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Forza Italia - Angriff der Italienerinnen

Biathlon-Weltcup in Antholz

von A. Morbach (Text) und A. Fröhlich (Video)

Zwei Italienerinnen an der Spitze der Biathlon-Gesamtwertung - das gab es noch nie. Beim Weltcup in Antholz haben Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi nun zudem Heimvorteil, zum ersten Mal am Donnerstag im Sprint über 7,5 Kilometer (14.15 Uhr/ZDF).

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23.01.2019
23.01.2019
Lisa Vittozzi
Lisa Vittozzi
Quelle: reuters

Die Bilder von den schneebedeckten Gipfeln der Rieserfernergruppe unter tiefblauem Himmel gehören Ende Januar zum festen Repertoire des Biathlon-Zirkus.

Diesmal aber ist beim Antholzer Weltcup vor allem für die einheimischen Fans etwas anders: Mit Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi führen zwei Italienerinnen die Gesamtwertung an - und das gab es bei der Crème de la Crème der Skijägerinnen noch nie.

Überall Unterschiede

Wenn ich schnell schieße, schieße ich auch meistens gut.
Dorothea Wierer

Doch so einträchtig die Südtirolerin Wierer (28) und ihre fünf Jahre jüngere Teamkollegin aus Venetien der Konkurrenz in diesem Winter die Hacken zeigen, so unterschiedlich sind ihre Charaktere: Hier die lebhafte, offene, abenteuerlustige Wierer, die sich immer schnell langweilt. Dort die ruhige, zurückhaltende, fast schüchterne Vittozzi, die nichts mehr genießt als entspannte Tage zu Hause in Forni Avoltri, einer Gemeinde mit 575 Einwohnern.

Den Vorsprung auf ihre aktuell schärfsten Verfolgerinnen - Paulina Fialkova aus dem slowakischen Brezno sowie die gebürtige Russin Anastasiya Kuzmina, seit 2008 ebenfalls für die Slowakei am Start - haben sich die beiden Italienerinnen vor allem herausgeschossen. Wobei ihre Vorlieben auch bei der Arbeit mit dem Gewehr auseinander driften: Vittozzi hat klare Vorteile beim Stehendschießen. Wierer ist ein Ass im Liegendanschlag - vor allem, was die Schnelligkeit angeht.

Vittozzis Vorbild

Fängt sie an zu denken, kommen meist auch die Fehler. Das rasche Schießen bezeichnet die impulsive Frau aus Niederrasen im Antholzer Tal deshalb als ihren "natürlichen Rhythmus".

Und seit ihrem ersten Auftritt im Weltcup im Januar 2009 machte sie immer wieder die Erfahrung: "Wenn ich schnell schieße, schieße ich auch meistens gut."

Für die überaus bedachte Vittozzi war Wierer stets der zentrale Orientierungspunkt in ihrer Karriere.

"Ich wusste, dass sie auf einem Niveau ist, das ich gerne erreichen wollte", betont die zweifache Juniorenweltmeisterin von 2014, die gemeinsam mit Wierer bereits drei Weltcup-Erfolge mit der Staffel feierte.

Und bei Olympia vor elf Monaten mit Italiens Mixed-Staffel zudem einen bronzen Medaillensatz gewann.

Doppeltes Debüt

In Oberhof genoss Vittozzi vor zwei Wochen nun auch ihre ersten Triumphe im Weltcup - zunächst im Sprint, dann in der Verfolgung, ihrer erklärten Lieblingsdisziplin. "Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel", erklärte die dunkelhaarige Skijägerin nach ihrem Premierenerfolg im Thüringer Wald. Und zwei Tage später, nach dem Jagdrennen, sagte sie bescheiden: "Zwei Siege machen noch keine Saison."

Doch die strahlenden Momente häufen sich - für Lisa Vittozzi, der die im Frühjahr zurückgetretene Weltklassebiathletin Marie Dorin-Habert aus Frankreich vor der Saison den Gewinn in der Gesamtwertung prophezeite. Und für Dorothea Wierer, die, in diesem Winter bislang beim Sprint von Hochfilzen ganz oben auf dem Podest, ihren aktuellen Spitzenplatz im Weltcup am liebsten bis zum Saisonfinale Ende März in Oslo verteidigen möchte.

Elitäre Erkenntnisse

Eine italienische Gesamtsiegerin gab es im Biathlon noch nie. Nun haben mit Wierer, die ihre Laufbahn bei der Antholzer Heim-WM im nächsten Jahr beenden möchte, und Vittozzi gleich zwei die Chance dazu. Auch, weil sich das aparte Top-Duo aus dem Süden in den zurückliegenden Jahren im Weltcup kontinuierlich verbesserte: Bei Wierer geht es im Endklassement seit 2012 aufwärts. Bei Vittozzi seit 2015, also von Beginn an.

Zu spüren bekamen diesen Aufschwung auch schon die Mannschaftkollegen Lukas Hofer und Dominik Windisch. Im letzten Frühjahr startete Italiens bronzenes Mixed-Quartett von Pyeongchang den Versuch einer Elitetrainingsgemeinschaft, mit vier Mitgliedern. "Die beiden schießen immer gut und schnell", berichtete Hofer kürzlich von seinen Erfahrungen mit Wierer und Vittozzi im ersten gemeinsamen Trainingssommer. Und dann fügte der 29-Jährige noch hinzu: "Um das hinzukriegen, muss ich in den nächsten Jahren hart arbeiten."

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