professionalisiert. Seien es der Windfaktor, der in die Berechnung der Gesamtpunktzahl für die Springer einfließt, oder die TV-Übertragungen. Was 1956 mit der Übertragung des Neujahrsspringens im Bayerischen Rundfunk begann, ist heute bei allen vier Tournee-Springen in bis zu 25 Ländern ein internationales Topevent auf der Mattscheibe. Kultstaus hatte zum Beispiel das Neujahrsspringen 1979. Damals hatte ein riesiger Temperatursturz den Bakken in Partenkirchen in einen riesigen Eisblock verwandelt. Es konnte nicht gesprungen werden, also unterhielt der berühmte ZDF-Sportreporter Bruno Moravetz ("Wo ist Behle") die TV-Zuschauer einfach vier Stunden mit Anekdoten.

Das Fernsehen hat die Tournee jedoch nicht nur zu einem Event gemacht, über das rund um den Jahreswechsel in Deutschland Millionen von Menschen reden. Es hat auch mit dafür gesorgt, dass die Tournee zu einem der reizvollsten Sport-Events für Sponsoren wurde. Der Deutsche Skiverband (DSV) und der Österreichische Skiverband (ÖSV) kassieren heutzutage jeweils geschätzte zwei Millionen Euro von Vermarkter Infront, mit dem der aktuelle Vertrag bis 2022 läuft. Seit vergangenem Jahr ist eine Sportbekleidungsfirma (4F) Presenting Sponsor. Dazu kommen vier weitere große Firmen als Hauptsponsoren der Vierschanzentournee.

Hannawald: Sieger soll mehr bekommen

Sven Hannawald
Sven Hannawald
Quelle: ZDF

Es wird also jede Menge Geld verdient beim Skisprung-Grand-Slam, wovon bei den Hauptakteuren jedoch vergleichsweise wenig ankommt. Für einen Sieg bei einem Tournee-Einzelspringen gibt es wie bei allen anderen Weltcup-Stationen 10.000 Schweizer Franken. Für den Gesamtsieg zusätzlich zur Adler-Trophäe "nur" 20.000 Schweizer Franken. Zum Vergleich: Der Sieger beim Abfahrts-Weltcup von Kitzbühel kassiert in diesem Winter stolze 100.000 Euro. „Ganz klar: Der Gesamtsieger der Tournee sollte als Prämie mindestens 100.000 Euro bekommen. Die Stadien sind voll und es sitzen Millionen vor dem Fernseher“, sagt Sven Hannawald im Exklusivinterview. Der Überflieger von einst war 2001/2002 der letzte deutsche Gesamtsieger bei der Tournee.

Damals kassierte er insgesamt etwa 330.000 Euro an Preisgeldern und Prämien vom Deutschen Skiverband, die es heute in dieser Form nicht mehr gibt. Vor allem in Erinnerung geblieben ist jedoch, dass Hannawald vor inzwischen 18 Jahren als erster Skispringer alle vier Springen bei einer Tournee gewinnen konnte. Genau diese historischen und kuriosen Momente sind es, die die Tournee so einzigartig machen. So wie 2005/2006, als der Finne Janne Ahonen und der Tscheche Jakub Janda mit exakt 1081,5 Zählern exakt punktgleich die Tournee gewannen. Es ist halt einfach nichts unmöglich in dieser einmaligen Erfolgsgeschichte, deren nächstes Kapitel in diesen Tagen geschrieben wird.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.