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Auf Kurs zum Titelanwärter

Frauenfußball - WM-Vorbereitung

Ein klarer Plan, eine gute Organisation und große Leidenschaft: Auch im zweiten Länderspiel unter Martina Voss-Tecklenburg überzeugt die deutsche Frauen-Nationalmannschaft. Nun soll im Härtetest gegen Vizeweltmeister Japan am Dienstag (16 Uhr/live ZDF) das dritte Ausrufezeichen folgen.

Martina Voss-Tecklenburg in der Stockholm Arena am 06.04.2019
Martina Voss-Tecklenburg
Quelle: reuters, tt news agency

Fünf Wochen ist es her, da saß Joachim Löw ziemlich erstaunt neben Martina Voss-Tecklenburg. Bundestrainer und Bundestrainerin hatten sich beim DFB-Amateurkongress in einem Kasseler Tagungshotel zum krönenden Abschluss gemeinsam auf die Bühne bitten lassen, und das Auditorium empfand den Talk vor allem deshalb so unterhaltsam, weil die Frau an Löws Seite keine Vorbehalte kannte.

"Mit dem Fußball verheiratet"

Sie erzählte von ihrem Wohnort in Straelen, wo sie oft mit dem Rad einfach an einem Fußballplatz hält, um kickenden Kindern zuzuschauen.

Von der Hochzeit mit dem Unternehmer Hermann Tecklenburg, bei der Schwergewicht Reiner Calmund als Trauzeuge erschien. Ihre Zusatzbemerkung: "Mein Mann lebt mit einer Frau zusammen, die mit dem Fußball verheiratet ist." Großes Gelächter bei fast 300 Vereinsvertretern.

Tatsächlich ist neben einem ausgeprägten Ehrgeiz die immense Leidenschaft an der schönsten Nebensache der Welt ein markantes Erkennungszeichen der neuen Bundestrainerin, die es offenbar mit Amtsantritt geschafft hat, diese Merkmale auf die Spielerinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft zu übertragen: Wie schon beim viel beachteten 1:0 beim WM-Gastgeber Frankreich setzten sich die DFB-Frauen nun auch mit 2:1 in Schweden durch.

Abgeklärt vor großer Kulisse

Als der nächste Prestigeerfolg vor mehr als 25.000 Zuschauern im Nationalstadion von Solna perfekt war, blies Voss-Tecklenburg zweimal erleichtert Luft aus den Backen. Und zwar ganz kräftig.

Nach dem schwedischen Anschlusstor durch Caroline Seger (72./Foulelfmeter)  wackelte die deutsche Führung von Kathrin Hendrich (51.) und Linda Dallmann (65.) - beide hatte Voss-Tecklenburg eingewechselt - zwar bedenklich, aber letztlich stellte auch die 51-Jährige fest: "Aufgrund der ersten Halbzeit war der Sieg verdient."

Viele Zuschauer

Der zweifache Weltmeister gefiel vor der ungewohnt großen Kulisse - Rekord für ein Freundschaftsspiel in Schweden - mit einem klaren Plan und guter Organisation. Sichtbar, dass das deutsche Team selbst agieren möchte, keiner die Verantwortung scheut - auch wenn spielerisch noch Luft nach oben ist.

"Unsere Leistung war ganz in Ordnung, Wenn wir daran anknüpfen, bin ich guter Dinge, dass wir erfolgreich sein werden. Aber es war noch nicht alles perfekt", sagte Hendrich, die sich mit ihrem vierten Länderspieltor am 27. Geburtstag beschenkte.

Bis an die Grenzen

Und erneut gingen die einsatzfreudigen deutschen Fußballerinnen bis an die Grenzen. Vor allem Taktgeberin Dzsenifer Marozsan, monatelang nach dem Sommer wegen einer Lungenembolie außer Gefecht, schwang sich auch in kämpferischer Hinsicht zum Vorbild auf.

"Sie hat ihre überragende Qualität gezeigt", lobte Voss-Tecklenburg, die ihre Nummer zehn von der Bürde der Kapitänin befreit hat.

Bei der WM braucht es die richtige Mischung

Wegen einiger Absagen und Ausfälle kam sogar die erst 17-jährige Lena Sophie Oberdorf (SGS Essen) zu ihrem Länderspieldebüt, deren Geburtsdatum aus Datenschutzgründen nicht in der Kaderliste steht.

Ein echter Lichtblick war die erst 19-jährige Giulia Gwinn (SC Freiburg), womit Voss-Tecklenburg demonstrierte: Ganz so dünn wie bei den Männern ist die Zahl nachrückender Talente im Frauenbereich nicht. Nun gilt es, bis zur WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) die richtige Mischung zu finden.

Heimdebüt

Insofern kommt dem Heimdebüt der Bundestrainerin am Dienstag gegen Vizeweltmeister Japan eine Schlüsselfunktion zu. Es gilt zum einen, gegen einen hochkarätigen Gegner vielleicht sogar das dritte Ausrufezeichen zu setzen, womit Deutschland sich automatisch in den Kreis der engeren Titelanwärter katapultieren würde.

Zum anderen ist es die letzte Gelegenheit, noch einmal Eindrücke unter Wettkampfbedingungen für die WM-Nominierung zu sammeln, denn bereits am 14. Mai will die gebürtige Duisburgerin ihr 23er-Aufgebot bekannt geben, ehe es dann ab dem 24. Mai ins Trainingslager nach Grassau an den Chiemsee geht.

Noch keine klare Zielvorgabe

Spätestens nach dem letzten Test gegen Chile am 30. Mai in Regensburg dürfte auch das Ziel für die WM-Endrunde etwas konkreter  gefasst werden. Bislang ließ sich Voss-Tecklenburg nämlich nur entlocken, was sie auch in Kassel gesagt hat: "Klares Minimalziel ist es, sich für die Olympischen Spiele 2020 zu qualifizieren." Dafür muss der amtierende Olympiasieger unter den besten drei europäischen Teams landen.

Setzen die DFB-Frauen den in 2019 eingeschlagenen Kurs fort, dürfte die Messlatte demnächst lauten, mindestens bei der das Final-Wochenende in Lyon - dort werden beide WM-Halbfinals und das WM-Finale ausgetragen - zu erreichen. Und dann scheint alles möglich. Auch der dritte Titel.

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