Domen Prevc - die neue Art des Fliegens

Toni Innauer hält Domen Prevc für einen der großen Favoriten für die 65. Vierschanzentournee und lobt dessen neuen Flugstil. Die deutschen Flieger sieht der ZDF-Experte dagegen in einer Außenseiter-Position.

Domen Prevc
Quelle: ZDF

Kurz vor Weihnachten ist der derzeitige Weltcup-Dominator Domen Prevc bei der slowenischen Meisterschaft nur Zweiter geworden. Geschlagen hat ihn Jernej Damjan, der in diesem Jahr noch keinen Weltcup bestritten hat und mit 33 fast der Vater des kleinen Prevc sein könnte. Als geglückte Generalprobe für die Vierschanzentournee kann man das nicht bezeichnen, aber der 17-Jährige gibt sich immer ganz cool: "Ich spüre überhaupt keinen Druck."

Keine Interviews

Innen drin sieht es wahrscheinlich anders aus. Nicht umsonst hat der slowenische Ski-Verband über den Welt-Skiverband FIS kommunizieren lassen, dass es in nächster Zeit keine langen Interviews mit Domen Prevc geben wird.

Nach vier Siegen in bisher sieben Weltcup-Springen ist er der haushohe Favorit auf den Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. Auch ZDF-Experte Toni Innauer hat ihn ganz oben auf seiner Favoritenliste: "Er hat eine neue physikalische Lösung für das Fliegen gefunden. Er ist sehr jung, sehr leicht und bringt eine enorme Beweglichkeit des Sprunggelenks mit. Dazu kommt, dass er von seiner Technik und seinem Gesamtverhalten nicht anfällig für schlechte Sprünge ist." Für Domen Prevc spreche zudem, dass er nicht aus den beiden Tournee-Ausrichterländern Deutschland und Österreich kommt und deshalb weniger unter Druck stehe.

Talent liegt in der Familie

Toni Innauer
Toni Innauer Quelle: imago

Das Talent liegt in der Familie: Bruder Peter wurde im vergangenen Winter nach seinem Tourneesieg auch Skiflug-Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger. Nach seinem Sturz beim Weltcup-Auftakt in Kuusamo ist er jedoch aus dem Tritt gekommen, gehört aber nach einer längeren Trainingsphase trotzdem zu den Geheimfavoriten.

Komplettiert wird das in der Weltcup-Geschichte einmalige Familien-Trio von Cene Prevc, der bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg ebenfalls Weltcup-Punkte holte.

Andere Flugkurve

Bundestrainer Werner Schuster sieht bei Domen Prevc, der in der Luft eine extreme Vorlage hat und mit dem Kopf zwischen den Skiern liegt, eine neue Art des Fliegens: "Seine Flugkurve ist ganz anders als bei den anderen, so kann er auch den Telemark im hohen Weitenbereich sicher landen. Er springt so Ski, wie Verstappen Formel 1 fährt."

Allerdings birgt das auch ein Risiko. Deshalb stuft Innauer auch den Norweger Daniel-Andre Tande hoch ein. "Dazu kommen im erweiterten Kreis die Österreicher Hayböck und Kraft, die ja Routine im Kampf um den Gesamtsieg haben“, sagt Innauer dazu: „Aber eine der spannendsten Storys passiert derzeit zweifellos in Polen, wo mit Kamil Stoch und Maciej Kot gleich zwei Leute an der Spitze mitmischen."

Polnische Renaissance mit Hilfe aus deutschem Team

Die Renaissance von Stoch hat auch etwas mit Schützenhilfe aus dem deutschen Team zu tun. Seit Stefan Horngacher, bis vergangenen Winter Co-Bundestrainer bei den deutschen Adlern, polnischer Nationaltrainer ist, geht es steil aufwärts.

"Stefan Horngacher hat alles mitgenommen, was er gelernt hat. In Sachen Material, Coaching und Belastungssteuerung hat er bislang alles richtig gemacht. Da kann man nur gratulieren", lobt Innauer.

Deutsche Außenseiter

Kamil Stoch
Kamil Stoch Quelle: dpa

Und was ist mit den deutschen Fliegern? Die sieht Innauer diesmal eher als Außenseiter: "Bei den Deutschen muss noch einiges passieren. Severin Freund ist nach seiner Hüft-Operation logischerweise noch nicht so gut wie im vergangenen Winter. Da müsste schon etwas Besonderes vorgehen, dass er um den Gesamtsieg mitspringt", analysiert Innauer.

Er sieht diese neue Situation als Chance für Athleten wie Andreas Wellinger oder Richard Freitag: "Sie können diesmal nicht darauf bauen, dass der Boss das schon hinbekommt. Das ist auch die Chance für Markus Eisenbichler, der eine sehr originelle Technik mit guten Flugeigenschaften hat."

Chefcoach Schuster sagt über Eisenbichler, dass "er selbst noch nicht weiß, wie gut er eigentlich ist." Domen Prevc hat dieses Problem nicht. Und er weiß, dass mit Primoz Peterka genau vor 20 Jahren schon einmal ein Slowene im zarten Alter von 17 die Tournee gewonnen hat.

Die letzten zehn Gesamtsieger bei der Vierschanzentournee
Jahr Name Land
2016 Peter Prevc Slowenien
2015 Stefan Kraft Österreich
2014 Thomas Diethart Österreich
2013 Gregor Schlierenzauer Österreich
2012 Gregor Schlierenzauer Österreich
2011 Thomas Morgenstern Österreich
2010 Andreas Kofler Österreich
2009 Wolfgang Loitzl Österreich
2008 Janne Ahonen Finnland
2007 Anders Jacobsen Norwegen

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