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Weltcup-Finale in Tjumen: "Falsches Signal"

Biathlon in Russland

Sport | ZDF SPORTextra - Weltcup-Finale in Tjumen: "Falsches Signal"

Einige Nationen boykottieren den Saisonausklang der Biathleten in Tjumen. Auch im deutschen Team wurde die bekannte Dopingproblematik in Russland diskutiert, in Westsibirien sind die DSV-Skijäger nun aber am Start - und behalten die Augen offen.

Beitragslänge:
1 min
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Biathlet Erik Lesser
Erik Lesser Quelle: dpa

Der Erfolg über Martin Fourcade fiel knapp aus, als echte Rarität weiß Erik Lesser das Ereignis aus der Vorwoche aber allemal zu schätzen. Am Rande des Weltcups in Oslo wurde der Thüringer zum ersten Mal in das Athleten-Komitee des Biathlon-Weltverbandes (IBU) gewählt - mit zwei Stimmen Vorsprung auf Superstar Fourcade, der die Interessen der Sportler gemeinsam mit dem DSV-Skijäger nun für die vier nächsten Jahre vertritt.

Individuelle Ziele gehen vor Boykott

"Wenigstens einmal habe ich ihn geschlagen", scherzt Lesser. Weniger witzig findet der 29-Jährige im Gespräch mit dem ZDF die Diskussionen um das bevorstehende Weltcupfinale im russischen Tjumen. "Es gibt Beweise, die darauf hindeuten, dass bei den Russen in Sotschi irgendwas schiefgelaufen ist. Und solange das nicht aufgearbeitet ist, darf es hier normalerweise kein Weltcupfinale geben."

Die Teams aus den USA, Kanada, Tschechien und der Ukraine haben den letzten Termin in diesem Winter deshalb boykottiert, ebenso Einzelsportler wie der schwedische Staffel-Olympiasieger Sebastian Samuelsson oder der Slowene Klemen Bauer.

Auch die deutschen Biathleten diskutierten intern darüber, den Russen die kalte Schulter zu zeigen, entschieden sich primär aus sportlichen Gründen aber gegen einen Boykott. Arnd Peiffer sagte im ZDF, bei einem Boykott "bestrafe ich mich in erster Linie selbst". Und Lesser erklärte: "Jeder von uns hat noch individuelle Ziele, und die will er sich nicht einfach nehmen lassen."

Fehlende Eleganz

Doch der Oberhofer, ein bekannt kritischer Geist, beleuchtet auch die Rückseite der Medaille. "Bei Weltcup-Finale werden die Kristallkugeln für die Einzeldisziplinen und den Gesamtweltcup verliehen, dazu gibt es eine große Party“, kennt Lesser die exponierte Stellung dieses Termins. "Und das Ganze findet jetzt in Russland statt. Damit sendet man ein falsches Signal aus."

Seiner Ansicht nach hätte ein Saisonausklang in einem russischen Austragungsort gar nicht erst zur Debatte stehen dürfen. "Andere Weltverbände waren auch bei Weltcups in Russland - aber eben nicht beim Finale. Das hätte man ein bisschen eleganter lösen können", kritisiert Lesser den eigenen Weltverband.

Lust auf Opposition

Den Funktionären will er in seiner neuen Rolle künftig fest auf die Füße treten. "Ich sehe es als meine, als unsere Aufgabe im Athleten-Komitee an, die Stimme zu erheben, querzudenken, so ein bisschen die Opposition in der IBU zu sein", sagt Lesser.

Mit seinem französischen Mitstreiter Fourcade, aktuell Erster im Gesamtweltcup, hat er auch über den heiklen Termin in Tjumen debattiert. "Im Endeffekt geht es ihm auch um das Gelbe Trikot. Aber er ist, wie wir, schon auch der Meinung, dass wir mit den Russen in der Dopingbekämpfung Hand in Hand gehen müssen", erzählt Lesser.

Vor einem Jahr stellte sich Fourcade selbst noch an die Spitze einer Boykottdrohung der Athleten, die speziell die nachlässige Haltung der IBU ins Visier nahm.

Offene Fragen

Der Weltverband reagierte unter anderem damit, dass er dem russischen Biathlonverband die WM 2021 in Tjumen entzog. "Ein schlauer Zug", kommentiert Lesser, sagt aber auch: "Soweit ich das beurteilen kann, gibt es im so genannten McLaren-Report neben den vielen Indizien schon noch einige offene Fragen und Interpretationsspielräume. Wenn die Nachweise in dem Report erbracht worden wären, hätte ich jetzt auch gesagt: Ich fahre nicht zum Weltcup nach Tjumen."

Zu behaupten, die Russen hätten das Dopingproblem exklusiv, bezeichnet Lesser allerdings als "scheinheilig" - und nennt den internationalen Gebrauch beziehungsweise Missbrauch von Asthmamitteln als zentrales Beispiel.

Wo landen die Dopingproben?

Ganz aktuell aber richtet sich Lessers Blick auf die vier Wettkampftage in Tjumen. "Der große Punkt dort sind die Dopingproben. Da mache ich mir schon Gedanken, wie die IBU das Problem löst, dass die Proben, die wir dort abgeben, auch in ein Labor kommen, in dem alles vernünftig abläuft“, betont Lesser, der weiß: "So etwas gibt es ja in Russland momentan nicht, deshalb müssen alle Proben außer Landes geschafft werden." Ein scharfes Auge ist beim winterlichen Saison-Kehraus in Westsibirien also nicht nur am Schießstand gefragt.

ZDF SPORTextra: Biathlon vom 22.03.-25.03.18
ZDF SPORTextra: Biathlon vom 22.03.-25.03.18 Quelle: ZDF

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