Sie sind hier:

Eine Region kämpft um den Klassenerhalt

Erzgebirge Aue in der Zweitliga-Relegation gegen den KSC

Nach dem Skandal-Spiel in Darmstadt versucht Erzgebirge Aue sich nun auf die Relegation zu konzentrieren. Die wäre nicht nötig gewesen. Die Gründe liegen tiefer, als Fehlentscheidungen der Schiedsrichter.

Hannes Drews, Trainer Erzgebirge Aue
Aue-Trainer Hannes Drews fühlt sich wie seine Mannschaft von den jüngsten Schiedsrichter-Entscheidungen benachteiligt.
Quelle: dpa

"Ich weiß nicht, was wir den Schiedsrichtern getan haben", seufzte Trainer Hannes Drews. In drei der letzten vier Saisonspielen fühltr sich der Coach des FC Erzgebirge Aue benachteiligt. Im letzten Spiel gegen Darmstadt wurde Aue ein reguläres Tor nicht anerkannt. Es hätte zum sicheren Klassenerhalt gereicht. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes lehnte beide Einsprüche des Zweitligisten gegen die Wertung des Spiels ab.

Nach Ansicht der Fans wurde die Mannschaft um den verdienten Lohn gebracht. Denn noch nie musste ein Team mit so vielen Punkten (40) um den Klassenerhalt bangen. Doch der aus Auer Sicht bittere Fakt bleibt: Erzgebirge Aue muss in der Relegation gegen den Karlsruher SC (Freitag, 18:15 Uhr/live im ZDF) antreten.

2. Liga ist wie Champions League

Erzgebirge Aue gegen Darmstadt 98
Frustrierte Veilchen nach dem Spiel bei den Lilien.
Quelle: dpa

Der FCE hat für seine Ansprüche eine ordentliche Saison gespielt. Denn das Ziel in Aue ist stets der Klassenerhalt. 2. Liga, das ist hier quasi die Champions League. Dass die "Veilchen" noch nachsitzen müssen, haben sie sich zu guten Teilen selbst zu zuschreiben. Nach einem Zwischenspurt holten sie aus den vergangenen fünf Spielen – wenn auch unglücklich – nur noch einen Punkt.

Die Saison war für Aue denkbar schlecht gestartet. Der Held der Vorsaison, Domenico Tedesco, ging dank einer Vertragsklausel für 500.000 Euro zum FC Schalke 04. Thomas Letsch sollte ihn ersetzen. Doch dessen offensive Spielidee im Stile von RB-Leipzig-Fußball passte nicht zur Mannschaft und so war Letsch nach drei Pflichtspielen schon wieder Geschichte.

Der lange Schatten von Tedesco

Mit Drews folgte eine Art Tedesco 2.0. Beide Trainer ähneln sich, Drews kam auf Empfehlung von Tedesco, der weiter eine enge Verbindung ins Erzgebirge hat. Und beide haben auf dem Fußball-Lehrerlehrgang ein Zimmer geteilt. Beide Trainer verfolgen eine ähnliche Spielidee, meistens geprägt durch ein 3-4-3-System, das auf stabiler Verteidigung und schnellem Umschalten basiert. Das griff im Laufe der Saison wieder und Aue schien sich lange aus dem unfassbar engen Abstiegskampf heraus halten zu können, ehe im Saisonendspurt die Luft ausging.

Für die Relegation sehen sich die Auer gerüstet. "Immer dann, wenn der Druck am größten ist, sind wir da und rufen unsere Leistung ab", sagt Routinier Christian Tiffert. Der 36-Jährige ist das Hirn im Auer Spiel, lenkt von der Sechser-Position oder als zentraler Innenverteidiger die Mannschaft.

Das Underdog-Gefühl im Erzgebirge

Im Kader stehen mit Pascal Köpke, Dimitrij Nazarov und Dennis Kempe gleich drei ehemalige KSC-Spieler. Vor allem Köpke und Nazarov sind mit ihren Toren unerlässlich für das Auer Spiel. Der Volksheld steht im Erzgebirge aber im Tor: Martin Männel. "Er ist die Gallionsfigur des Klubs", hatte Präsident Helge Leonhardt einmal über ihn gesagt. Männel ist mit 1,83 Meter ungewöhnlich klein für einen Schlussmann. Ein paar Zentimeter mehr, sagen viele Wegbegleiter, und Männels Karriere wäre noch erfolgreicher verlaufen.

Underdog sein, wir gegen alle – das ist das Gefühl im Erzgebirge. Zu DDR-Zeiten wurden die besten Spieler zu den großen Klubs abkommandiert. Heute fühlt man sich von den "hohen Herren in Frankfurt" (Zitat eines Auer Stadtrats) um den Klassenerhalt betrogen. Dadurch wird der Klub und die Region aber zusammengeschweißt. Neben der Unternehmer-Familie Leonhardt, die den Verein seit vielen Jahr maßgeblich prägt, gibt es keine großen Sponsoren. Viele kleine Betriebe ermöglichen den Profi-Fußball im Erzgebirge.

Kreis und Stadt stehen hinter dem Verein

Auch der Landkreis und die Stadt helfen. Das schicke neue Stadion wurde im Wesentlichen von ihnen bezahlt. Die Miete ist moderat und gestaffelt nach der Liga-Zugehörigkeit. Der FCE ist, auch wenn er das offiziell nie sagen würde, auch immer auf den Abstieg in die 3. Liga vorbereitet. Dennoch: Auch für Aue wäre der Abstieg wie "ein Umstieg vom ICE in den Güterzug", wie es Leonhardt einmal formulierte.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.