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Horngacher: "Wir können nur gewinnen"

Skispringen | 68. Vierschanzentournee

Eigentlich ist die Ausgangsposition so schlecht wie seit neun Jahren nicht mehr. Trotzdem ist der Optimismus bei den deutschen Skispringern vor dem Start der 68. Vierschanzentournee groß.

Stefan Horngacher
Hat viel vor beim DSV: Neu-Bundestrainer Stefan Horngacher
Quelle: imago

Im Weltcup gab es bislang keinen einzigen Sieg für die deutschen Flieger, mit so einer schlechten Bilanz sind die Gastgeber zum letzten Mal 2010 zur Vierschanzentournee angereist. Stefan Horngacher sieht das vor dem ersten Highlight unter seiner Verantwortung als Skisprung-Bundestrainer jedoch positiv. "Unser Vorteil diesmal ist: Wir können nur gewinnen. Es erwartet momentan niemand von uns, dass ein Deutscher die Tournee gewinnt. Deshalb bleiben die Jungs im Arbeitsmodus und machen sich hoffentlich keinen so großen Kopf", sagt der neue Chefcoach.

Mit viel Psychologie in die Tournee

Er muss bei der Tournee auf die verletzten Olympiasieger Severin Freund und Andreas Wellinger sowie Hoffnungsträger David Siegel verzichten. Hat aber dennoch vor dem Auftakt-Wochenende der 68. Vierschanzentournee in Oberstdorf seinen Humor nicht verloren. Mit einem Lachen nennt er seine beiden Favoriten für den Gesamtsieg beim Skisprung-Grand-Slam: "Geiger und Eisenbichler."

Natürlich ist bei diesen Aussagen viel Psychologie mit im Spiel. Allerdings hat Horngacher in seiner Zeit als polnischer Cheftrainer eindrucksvoll bewiesen, dass er Tournee-Gesamtsieger "machen" kann. Kamil Stoch triumphierte unter seiner Führung 2017 und 2018. Die deutschen Skispringer warten dagegen seit inzwischen 18 Jahren auf einen Triumph beim größten jährlichen Skisprung-Highlight.

Auch Horngachers ansonsten überaus erfolgreichem Vorgänger Werner Schuster gelang es in seiner elfjährigen Ära als Bundestrainer nicht, diese Negativ-Serie zu beenden.

Stabiler Geiger

"Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es eine gute Tournee für die Deutschen wird", sagt Sven Hannawald, der im Winter 2001/2002 als letzter Deutscher die Vierschanzentournee gewann: "Sie haben noch Reserven und vielleicht läuft es ja so wie bei der WM." Bei der WM vor zehn Monaten auf der Tournee-Schanze in Innsbruck sowie in Seefeld sprangen sich speziell Markus Eisenbichler (drei Titel) und Karl Geiger (zwei Titel) in einen wahren Rausch. Vor allem der Oberstdorfer Geiger ist seitdem unter Führung des neuen Chefcoachs Horngacher noch stabiler geworden.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es eine gute Tournee für die Deutschen wird.
Sven Hannawald

In den ersten sieben Einzelspringen dieses Winters war der 26-Jährige nie schlechter als Siebter und sprang dabei zweimal aufs Podest. Schon im vergangenen Winter war er nach seinem ersten Weltcup-Sieg bei der Tournee-Generalprobe von Engelberg als deutscher Hoffnungsträger angetreten, scheiterte jedoch unter den Augen seiner Familie und vieler Freunde am Erfolgsdruck in seiner Heimat Oberstdorf. Seitdem ist Karl Geiger jedoch auch durch die Erfolgserlebnisse bei der WM deutlich gereift. Zudem hat er seit ein paar Tagen auch seinen Abschluss als Bachelor of Engineering in der Tasche und kann sich damit zu 100 Prozent aufs Skispringen konzentrieren.

Beste Aussichten, um am Sonntag die Bewährungsprobe vor über 25.000 Fans an seiner ausverkauften Heimschanze zu bestehen. "Natürlich kann Oberstdorf der Knackpunkt sein. Aber ich bin so konstant und gut wie nie. Ich vertraue auf meine Form und habe ein sehr gutes Gefühl", sagt "Skisprung-Ingenieur" Geiger selbst.

Eisenbichler auf Form-Suche

Kein so gutes Gefühl hatte in dieser Saison bislang Markus Eisenbichler. Wie so oft in den vergangenen Jahren setzte sich der Champion des vergangenen Winters zum Auftakt selbst viel zu sehr unter Druck. Dazu kamen Knieprobleme und ein schwerer Sturz im finnischen Kuusamo.

Trotzdem bleibt der Ur-Bayer entspannt: "Die Tournee-Schanzen kenne und mag ich sehr gern. Da habe ich viele gute Erinnerungen und wenn es bei mir mal passt, kann es sehr schnell gehen. So wie im letzten Winter: Da war es vor der Tournee auch kacke und dann gut."

Vor einem Jahr lieferte sich Eisenbichler lange ein spannendes Duell mit dem späteren Gesamtsieger Ryoyu Kobayashi. Der Japaner geht auch dieses Mal als aktueller Gesamtweltcup-Spitzenreiter und damit Topfavorit in die Tournee. Ebenfalls ganz oben auf der Hitliste der Experten stehen der zuletzt in Engelberg allerdings gestürzte Österreicher Stefan Kraft (Gesamtsieger 2015) und Kamil Stoch (Gesamtsieger 2017 und 2018). Das internationale Favoritentrio weiß, wie man die Tournee gewinnt.

Neue Wege

Genau wie der neue Bundestrainer Stefan Horngacher, der deshalb ein paar Dinge für die deutschen Flieger bei der Tournee geändert hat. Neue Hotels und die Änderung der direkten Wettkampfvorbereitung - abseits der Kamerabeobachtung an der Schanze - sollen neue Reize setzen. Dazu kommt der Einsatz von neuen Materialkomponenten im Anzug- und Schuh-Finetuning-Bereich extra für die Tournee. Horngacher: "Wir haben etwas im Köcher, was noch einen kleinen Impact bringen sollte."

Wir haben etwas im Köcher, was noch einen kleinen Impact bringen sollte.
Stefan Horngacher

Der letzte deutsche Gesamtsieger Sven Hannawald findet das und die ansteigende Formkurve von Geiger, Stephan Leyhe, Pius Paschke und Co. sehr verheißungsvoll: "Ich habe das Gefühl, dass sich die Verpflichtung von Stefan lohnen wird. Die Tournee ist das Nonplusultra im Skispringen und ich lege mich fest: In der Ära Horngacher wird es einen deutschen Tournee-Gesamtsieger geben. Mein Sieg von 2002 ist ziemlich lange her, aber ich habe bei dieser Tournee die Hoffnung auf ein kleines Wunder."

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