Die mit den Stangen tanzen

EM der Slalomkanuten in Tacen

Am Wochenende finden in Tacen/Slowenien die Europameisterschaften der Slalomkanuten statt. Eine erste Standortbestimmung nach Rio 2016. Erstmals war der Deutsche Kanu-Verband (DKV) ohne Medaille von Olympischen Spielen zurückgekehrt. Jetzt heißt es Neustart (Sa., 15:15 Uhr/ZDF).

Slalomkanute Alexander Grimm
Alexander Grimm Quelle: imago

Noch hat der Fluss Sava in Tacen - 15 Autominuten von Sloweniens Hauptstadtflughafen  Ljubljana entfernt – relativ wenig Wasser. „Glück für die Kanuten“ sagt Trainingswissenschaftler Michael Keim und blickt etwas sorgenvoll gen Himmel. Denn wenn es hier bis zum Finale noch kräftig regnen sollte, wird der Tanz durch die Stangen schnell zum Höllenritt. Mehr Wasser heißt: Noch mehr Wasserdruck, noch schnellere Boote, noch weniger Zeit, auf Walzen und Wellen zu reagieren.

Alles geben

Im Training bei Sonnenschein sieht alles entspannt aus. In drei Abschnitte haben die Disziplintrainer die Strecke heute aufgeteilt. Die Zielsetzung lautet: Konzentriertes Arbeiten an den Schlüsselstellen. Und die haben es in sich. Vor allem, seit die Strecke rechtzeitig zur EM speziell im allerletzten Abschnitt verändert wurde.

Das Ziel bereits vor Augen, müssen die Kanuten jetzt nochmals alles geben – denn die letzten Meter sind  gespickt mit Walzen und Wellen. Wer hier nicht bis zum Schluss voll konzentriert fährt, kann nicht auf eine Medaille hoffen.

Berüchtigte Strecke

Berüchtigt ist Tacen schon immer für seinen extrem schwierigen Startbereich, der zudem mit möglichst viel Anlauf aus dem Flachwasser begonnen werden sollte, um die riesigen Verwirbelungen am Anfang der Strecke mit Schwung schnell und geschmeidig zu durchfahren.

 Die Athleten fallen geradezu hinein in den Wettkampf – gleich in einen so genannten „Drop“. „So viel  Höhendifferenz wie hier im ersten Teilabschnitt hatte Rio insgesamt“ sagt Kajak-Coach Thomas Apel. Wer hier in Tacen den Start verschläft, sich festfährt oder gleich gegen die Betonmauer gedrückt wird, hat keine Chance mehr.

Betonfelsen auf der Strecke

Ansonsten ähnelt die Strecke mit ihren Betonfelsen und der natürlichen Wasserkraft aus dem gestauten Fluss Sava dem Eiskanal in Augsburg. Der Mittelteil ist daher für die drei deutschen Kajak-Herren irgendwie vertraut.

Salomkanuten des DKV: v.l. Sebastian Schubert, Coach Thomas Apel, Fabian Schweikert, Alexander Grimm
v.l. Sebastian Schubert, Coach Thomas Apel, Fabian Schweikert, Alexander Grimm Quelle: ZDF

Alexander Grimm, der Olympiasieger von Peking 2008, ist wieder da. Er hat sich mit 30 nochmal qualifiziert, nachdem es für den einzigen olympischen Startplatz letztes Jahr nicht gereicht hatte.

Große Leistungsdichte

Dafür ist diesmal der Bronzemedaillengewinner von London und Vierte von Rio, Hannes Aigner, nicht dabei. In der nationalen Qualifikation ist er „nur“ 4. geworden - hinter Sebastian Schubert, Alexander Grimm und dem Jüngsten im Bunde, dem 24jährigen Fabian Schweikert. Und nur drei Startplätze gibt es. „Das geht manchmal ganz schnell“ sagt Grimm, der mittlerweile sein Master-Studium im Maschinenbau abgeschlossen hat. „Die Leistungsdichte gerade im Kajak-Einer ist so groß – da muss einfach alles passen, um ganz vorne dabei sein zu können.“
-> Kanu-Slalom-Team Deutschland

Wie knapp es zugehen kann, weiß Trainer Thomas Apel spätestens seit Rio. 3 Hundertstel trennten Hannes Aigner damals von Bronze. „Früher, zuletzt in Peking, zählten noch zwei Läufe – Halbfinale und Finale wurden addiert. Heute entscheidet alleine der Finallauf – da muss man entsprechend offensiv fahren. „

Kein nacholympisches Pausenjahr

Alles oder nichts also. Rio - das waren die ersten Olympischen Spiele ohne deutsche Kanuslalom-Medaille. Das soll sich nicht wiederholen. Nach Olympia ist vor Olympia. „Es gibt kein nacholympisches Pausenjahr“ sagt Sebastian Schweikert, der zweimalige Gesamtweltcupsieger. „Wer oben sein will, muss immer dran bleiben, auch, wenn Olympia noch drei Jahre entfernt ist.“

Die größten Konkurrenten in Tacen sind die „alten Bekannten“. Besonders den Silbermedaillengewinner von Rio, den Slowenen Peter Kauzer haben hier alle auf der Rechnung. „Der kennt die Strecke im Schlaf“ meint Thomas Apel. Auch  der britische Goldmedaillengewinner Joe Clarke und der Tscheche Jiri Prskavec (Bronze in Rio) sind nicht zu unterschätzen. „Und natürlich die Franzosen. Alle drei Starter haben das Potential, ganz nach vorne zu kommen.“ Die Analyse der olympischen Rennen hatte ergeben,  dass die Deutschen – getreu den ihnen nachgesagten Tugenden – zwar akribisch gearbeitet hatten – vor allem an den technisch schwierigen Aufwärtstoren. Allerdings  hatten sie wohl den Schuss „Verwegenheit“ und damit die Schnelligkeit ein wenig eingebüßt, vermutet Thomas Apel.

Entsprechend gehen sie 2017 ans Werk. Getreu dem Motto: Technisch perfekt – aber voll auf Angriffsmodus! Die Ideallinie finden, den Wellen trotzen, um die Stangen tanzen – dann könnte es klappen mit einer Medaille.
-> Kanu-Slalom-EM 2017 in Tacen

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Abo beendet

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.