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Versöhnt mit sich selbst

Arnd Peiffer vor dem ersten Rennen beim Biathlon-Weltcup in Hochfilzen

Beim Überraschungssieg im Sprint schloss Arnd Peiffer, 31, in Pyeongchang auch Frieden mit seiner olympischen Vergangenheit. Im ersten Männerrennen beim Hochfilzener Weltcup startet er am Freitag in seiner Lieblingsdisziplin – und neuerdings als Vater.

Arnd Peiffer
Arnd Peiffer wurde in der vergangenen Woche zum ersten Mal Vater.
Quelle: Darko Bandic/ap

Seine Privatsphäre hütet Arnd Peiffer wie einen Heiligen Gral. So achtet der freundliche Niedersachse sehr darauf, dass sein genauer Wohnort und die exakte Adresse nirgendwo herauszufinden sind. Die Geburt seiner Tochter in der vergangenen Woche wurde erst bekannt, als es auch wirklich so weit war. Doch im Zusammenhang mit seinem schillerndsten Erfolg als Skijäger gibt er nun immerhin mal einen kleinen Einblick in sein häusliches Inventar.

Waffenschrank statt Sockenschublade

Ich kann es mir im Moment noch nicht vorstellen, dass im Fernsehen Biathlon übertragen wird – und ich sitze auf dem Sofa und schau zu.
Arnd Peiffer

So ruht die olympische Goldmedaille von Pyeongchang nicht mehr wie im Februar in einer südkoreanischen Sockenschublade. "Als Biathlet muss man ja eh einen Waffenschrank haben, da liegt die Medaille jetzt mit drin", verrät Peiffer gegenüber zdfsport.de. Und auch über die Kumpels aus der Jugendzeit, unter ihnen ein Polizist und viele Ingenieurswissenschaftler, spricht der 31-Jährige.

Mit ihnen pflege er "schon intensiveren Kontakt", auch mit einem Treffen klappe es immer mal wieder. "Bei diesem Trüppchen bin ich einer von Fünfen oder Sechsen – gleichberechtigt", erzählt er. "Und ich muss sagen: Für mich ist es angenehm, solche Freunde von früher aus der Schulzeit zu haben – denn die können einem auch mal bestimmte Sachen sagen. Zum Beispiel: Schau' mal her, Arnd, ich glaube, da verrennst du dich gerade ein bisschen. Ich finde, das ist eine gute Erdung."

Schießstand statt Sofa

In dem Stil geht Peiffer auch den nacholympischen Winter an, es ist der elfte seit seinem Debüt im Weltcup. Der Gedanke, mit dem größten Erfolg als Sportler die Karriere zu beenden, kam ihm dabei gar nicht erst in den Sinn. "Ich kann es mir im Moment noch nicht vorstellen, dass im Fernsehen Biathlon übertragen wird – und ich sitze auf dem Sofa und schau zu", sagt er. "Ich schaue tatsächlich von Jahr zu Jahr."

An bestimmten Orten, wie etwa dem malerisch gelegenen Antholz, Austragungsort der WM 2020, hängt die Entscheidung über einen möglichen Schlussstrich jedenfalls nicht. "Man kann", lautet Peiffers simple Begründung, "an einem Ort sein, der einem eigentlich nicht gefällt, mit miesem Wetter, aber einer guten Leistung. Den wird man in guter Erinnerung behalten. Oder an einem Ort mit Traumwetter, wo überhaupt nichts funktioniert – der bleibt dann in schlechter Erinnerung."

Olympisches i-Tüpfelchen

Wegen der Geburt seiner Tochter legte Arnd Peiffer beim Weltcup-Auftakt in Pokljuka einen Kaltstart hin, Rang 25 in der Verfolgung war dort sein bestes Resultat. In Hochfilzen soll das nun deutlich besser werden – wobei der Gesamt-Vierte der letzten zwei Jahre weiß, dass Konkurrenten wie der aktuell führende Norweger Johannes Thingnes Bö oder der mit Problemen gestartete Superstar Martin Fourcade aus Frankreich für ihn über die Saison hinweg nicht zu schlagen sein werden.

Umso schöner sind Highlights wie der unerwartete Olympiasieg vor zehn Monaten. "Das war schon noch mal ein i-Tüpfelchen für mich", sagt Peiffer. Denn: "Der Sprint ist meine Lieblingsdisziplin, und ich habe es weder in Vancouver noch in Sotschi geschafft, da ein gutes olympisches Rennen zu machen. Das hat mich innerlich ein bisschen gewurmt. Deshalb war es für mich auch eine Versöhnung mit mir selbst."

Derart geerdet und mit sich im Reinen will er im Pillerseetal nun so richtig in den Winter einsteigen – am Freitag, beim Sprint, seinem Paradewettkampf.

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