Enges Rennen an Rhein und Weser

DFB entscheidet über Spielstätten für Bewerbung um EM 2024

Wie es aussieht, hat Deutschland große Chancen, das Sommermärchen 06 wiederaufzulegen. Am Freitag entscheidet das DFB-Präsidium, mit welchen zehn Städten der Verband ins Rennen um die Ausrichtung der Fußball-EM 2024 gegen den einzigen Mitbewerber Türkei geht.

Stadion in Düsseldorf

Von Wahlkampf ist bislang wenig zu spüren. Anders als in der Politik findet das Ringen der vierzehn Bewerber um die Wahl zur Ausrichterstadt der EM 2024 bislang hauptsächlich hinter verschlossenen Türen statt. Öffentliches Trommeln hört man nur vom Rhein. 

Mönchengladbach angeblich durch

Dort, im Dreieck Köln-Düsseldorf-Mönchengladbach scheint die Entscheidung am spannendsten zu sein. In Düsseldorf und Mönchengladbach haben Prominente die Werbetrommel gerührt - wohlwissend, dass wahrscheinlich nur eine dieser beiden Städte, die bereits bei der Heim-WM 2006 zuschauen mussten, in sieben Jahren dabei sein wird,

Die definitive Entscheidung des DFB-Präsidiums fällt zwar erst am Freitag, es ist aber kaum damit zu rechnen, dass sich die Verbandsspitze über die bereits bestehende Handlungsempfehlung des Bewerbungskomitees hinwegsetzen wird. Aus dem will der Blätterwald im Westen schon vernommen haben, dass die Wahl auf Mönchengladbach gefallen ist.

Vier oder drei Städte im Westen?

Für den Fall, dass Düsseldorf tatsächlich leer ausgehen sollte, sieht André Bühler, Direktor des Deutschen Institut für Sportmarketing, Mönchengladbach und Köln nicht automatisch beide noch im Rennen. Nach dem Zonen-Schlüssel des Auswahlverfahrens könnte der Westen, zu dem auch noch die Bewerber Dortmund und Gelsenkirchen zählen, zwar mit vier Städten zum Zuge kommen.

DFB-Auswahlkriterien für Spielorte für EM 2024

Bühler rechnet im Regionen-Proporz aber eher mit der Berücksichtigung von nur drei West-Städten. Von ihnen ist Dortmund aufgrund seiner Größe und Stimmung nach Meinung fast aller Experten gesetzt, gegen Gelsenkirchen könnte trotz des großen, attraktiven Stadions die Nähe zum Ruhr-Rivalen sprechen.

Sechs sichere Nummern?

Neben Dortmund gelten München, Berlin und Hamburg wegen ihrer Größe, Frankfurt als Sitz des DFB und Leipzig als Ost-Standort gesetzt. Dazu kommt nach Ansicht von Bühler auch Stuttgart. Die Daimler-Stadt ist zwar nicht mehr Sitz des DFB-Hauptsponsors, hat dafür aber mit der Stimmung beim WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen überzeugende Argumente geliefert. Im Gegensatz zu Südkonkurrent Nürnberg, wo im Qualifikationsspiel gegen San Marino nur 32.000 von 50.000 Plätzen besetzt waren.

Neben der Berücksichtigung von Größe und Standort wurden alle Bewerberstädte nach zehn unterschiedlich gewichteten Kriterien gerankt. "Marketinggesichtspunkte werden einen großen Einfluss auf die Entscheidung haben", sagt Bühler. Diese seien in den Entscheidungskriterien allerdings eher versteckt, zum Beispiel im Punkt Stadionkapazität.

Größe oder Stimmung?

"Die Frage wird sein: will der DFB eine große oder eine stimmungsvolle EM? Ein kleines volles Stadion kann für manche Spiele eine bessere Wahl sein, als ein großes Stadion, das nur zu Dreiviertel ausverkauft ist."  Bei dieser Frage kommt der Norden ins Spiel, der neben Hamburg noch mit Hannover und Bremen im Rennen ist.

"Bremen wäre eine mutige Entscheidung, der DFB müsste dafür aber über seinen Schatten springen.", sagt Bühler. "Auch unter Marketinggesichtspunkten wäre das sympathisch, weil die Stimmung ein wichtiger Bestandteil des Gesamtproduktes Fußball ist. Bremen hat zwar ein kleines, aber schönes Stadion mit toller Atmosphäre, das sich für Vorrundenspiele ohne deutsche Beteiligung gut eignen würde."

Noch ein Denkzettel für Bremen?

Zu dem erwähnten Schatten zählt der Rechtsstreit, den die DFL seit Monaten mit der Stadt Bremen um Gebührenbescheide für Polizeikosten bei Risikospielen führt. Der DFB hat Bremen dafür schon einmal mit dem Entzug eines EM-Qualifikationsspiel abgestraft.

"Es wäre schön, wenn der DFB sich davon freimachen könnte", sagt Bühler. "Aber ich glaube eher, er verteilt nochmal einen Denkzettel an Bremen. Es wäre allerdings sehr kurzsichtig, die Probleme des Jahres 2017 auf 2024 zu projizieren."

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