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DFB-Elf: Gute Unterhaltung, wichtige Lehren

Nach dem 1:1 gegen Spanien wartet mit Brasilien der nächste Hochkaräter

Das erste Länderspiel des Jahres hat seinen Zweck mehr als erfüllt: Beim 1:1 gegen Spanien wurde die deutsche Nationalmannschaft auf höchstem Niveau gefordert. Für die Partie gegen Brasilien am Dienstag (20:45 Uhr/ZDF ab 20:15 Uhr) dürfte ähnliches gelten.

Jerome Boateng, Thomas Müller, Mats Hummels und Sami Khedira (l-r)
Jerome Boateng, Thomas Müller, Mats Hummels und Sami Khedira (l-r) Quelle: dpa

Mats Hummels stand hinterher mit einer wärmenden Wollmütze im Erdgeschoss der Düsseldorfer Arena, um seine Einschätzungen zu diesem sehr ansehnlichen Fußballspiel abzugeben. Gleich vor dem Ausgang mit den vielen wartenden Fans und kurz vor der Weiterreise nach Berlin geriet der Abwehrchef der deutschen Nationalmannschaft beinahe ins Schwärmen: „Das ist genau der Fußball, den ich mag. Das ist mir viel lieber, als wenn ein Spiel nur dahinplätschert. Wir haben ziemlich ackern müssen, um in diese Partie zu kommen.“

Gerade hatte Deutschland im Duell gegen Spanien ein leistungsgerechtes 1:1 (1:1) erreicht; und das alltägliche Resultat verschwieg ein wenig, welche außergewöhnliche Klasse zumindest phasenweise auf dem kürzlich neu verlegten Rasen zu sehen war. Hummels erklärte noch, er habe selten gegen ein so passsicheres Team gespielt wie gegen die unter dem neuen Nationaltrainer Julen Lopetegui noch unbesiegten Iberer, die definitiv ihre Leistungsdelle bei der WM 2014 und EM 2016 abgeschüttelt haben.

Lobeshymnen auf die Spanier

Insofern war auch Bundestrainer Joachim Löw nach dem 22. Länderspiel in Folge ohne Niederlage voll des Lobes: „Es war ein hervorragender Test für uns gegen einen Gegner, der absolut auf Augenhöhe agiert. Beide Mannschaften haben versucht, offensiv zu sein und Druck auf den Gegner auszuüben.“ Vor allem die teils bis an den deutschen Strafraum geschobene Pressinglinie der Spanier, deren Selbstverständnis für spielerische Lösungen selbst in Drucksituation beeindruckte, stellte eine neue Erfahrung für die DFB-Auswahl dar. 

Eine Fähigkeit, die auch Löw unter dem geschlossenen Düsseldorfer Dach mächtig imponierte: „Spanien ist sehr eingespielt, da greifen die Automatismen sehr gut. Sie haben es von klein auf gelernt, auch unter Druck den Ball hinten herauszuspielen. Das sind die Mannschaften, die bei der WM eine entscheidende Rolle spielen wollen und auch können.“ Wer glaube, dass es eine einfache Geschichte bei der WM werde, der täusche sich gewaltig.

„Es gibt andere Mannschaften auf dem Planeten“

„Den Spaniern kann man die Spielfreude niemals nehmen, aber man kann ihnen das Leben schwer machen“, sagte Thomas Müller, der mit einem prächtigen Distanzschuss zum 1:1 (35.) die frühe spanische Führung durch den von Andres Iniesta glänzend freigespielten Rodrigo Moreno (6.) egalisiert hatte.

Müller fand den Länderspielauftakt im WM-Jahr allein deshalb eine  gute Sache, „weil alle gesehen haben, dass auch andere Mannschaften auf dem Planeten gut Fußball spielen können“. Und tatsächlich: Wer für die WM in Russland Frankreich, Brasilien oder Argentinien und Deutschland als Favoriten nennt, muss zwangsläufig auch Spanien dieser Kategorie zurechnen.

Lopetegui sieht deutsche Vorteile in der Physis

Deren Trainer Lopetegui, der die Seinen immer wieder mit fuchtelnden Handbewegungen hin und hergetrieben hatte, befand: „Ein gutes, offenes Spiel zweier Mannschaft mit schönem Stil und sehr guten Spielern. Wenn wir die Kontrolle abgeben, ist Deutschland physisch stärker. Wenn sie rennen können, sind die gefährlich.“

So besaßen die Spanier speziell in der Anfangsphase spielerische Vorteile, die der Weltmeister durch Tempo, Dynamik und bisweilen auch Körperlichkeit wettmachte. „Wir wollten auch, dass wir den einen oder anderen Fehler aufgezeigt bekommen. 2008 und 2010 haben wir zweimal bei Turnieren gegen Spanien verloren. Da sieht man, was wir für eine Entwicklung gemacht haben“, erklärte Löw, denn: „Wir sind in der Lage, auch mit unseren Kombinationen den Gegner laufen zu lassen.“

Mindestens drei Wechsel in Berlin

„Bei der WM müssen wir uns in allen Bereichen noch besser abstimmen und eine Schippe auflegen“, ergänzte Müller, der genau wie der vorzeitig dienstbefreite Vielspieler Mesut Özil kurz nach Mitternacht gar nicht mehr in die kleine Propellermaschine steigen musste, die die DFB-Delegation in die Hauptstadt brachte, wo am Dienstag (20:15 Uhr/ZDF, Anstoß 20:45 Uhr) im ausverkauften Olympiastadion der nächste Härtetest stattfindet. Brasilien wird die zweite Herausforderung auf Topniveau, zumal bei der Seleção unweigerlich die Erinnerungen ans traumatische 1:7 aus dem Halbfinale im eigenen Land mitschwingen. 

Löw wird das weniger interessieren. Er muss sein Personal neu sortieren. Ein Trio bekam schon mal einen Startelfeinsatz fest in Aussicht gestellt: Ilkay Gündogan und Leroy Sané von Manchester City sowie Lokalmatador Marvin Plattenhardt von Hertha BSC sollen in Berlin auf jeden Fall von Beginn an auflaufen. „Diese drei Wechsel wird es auf jeden Fall geben“, kündigte der 58-Jährige an, der seinen Spielern einen freien Nachmittag in Berlin spendierte, ehe am Sonntag der Fokus wieder dem Fußball gehört.

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