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Nicht mit dem Holzhammer

Fußball-Nations-League | Deutschland - Frankreich live im ZDF

Viel hat sich vor dem Neustart der deutschen Nationalmannschaft nicht verändert. Die Achse mit Bayern-Spielern bleibt, und Bundestrainer Joachim Löw setzt auf Ausgewogenheit. Wie das Konzept funktioniert, wird das Nations-League-Spiel am Donnerstag, 20.45 Uhr (ZDF ab 20.15), gegen Weltmeister Frankreich zeigen.

Bundestrainer Joachim Löw
Bundestrainer Joachim Löw

Wer immer denkt, dass Fußball wirklich nur die schönste Nebensache der Welt ist, der hat dieser Tage im Herzen von München die Bestätigung bekommen. Denn am Mittwoch war vor dem Hotel der deutschen Nationalmannschaft zeitweise weit und breit kein Autogrammjäger zu sehen. Statt dessen drängelten sich die Menschen wie immer an der kleinen Brüstung an der Brücke am Haus der Kunst, wo Surfer den ganzen Tag die künstliche Eisbachwelle abreiten. Ist vielleicht auch spektakulärer als einem Fußballer beim Einsteigen in den Bus zuzusehen.

Um Wiedergutmachung bemüht

Dabei stehen die Chancen günstig wie nie, ein Autogramm oder ein Selfie zu erhaschen. Bei der Ankunft sind fast alle Akteure stehen geblieben, haben eine Unterschrift gegeben und sich natürlich auch ablichten lassen. Ilkay Gündogan, in Gelsenkirchen geborener Profi mit türkischen Wurzeln, grüßte sogar mit einem landestypischen Servus. Keine Frage: Die WM-Versager, von denen 16 im aktuellen Aufgebot auftauchen, sind um Wiedergutmachung bemüht.

Joachim Löw hat am Mittwoch noch einmal ausführlich erläutert, warum er nichts von einer personellen Radikalkur gehalten habe. "Jede Mannschaft braucht eine gute Achse, eine gute Mischung. Wenn jemand denkt, nur mit jungen, talentierten Spielern geht der Weg nach oben, täuscht er sich."

Führungsspieler in der Pflicht

Der Bundestrainer geht nicht mit dem Holzhammer zu Werke; der Harmoniemensch erwartet von der Führungsriege mit Kapitän Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Toni Kroos und Thomas Müller, "dass sie den Karren anschieben". Will heißen: Auf diese stark bayrisch geprägte Achse wird so schnell nicht verzichtet.

Der Oberbayer Müller hält es für das richtige Signal: "Jogi Löw hat doch nicht zufällig den WM-Kader ausgewählt. Drei Monate später sind nicht 20 andere Spieler besser." Man müsse allerdings zeigen, "dass man es besser kann". Viel schlechter als bei der WM 2018 geht es allerdings auch kaum.

immer noch "Die Mannschaft"

Bekanntermaßen sind auch im Team hinter dem Team weitgehend die bekannten Gesichter am Werke, wenn sich die Mannschaft - die vorläufig auch auf der Homepage des Verbands weiter so heißt - zum Training auf dem Campus des FC Bayern einfand. Am ehesten wird vielleicht Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt vermisst, der nach 23 Jahren als DFB-Arzt aufgehört hat. Mit 76 Jahren darf ein Mediziner jedoch auch absprachegemäß in den Ruhestand gehen.

Dass Assistenztrainer Thomas Schneider nicht mehr dabei ist - versetzt ins Scouting - fällt nur noch den Insidern auf. Der Löw-Vertraute war ohnehin ein Leisetreter, der angeblich kaum Zugang zum Team gehabt habe.

Von einer Revolution kann also keine Rede sein, und vielleicht ist sie auch gar nicht notwendig. Der Bundestrainer selbst hat vor einer internationalen Presseschar erläutert, warum der deutsche Fußball für eine Renaissance keine Revolution benötigt. "Wir werden uns nicht komplett umstellen", beteuerte der Badener, "das wäre kompletter Blödsinn". Ausgewogenheit lautet Löws Leitmotiv.

Keine Kopie des Weltmeisters

 "Wir müssen unsere sehr riskante Spielweise anpassen, wir müssen ein Bewusstsein schaffen, das eigene Tor auf Teufel raus zu verteidigen." Diese Vorgabe bedeutet aber nicht, "dass wir unsere Visionen völlig eingraben".

Ballbesitz werde immer Merkmal seiner Mannschaft bleiben, die spätestens in der Qualifikation zur EM 2020 wieder auf Gegner träfe, "die nur tief in der eigenen Hälfte stehen".

Dass sich Deutschland am Nachbar Frankreich orientiert, was das geschlossene Verteidigen angeht, stimmt. Löw sieht die vom Kollegen Didier Deschamps verordnete Balance ("sie haben eine starke Defensive und eine starke Offensive") tatsächlich als beispielhaft an. Doch selbst wenn die DFB-Auswahl künftig verstärkt auf ein ähnliches 4-3-3-System setzt, wird es nicht zu einer Kopie der Bleus werden.

Warnung vom Taktgeber Kroos

Davor warnte explizit auch Toni Kroos, der bei Real Madrid mit einer Mischung aus Dominanz- und Konterstil drei Mal in Folge die Champions League gewann: "Der Weg ist nicht, was zu kopieren, was in der Mannschaft gar nicht drin ist."

Besser das eigene Tor bewachen, sei richtig, aber bitte nicht alles über den Haufen werfen. Dass einige interne Regeln wieder gelten würden, die zuvor außer Acht gelassen worden seien, stimme. Auch das ist für Kroos nicht elementar. "Man hat das Bedürfnis, die WM geradezurücken. Das Wichtigste ist die Umsetzung auf dem Platz."

Interessant, dass Deutschlands Fußballer des Jahres andeutete, dass auch bei der WM 2014 nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung geherrscht habe, sondern es durchaus die eine oder andere atmosphärische Störung im Quartier gegeben habe: "Da könnte ich viel mehr erzählen." Hat aber keinen interessiert, weil die WM-Trophäe bekanntlich in Brasilien an Deutschland ging.

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