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Anleihen aus der alten Erfolgsära

DFB-Frauen vor dem Spiel in Slowenien

Interimstrainer Horst Hrubesch peilt mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in Slowenien (Dienstag 15:45 Uhr/live im ZDF, Anstoß 16 Uhr) seinen zweiten Sieg in der WM-Qualifikation an. Ihm attestiert nicht nur Co-Trainerin Ulrike Ballweg, sondern im Hintergrund hilft auch die ehemalige Bundestrainerin Silvia Neid.

Ulrike Ballweg (links) und Silvia Neid
Ulrike Ballweg (links) und Silvia Neid nach dem Olympiasieg der DFB-Frauen 2016 Quelle: imago

Der Frauenfußball, so viel steht mal fest, hat in Slowenien noch großen Nachholbedarf. So beachtliche Erfolge die sportbegeisterte Nation mit ihren nur zwei Millionen Einwohnern in vielen Sportarten auch feiert: Im Frauen- und Mädchenfußball wird das noch dauern. Kürzlich wies eine Studie der Europäischen Fußball-Union weniger als 2000 registrierte Spielerinnen aus, weshalb es schon ein Erfolg ist, wenn das Nationalteam Sloweniens wie jüngst gegen Island nur mit 0:2 verliert. Sollte sich auch die erwartete Niederlage im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland in ähnlichen Grenzen halten, wären beim Gastgeber wohl alle glücklich.

Dass der zweifache Weltmeister im Sportni-Park in Domzale seiner Favoritenrolle nachkommt, steht nicht nur wegen des 6:0-Hinspielerfolgs eigentlich außer Frage. „Ich glaube, dass es gegen Slowenien besser wird, eben weil die Mädels gegen Tschechien gesehen haben, was geht“, sagt Horst Hrubesch. Der Interimstrainer war bei seinem Einstand am Samstag trotz eines 4:0-Sieges nur bedingt zufrieden. „Es lief nicht so glatt, wie ich es mir gewünscht habe“, gestand der 66-Jährige.

Ballweg ist das Bindeglied

Zu tief sitzt die Verunsicherung, zu wenig sind die Automatismen verankert. Dabei hat der DFB-Sportdirektor ja in engem Austausch mit dem für die Nationalmannschaften zuständigen Sportlichen Leiter Joti Chatzialexiou eigens dafür gesorgt, dass nach der unglücklichen Episode unter Steffi Jones wieder die früheren Erfolgsgaranten näher heranrücken.

Da ist zum einen Ulrike Ballweg, die als Co-Trainer das wichtigste Bindeglied zwischen der alten Ära und der neuen Zeitrechnung gibt. Ihre Rolle beschreibt die 52-Jährige so: „Ich bin sicher diejenige, die die Spielerinnen etwas besser kennt und besser das Niveau im Frauenfußball einschätzen kann. Horst hatte zuvor ja mehr von außen drauf geschaut.“

Neid gibt Hinweise

Und da ist zum anderen Silvia Neid, die bereits in der Sichtung in der Frauen-Bundesliga wieder der  Nationalmannschaft zugearbeitet hat. Die Leiterin der neuen DFB-Scoutingabteilung Frauen- und Mädchenfußball saß in Halle auch auf der Tribüne und versorgte den Trainerstab mit entsprechenden Informationen in der Halbzeit, wie Ballweg erklärte: „Sie hat halt lange Erfahrung und kann sicher unsere Leistung gut beurteilen.“

Feedback von einer Fußballlehrerin zu erhalten, die alle Titel eingeheimst hat, kann sicher nicht schaden. Während der Frauen-EM 2017 in den Niederladen war Neid beim Nationalteam nämlich fast komplett außen vor  - das Scouting für Jones nahmen mit Saskia Bartusiak und Kim Kulig zwei ehemalige Nationalspielerinnen vor.

Spielsystem wie früher

Nun aber ist die 53-Jährige wieder näher beim Aushängeschild, auch wenn der DFB nicht den Eindruck entstehen lassen will, dass die ehemalige Welttrainerin als „Schattenfrau“ unterwegs ist. Aber die Rückbesinnung auf das gewohnte Spielsystem passt ins Bild. Hrubesch habe  einen klaren Plan, wie er spielen möchte, sagt Ballweg, und das unterscheide sich nicht groß, „wie die deutschen Frauen früher gespielt haben“.

In der Spielidee seien das nur kleine Veränderungen im Detail. Denn der Übergang vom 4-2-3-1 unter Neid zum 4-4-2 unter Hrubesch ist fließend. Die Prämissen sind dieselben: Die Flügel sind permanent besetzt, dazu tummeln sich im Ballbesitz meist zwei Offensivspielerinnen im Zentrum. Überraschender wirkte eher die Personalauswahl wie das Innenverteidiger-Duo mit Kristin Demann und Sara Doorsoun oder der Doppelsturm mit Alexandra Popp und der gegen Tschechien viermal erfolgreichen Lea Schüller.

Bleibt Hrubesch bis in den Herbst?

Das Trainerteam erhofft sich Veränderungen in der Spielweise. Hrubesch-Helferin Ballweg: „Da fließen mehrere Faktoren ein: die Körpersprache gehört mit Sicherheit dazu. Das Team soll aktiver sein. Wir wollen Wert auf Geschwindigkeit und Zielstrebigkeit legen und den Spielerinnen bewusst machen, wie gut sie sind.“ Hier sollen nun in Slowenien die nächsten Schritte folgen.

Und dann ist da ja noch die Frage zu klären, wer die Hrubesch-Nachfolge antritt. Chatzialexiou bekannte vor dem Flug nach Ljubljana im ZDF-Interview: „Wir sind auf der Zielgeraden.“ Definitiv hat es ein Gespräch mit der Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg gegeben, die vom Sportlichen Leiter denn auch am Sonntag am Frankfurter Flughafen als „interessante Trainerin“ bezeichnet wurde.

Die 50-Jährige wird indes nicht vor Vertragsablauf zum Jahresende beim Schweizer Fußballverband zu bekommen sein. Ihre „Nati“ liegt mit fünf Siegen in fünf Spielen in iher WM-Qualifikationsgruppe unangefochten vorne, muss allerdings Ende August und Anfang September noch die Auswärtsspiele in Schottland und Polen bestreiten. Vorher wird Voss-Tecklenburg kaum die Eidgenossen verlassen. Hrubesch müsste daher noch das entscheidende WM-Qualifikationsspiel der DFB-Frauen auf Island am 1. September und mögliche Playoff-Spiele im Oktober und November anleiten, sollte sich das Team als einer der vier besten Gruppenzweiten auf diesen Umweg begeben. Aber vielleicht ist das ja ein gutes Omen: In der von 2005 bis 2016 dauernden Ära Neid und Ballweg ist das nie passiert.

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