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Ein Top-Flieger, ein Joker und ein Aufsteiger

Bilanz zur 68. Vierschanzentournee

Der Traum vom ersten deutschen Gesamtsieg seit Sven Hannawalds Triumph ging auch bei der 68. Vierschanzentournee nicht in Erfüllung. Dennoch fällt die deutsche Bilanz nicht nur wegen Platz drei für Karl Geiger überwiegend positiv aus.

DSV-Skispringer Eisenbichler, Geiger, Schmid (v.l.n.r.)
DSV-Skispringer Eisenbichler, Geiger, Schmid (v.l.n.r.)
Quelle: imago

Zwei Top-Ten-Plätze in der Gesamtwertung, davon ein Podestplatz: Mit diesem Ziel war Stefan Horngacher in seine erste Vierschanzentournee als Skisprung-Bundestrainer gegangen. Die Mission wurde mit Platz drei für Karl Geiger und Rang zehn für Stephan Leyhe erfüllt. Deshalb zog Horngacher auch zufrieden Bilanz: "Karl ist eine Supertournee gesprungen. Auch das gesamte Team ist auf dem Weg nach oben: Bei den Heimspringen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen waren wir jeweils beste Nation."

Ein verkorkster Sprung zerstört Tournee-Traum

Dass es nicht zum zwischenzeitlich greifbar nahen Gesamtsieg für Topflieger Karl Geiger reichte, lag nichtzuletzt an einem nicht perfekten Sprung des DSV-Adlers bei schwierigen Windbedingungen in Innsbruck.

"So ist das im Skispringen: Ein nicht so guter Sprung und alles ist vorbei. Aber das war definitiv meine schönste Tournee. So gut war ich noch nie", betonte der Gesamt-Dritte Geiger: "Immer in Erinnerung bleiben wird mir vor allem mein Podestplatz daheim in Oberstdorf."

Vor seiner Haustür im Allgäu, aber auch beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und beim großen Finale in Bischofshofen segelte der zweimalige Team-Weltmeister jeweils auf Platz zwei. Damit lag er am Ende 23,2 Punkte hinter Gesamtsieger Dawid Kubacki aus Polen, der mit einem starken Tournee-Finish auch noch den Halbzeitführenden Ryoyu Kobayashi in der Gesamtwertung hinter sich ließ.

Geiger stabil wie nie

Auch wenn er in diesem Winter noch nie ganz oben stand: Karl Geiger ist weiterhin der stabilste Skispringer der Saison. In allen Weltcupspringen kam der 26-Jährige unter die besten Acht. Das eröffnet ihm beste Chancen für den Triumph im Gesamtweltcup, in dem er nur noch 25 Zähler hinter dem entthronten Tournee-Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi (Japan) liegt.

Hoffnung für die zum Saisonende im März anstehende Skiflug-Weltmeisterschaft in Planica schöpfte derweil der dreimalige Weltmeister Markus Eisenbichler. Ein Sturz gleich zu Saisonbeginn, Windpech und die zu hohe eigene Erwartungserhaltung hatten den begnadeten Flieger vor der Tournee weit zurückgeworfen.

Eisenbichler zurück, Schmid im Kommen

Bei den deutschen Tournee-Stationen fand Eisenbichler mit den Plätzen elf und zehn jedoch wieder halbwegs zurück in die Spur. "Markus ist definitiv wieder auf den Weg nach vorn. Es dauert nicht mehr lange, dann wird der 'Eisei' wieder vorn aufschlagen", ist Horngacher überzeugt. Eisenbichler könnte also ein möglicher DSV-Joker für den restlichen Weltcup, sein, der noch einige Höhepunkte bietet.

Als ein Mann für die Zukunft hat sich das 20 Jahre alte Nachwuchstalent Constantin Schmid bei dieser Tournee etabliert. Mit Platz sieben beim Neujahrsspringen weckte der DSV-Youngster Hoffnungen auf künftige Erfolge. Horngacher hatte in der Saisonvorbereitung die Materialabstimmung des zweimaligen Junioren-Weltmeisters geändert, um dessen Sprung effektiver zu machen. Mit Erfolg: "Constantin springt technisch auf einem hohen Niveau. Er ist unser größtes Talent und bringt alles mit."

Freitag: Snowboarden statt Skispringen

Sorgenkind der deutschen Mannschaft ist mit Richard Freitag ein anderer Champion des vergangenen Winters: Er verpasste wegen massiver technischer Probleme im gesamten Sprung beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf die Qualifikation für den Wettbewerb und wurde danach zum Snowboard-Fahren geschickt, um den Kopf freizubekommen.

Freitag dürfte aber in den nächsten Wochen wieder ins deutsche Weltcup-Team zurückkehren – genau wie Severin Freund. Der in den letzten Jahren von Verletzungen gebeutelte Olympiasieger, Weltmeister und Gesamtweltcupsieger hat seine Rückenprobleme überwunden und trainiert wieder auf der Schanze. "Für Severin könnte die Skiflug-WM ein Ziel sein", sagt Horngacher.

Hannawald prophezeit deutschen Tournee-Sieger

Wegen Knieverletzungen fehlten bei dieser Tournee mit dem zweimaligen Olympiasieger Andreas Wellinger und Talent David Siegel zwei weitere potenzielle Leistungsträger. Horngacher: "Wir haben drei unserer besten Athleten nicht im Einsatz. Ich weiß nicht, welches Team auf der Welt das kompensieren kann. Wir schaffen es fast."

Für den letzten deutschen Tournee-Gesamtsieger Sven Hannawald (2001/2002) steht nicht nur deshalb schon jetzt eins fest: "In der Ära Horngacher wird es einen deutschen Tournee-Gesamtsieger geben."

Top-DSV-Gesamtplatzierungen der letzten zehn Vierschanzentourneen

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