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Mit Instinkt und Köpfchen gegen die Bayern

10. Spieltag: Frankfurt - Bayern live im ZDF

Seit dem Abgang von Niko Kovac hat Eintracht Frankfurt unter Nachfolger Adi Hütter mehrere Entwicklungsschübe durchgemacht. Gegen die Bayern (Sa., 15.30 Uhr/live im ZDF) wollen das die heimstarken Hessen unter Beweis stellen und bauen dabei auf die Qualitäten der neuen Sturm-Besetzung.

Bundesliga: Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen
Bas Dost (li.) und Goncalo Paciencia jubeln für die Eintracht
Quelle: dpa

Sebastian Rode, daraus macht der Dauerläufer im Mittelfeld von Eintracht Frankfurt gar keinen Hehl, will seine kurze Zeit beim FC Bayern niemals missen. Denn „Seppl“, wie ihn alle bei den Hessen nennen, wäre ohne die Prägung 2014 bis 2016 unter Pep Guardiola in München nicht der Fußballer, der er heute ist. „Jeder Spieler profitiert von ihm. Pep ist phänomenal“, sagte Rode bei seiner Rückkehr kurz nach Neujahr, als der Musterprofi zunächst leihweise von Borussia Dortmund anheuerte.

Starke Heimbilanz

Inzwischen ist der 29-Jährige langfristig bis 2024 gebundene Kraft in dem Eintracht-Ensemble, das am Samstag den kriselnden Branchenprimus erwartet. Beim Tanz auf drei Hochzeiten ist diese Herausforderung in der ausverkauften Arena im Stadtwald fraglos ein Höhepunkt.

„Wir haben ein enormes Pensum“, sagt Rode, „aber am Samstag wird die Stimmung im Stadion Euphorie bei uns entfachen.“
Rückenwind verleiht die Tatsache, dass kein Team zuhause bislang mehr Punkte holte als die Adlerträger. Viele auf den Rängen sehnen sich an Zeiten zurück, als Bernd Nickel so tückische Eckbälle schlug, dass Sepp Maier sich die Bälle selbst ins Netz patschte. Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski so verwirrend kombinierten, dass Franz Beckenbauer mal wieder ein Eigentor unterlief. Oder Karl-Heinz Körbel so eng am Mann klebte, dass Gerd Müller die Lust verging. Alles verdammt lang her.

Mehr Spiele als die Bayern

Aber selten schienen die Vorzeichen im Frankfurter Stadtwald günstiger, die horrormäßig anmutende Negativserie gegen den FC Bayern mit 16 sieglosen Partien zu beenden. Der letzte Heimsieg gegen diesen Gegner datiert aus dem Jahr 2010; an die Torschützen Juvhel Tsoumou und Martin Fenin erinnern sich Eintracht-Fans deshalb gut, weil ihr Team in elf der vergangenen 14 Duelle ohne Tor blieben. Zeit, dass sich was dreht, obwohl die Frankfurter wegen der Europa-League-Qualifikation sogar noch sechs Pflichtspiele mehr bestritten haben als die Münchner.

Wir können nicht abwartend spielen. Wir müssen proaktiv sein.
Gelson Fernandes, Eintracht Frankfurt

„Wir werden alles in die Waagschale werfen müssen“, sagt Trainer Adi Hütter. Während sein Vorgänger Niko Kovac auf der Gegenseite eine klare Handschrift vermissen lässt, hat sich die Eintracht unter seiner Anleitung gehäutet und weiterentwickelt. Gewiss, Kovac hatte mit dem Pokalsieg 2018 die Initialzündung gegeben, aber was der von Young Boys Bern gekommene Österreicher daraus gemacht hat, verdient Respekt. Mit seiner Grundanschauung ist ein hoher Unterhaltungswert garantiert, was sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld, der Schweizer Organisator Gelson Fernandes, so erklärt: „Wir können nicht abwartend spielen. Wir müssen proaktiv sein.“ Egal, wie der Gegner heißt. Und dafür gibt Hütter stets einen klaren Plan aus.

Ersatz für die Büffelherde

Der Sturmlauf bis ins Halbfinale der Europa League als letzter deutscher Vertreter mit packenden Duellen gegen Benfica Lissabon, Inter Mailand oder dem FC Chelsea hat der Eintracht auf allen Ebenen Mehrwerte geschaffen. Der Umsatz ist auf 200 Millionen Euro gewachsen, mehr als 80.000 Mitglieder sind registriert, ein Profi-Campus und eine Geschäftsstelle entstehen. Dass Frankfurt die so genannte „Büffelherde“ mit Luka Jovic, Sebastian Haller und zuletzt noch Ante Rebic verlor, hat Hütter natürlich nicht gefallen. „Uns fehlen 57 Tore“, sagte der 49-Jährige anfangs der Saison häufiger in Anspielung auf deren famose Torproduktion.

Doch inzwischen greift seine Philosophie vom Pressingfußball mit viel Wille, Wucht und Körperlichkeit wieder, wovon die neue Sturmbesetzung profitiert. Goncalo Pacienca, Bas Dost – Doppeltorschütze beim 2:1-Sieg im Pokal auf St. Pauli – und der noch verletzte David Silva stehen wettbewerbsübergreifend bei 13 Treffern. Immerhin elf der 16 Bundesliga-Tore gehen auf das Konto des neuen Dreigestirns, dem Sportvorstand Fredi Bobic sogar eine größere fußballerische Klasse und Unberechenbarkeit zuschreibt.

Bangen um Kostic

Pacienca mit seiner Kopfballstärke, Dost mit seinem Instinkt und Silva mit seiner Technik bilden fraglos eine spannende Konstellation. Sie brauchen allerdings fleißige Zuarbeiter, und die Schlüsselfunktion nehmen dabei im bevorzugten 3-5-2-System die beiden hoch stehenden Außenverteidiger Danny da Costa und Filip Kostic ein, die in Wahrheit wie verkappte Flügelspieler agieren. Sollte der durchsetzungsstarke Kostic tatsächlich wegen Knieproblemen gegen die Bayern ausfallen, würde das die Frankfurter Erfolgsaussichten erheblich schmälern.

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