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Bondscoach Koeman krempelt Oranje um

Ronald Koeman, der neue Nationaltrainer der Niederlande, hat das Umfeld der "Elftal" grundlegend geändert und die Mannschaft verjüngt. Doch reicht das schon für ein gutes Resultat gegen Deutschland (Samstag, 20.45 Uhr, live im ZDF)?

Ronald Koeman
Ronald Koeman

Zu allererst musste der Luxus dran glauben: Vor Spielen der Nationalmannschaft residieren die Spieler von "Oranje" nicht mehr im Nobel-Hotel Huis ter Duin, direkt am Strand. Sie schlafen nun im Hotel "Woudschoten", direkt am Hauptquartier des niederländischen Fußball-Bundes KNVB.

Vier Debütanten

Wald statt Meer, Campus statt Schampus - der neue Bondscoach Ronald Koeman krempelt die "Elftal" komplett um - und geht mit gleich vier Debütanten im Kader in das Nations-League-Duell gegen Deutschland (Samstag, 20.45 Uhr, ab 20.15 Uhr live im ZDF).

Als der 55-Jährige noch Trainer von Everton in der englischen Premier League war, horchte er seine Nationalspieler nach Besuchen bei Oranje gerne mal aus. Wie ist es so beim Nationalteam? Stimmung? Einstellung? Intensität? Was er hörte, gefiel ihm gar nicht. Es ging mehr um Social Media als um die richtige Taktik für das nächste Spiel. Kampfgeist und Arbeitseifer waren kaum vorhanden. So trat Oranje, das einen qualitativen Aderlass hinnehmen musste, immer noch auf, als wäre es ein Spitzenteam - und verpasste mit dem EM 2016 und der WM 2018 gleich zwei Turniere in Folge.

Koeman sollte schon 2014 Bondscoach werden

Dabei ist der letzte Triumph, der dritte Platz bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, noch gar nicht so lange her. Eigentlich sollte Koeman, damals bei Feyenoord Rotterdam erfolgreich, der Nachfolger von Louis van Gaal als Bondscoach werden. So wollte es das Volk und die Spieler sowieso.

Doch entschied sich der Verband für den Fußball-Rentner Guus Hiddink, dem Danny Blind, ein Trainer-Novize, nachfolgen sollte. Es war die bequemere Wahl. Damals.

Ein Debakel

Es sollte ein Debakel werden. Koeman wechselte frustriert nach Southampton, Hiddink, Blind und später gar Altmeister Dick Advocaat führten das Fußball-Aushängeschild in die Bedeutungslosigkeit.

Einen schlimmeren Zeitpunkt konnte es für Koeman gar nicht geben zum Einstieg - oder vielleicht auch keinen besseren? Oranje war am Boden - und Koeman fegte einmal richtig durch. Er sortierte Altstars wie Wesley Sneijder, Klaas-Jan Huntelaar oder Robin van Persie endgültig aus. Und setzt auf neue Talente. Neun Spieler aus dem Aufgebot sind 23 Jahre oder jünger, Ryan Babel ist der einzige Akteur über 30.

Talente rücken nach

Vor allem merken die Spieler, auch international: Wer leistet, wird nominiert. So gibt es durchaus überraschende Namen in Koemans Aufgebot wie Arnaut Danjuma Groeneveld (21, Club Brugge), Pablo Rosario (21), Denzel Dumfries (22) und Steven Bergwijn (21, alle PSV). Das Grundgerüst der Mannschaft bilden derweil die wenigen Legionäre: Virgil van Dijk (Liverpool), der teuerste Verteidiger der Welt, Jasper Cillessen (Barcelona) im Tor oder Georgino Wijnaldum (Liverpool) im Mittelfeld. Dazu kommt Angreifer Memphis Depay, der für Olympique Lyon regelmäßig den Weg zum Tor findet.

"Ich bin gar nicht so pessimistisch", sagt der Bondscoach über die Qualität der niederländischen Fußballer. Zumal Ajax und PSV gerade endlich wieder haufenweise Talente wie Matthijs de Ligt (19), Frenkie de Jong (21, Ajax) oder Bergwijn auf den Markt werfen.

Keine Frischlinge

Auf frisches Talent allein will Koeman, der sowohl als Trainer und Spieler bei den Top-Klubs Ajax, Feyenoord und PSV arbeitete, nicht bauen. Und so musste nicht nur das Mannschaftshotel dran glauben: Die Kadernominierungen kommen neuerdings per schnöder E-Mail, die Ankunft der Spieler im Quartier, einst eine Parade der Luxuskarossen und Bling Bling, findet nun hinter verschlossenen Türen statt.

Genau wie die Trainingseinheiten. Koeman will in Ruhe arbeiten - das hat er in England gelernt. Auch das 4-3-3-System der Niederländer ist längst nicht mehr heilig. "Ich muss mein System an meine Spieler anpassen, nicht umgekehrt", betont der Bondscoach - und rührt im Notfall auch Beton an.

Umschwung trägt erste Früchte

Der neue Führungsstil bringt tatsächlich erste, kleine Erfolge. Im Auftaktspiel der Nations League verlor "Oranje" in Frankreich knapp 1:2 - ein achtbares Ergebnis. Denn nach einer schwachen ersten Hälfte waren die Niederländer nach der Pause sogar besser als der frischgebackene Weltmeister, kassierten dann aber doch noch das Siegtor.

Und das ärgerte Koeman ungemein. "Lob ist nett, aber das reicht nicht. Es geht um Ergebnisse", sagt er dann. "Es wird Zeit, dass wir wieder an uns selber glauben. Wir müssen auch gegen Deutschland zeigen, dass wir guten Fußball spielen können."

Sport | ZDF SPORTextra - Holland - Deutschland, die Highlights

Die Highlights der Nations-League-Partie Niederlande - Deutschland (3:0).

Videolänge:
2 min
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