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Die WM - Konjunkturbeschleuniger für den Handball

Am 10. Januar beginnt das Turnier in Dänemark und Deutschland

Die Weltmeisterschaft, deren 26. Ausgabe ab 10. Januar in Dänemark und Deutschland stattfindet, ist die größte Bühne des Handballs. Auffällig ist: Die Ökonomie des Sports wurde immer dann befeuert, wenn diese beiden Länder als WM-Gastgeber fungierten.

Abschluss-Feier der Handball-WM 2015 in Katar
Abschluss-Feier der Handball-WM 2015 in Katar
Quelle: IMAGO Sport

Es gibt diese Momente im Handball, die nicht nur über Sieg und Niederlage entscheiden, sondern auch über künftige Verdienstmöglichkeiten.

20 Millionen TV-Zuschauer

Pascal Hens im WM Finale 2007
Pascal Hens im WM-Finale 2007
Quelle: ZDF

Als Pascal Hens 2007 in Köln mit zwei brachialen Würfen aus dem Rückraum das WM-Finale gegen Polen (29:24) entschied, konnte er, da über 20 Millionen deutsche Zuschauer am Fernsehen mitfieberten, diesen WM-Titel mit einem lukrativen Vertrag beim HSV Hamburg vergolden.

Hens' Jahresverdienst stieg laut Branchenkennern auf gut eine halbe Million Euro jährlich. Auch Bundestrainer Heiner Brand profitierte erheblich von dem "Wintermärchen".

Neue Konjunktur?

Insofern handelt es sich bei der bevorstehenden WM, die am 10. Januar (18.15 Uhr/ZDF) mit der Partie Deutschland gegen Südkorea eröffnet wird, auch um eine Messe. Während der 18 Tage dauernden Veranstaltung wird jedoch nicht allein über die künftigen Gehälter der Profis und Trainer verhandelt.

Heiner Brand Aktion bei der Handball-WM 1978
Heiner Brand bei der Handball-WM 1978
Quelle: ZDF

Sie entscheiden auch über die künftige Ökonomie des professionellen Handballs. Gut möglich, dass sie eine Konjunktur einleitet.

Die WM-Geschichte nämlich demonstriert, dass die WM-Turniere in Deutschland oder Dänemark den Markt stets befeuerten. Das begann schon in der Zeit, als die Handballer (zumindest formal) noch als Amateure spielten, weil das Internationale Olympische Komitee allen Olympiateilnehmern den Broterwerb mit dem Sport verbot.

Früh erkannt: Handball als Ware

Dass es sich bei den TV-Bildern um eine Ware handeln könnte, deutete sich bei der WM 1961 in der Bundesrepublik Deutschland an. Damals forderte der Deutsche Handballbund (DHB) als Organisator mehr als die 50.000 Mark, die die ARD für die WM-Übertragung bot.

Handball-WM 1961 Kameramann vor Spielerbank
Handball-WM - schon 1961 ein TV-Ereignis
Quelle: Privatsammlung Erik Eggers

ARD-Sportkoordinator Robert Lembke tobte: "Maßlos und unerfüllbar sind die Forderungen des DHB".

Eine ökonomische Zäsur stellten dann die WM-Turniere 1978 (Dänemark) und 1982 (BRD) dar. Die jeweiligen Organisatoren orientierten sich schon am Beispiel der FIFA, welche die Fußball-Weltmeisterschaften zunehmend kommerzialisierte. Das dänische Organisationskomitee erwirtschaftete einen Überschuss von rund 450.000 Mark, allein die TV-Rechte und Werbebanden-Verkäufe beliefen sich auf eine Viertelmillion.

Kommerzobjekt WM-Ball

Spielball der Handball-WM 1978
Spielball der Handball-WM 1978
Quelle: Privatsammlung Erik Eggers

Alles hatte nun seinen Preis, auch wenn die Vertragssummen heute lächerlich anmuten. Dafür, dass der dänische Sportartikelhersteller Select den offiziellen WM-Ball stellte, zahlte er rund 4000 D-Mark (heute zahlt der offizielle IHF-Partner Molten dafür rund eine Million Euro jährlich).

Der DHB erzielte bei der WM 1982, obwohl er die WM in 54 (!) Hallen hatte spielen lassen, durch hohe Werbeverträge gar einen Überschuss in Höhe von gut einer Million Mark. "Dieses gute Ergebnis erstaunte viele", erinnert sich der damalige DHB-Geschäftsführer Frank Birkefeld.

IHF reißt Rechte an sich

Der Weltverband IHF reagierte auf die steigenden Erlöse, indem er im Sommer 1982 in der Satzung festlegte, künftig allein über die TV-Rechte und Werberechte zu verfügen, die zuvor bei den WM-Organisatoren gelegen hatten. Der jeweilige Organisator war nun nur noch "nach gegenseitiger Vereinbarung" zu beteiligen. Diese Regelung gilt prinzipiell bis heute.

Seitdem explodierten die Preise für die TV-Rechte. Über die größte Zuwachsrate freute sich der Weltverband nach der WM 2007 in Deutschland. Kurz darauf erwarb die Agentur Ufasport die Rechte, die vorher noch 31 Millionen Schweizer Franken gekostet hatten, für rund 60 Millionen Franken.

Preise explodieren

Der folgende TV-Vertrag, den IHF-Präsident Hassan Moustafa mit dem katarischen Agentur beIN Sports abschloss, war 100 Millionen Franken (25 Millionen Franken jährlich) schwer. Der aktuelle TV-Vertrag mit Sportfive umfasst ein Volumen in Höhe von rund 177 Millionen Franken für acht Jahre.

Handball-WM in Deutschland und Dänemark (10. - 27.1.)

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