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Vier Stürmer, drei Typen

Fußball - Nationalmannschaft

Früher gab es nur Miroslav Klose, heute vereinen sich ganz verschiedene Angreifer-Typen in der deutschen Nationalmannschaft. Im Test gegen Brasilien (Dienstag 20:45 Uhr live ZDF) ist die Sturmbesetzung noch völlig offen.

Sandro Wagner, Mario Gomez, Leon Goretzka, Niklas Süle und Antonio Rüdiger im Training der deutschen Nationalmannschaft
Gerangel um die Plätze: Sandro Wagner und Mario Gomez (v.l.) sind zwei der Kandidaten für den deutschen Angriff bei der WM.
Quelle: dpa

Auf dem schwarz-rot-goldenen Werbebanner, auf dem die Protagonisten der deutschen Nationalmannschaft die Blickrichtung für die bevorstehende WM in Russland (14. Juni – 15. Juli) simulieren, ist ein Quintett abgebildet: Joshua Kimmich, Toni Kroos, Jérôme Boateng, Mesut Özil und Leroy Sané. Alle fünf schauen ziemlich geschlossen geradeaus.

Wer spielt ganz vorne?

Fünf Typen, fünf Hoffnungsträger. Bis auf den bereits in die englische Wahlheimat zurückgereisten Taktgeber Özil dürften alle beim hochkarätigen Testspiel des Weltmeister gegen Brasilien zum Einsatz kommen. Bundestrainer Joachim Löw nannte bereits einige Details zur im Berliner Olympiastadion geplanten Aufstellung. So wird der an Patellasehnenproblemen leidende Torwart Marc-André ter Stegen geschont, Bernd Leno und Kevin Trapp betreiben Jobsharing zwischen den Pfosten. Der gebürtige Berliner Boateng ("von so einem Spiel habe ich als kleines Kind geträumt") trägt die Kapitänsbinde und führt die Abwehr an, Ilkay Gündogan soll seine gute Verfassung bei Manchester City – genau wie Sané – nun vom Verein ins Nationalteam tragen. Nur bitte: Wer spielt ganz vorn?

Vielleicht ist auf der schwarz-rot-goldenen Plakatierung mit dem Slogan "Best NeVer rest" (die Besten ruhen nie) bewusst kein echter Angreifer abgebildet. Weil eben selbst vor dem Prestigeduell gegen den Rekordweltmeister nicht genau auszumachen ist, wer im deutschen Angriff die Nummer eins darstellt. Löw hat schließlich die Qual der Wahl.

Empfehlungsschreiben via Bundesliga

Im Grunde kann der Bundestrainer auf drei unterschiedliche Typen Angreifer zurückgreifen. Da ist zum einen der rasante Timo Werner (11 Länderspiele/ 7 Tore), der auf den ersten Metern so schnell antritt, dass oft die Mitspieler bei seinen Hereingaben noch gar nicht nachgerückt sind. Für die Brecher-Variante kommen der unverwüstliche Mario Gomez (72/31) und der unerschrockene Sandro Wagner (7/5) infrage. Und in der Hinterhand hat das Aufgebot noch einen dritten Spezi: Den beim Confed-Cup sehr wertvollen Lars Stindl (10/4), der zwar weniger Sprinter oder Brecher, aber dennoch Brustlöser sein kann.

Ihn beispielsweise in Berlin anstelle von Özil auf der Zehner-Position zu bringen, ist eine weitere Möglichkeit für ein Spiel, das zwar von den Historie – dem 7:1 vor knapp vier Jahren im WM-Halbfinale von Belo Horizonte – überwölbt wird, aber laut Löw nicht für Geschichtsklärung taugt. "Bei Brasilien sind ein bisschen Revanchegelüste, aber das geht ja nicht: Ein Halbfinale kann man nicht zurückholen." Alle seine vier Stürmerkandidaten hatten übrigens in der Vorwoche in der Bundesliga getroffen und teils wochenlange Ladehemmung abgelegt. So als wollten sie Löw indirekte Empfehlungsschreiben zusenden. "Ich freue mich über jeden Stürmer, der Tore schießt", sagte kürzlich Nationalmannschaftsmanager Bierhoff.

EM-Lektion bei allen angekommen

Der 49-Jährige warnt zugleich davor, ausschließlich auf technisch gute Spieler zu setzen: "Dann wird man zu verspielt und vergisst manchmal, die Tore zu schießen." Der einstige Mittelstürmer weiß, dass er die Erkenntnis beim Bundestrainer nicht extra hinterlegen muss: Die Lektion aus der EM 2016 ist bei allen angekommen. Und sonst wäre Miroslav Klose wohl kaum im Mitarbeiterstab untergekommen. Der 39-Jährige ist jetzt offizielles Mitglied des Trainerstabs der Mannschaft. Schwerpunkt: Stürmerausbildung.

Der Angriff ist der Mannschaftsteil, in dem die Veränderung gegenüber 2014 am augenscheinlichsten ist – solch eine Auswahl in der Abteilung Attacke hatte es vor vier Jahren noch nicht gegeben Damals in Brasilien bildete Miroslav Klose den Alleinunterhalte im Angriff, obgleich der  in  Polen geborene, in der Pfalz aufgewachsene Alleskönner mit Turnierstart immerhin 36 Jahre alt wurde.

Klose ist die Klammer zu Brasilien

Er gibt auch deshalb eine gute Klammer zum Klassiker gegen Brasilien, weil dem Mittelstürmer in seinem vorletzten von 137 Länderspielen – eben dem 7:1 im mythenbehafteten Semifinale 2014– nicht nur sein 71. Treffer im DFB-Dress gelang, sondern das 2:0 aus dem Estadio Mineirao hob ihn mit 16 Toren zugleich in den Rang des WM-Rekordschützen. Der 39-Jährige ist jetzt offizielles Mitglied des Trainerstabs der Mannschaft. Schwerpunkt: Stürmerausbildung. Vielleicht ist das ja ein Mosaiksteinchen, warum im vorderen Bereich auf einmal solch eine Vielfalt besteht, das noch ein bisschen gerätselt werden darf, wer denn für Deutschland stürmt.

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