Sie sind hier:

Frankreichs Sehnsucht nach dem nächsten WM-Titel

Frauenfußball-WM ab Freitag

Noch nie hat eine französische Frauen-Nationalmannschaft bei WM, EM oder bei Olympia etwas gewonnen. Das soll bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land anders werden. Das Eröffnungsspiel gegen Südkorea (Freitag 21 Uhr/ZDF ab 20:15 Uhr) soll den Anfang bilden.

Frankreichs Trainerin Corinne Diacre (rechts) gibt Anweisungen an Eugénie Le Sommer (links) und Gaëtane Thiney.
Frankreichs Trainerin Corinne Diacre (rechts) gibt Anweisungen an Eugénie Le Sommer (links) und Gaëtane Thiney.
Quelle: imago

Eigentlich sind die Quervergleiche ja nicht gewollt. Aber irgendwie unvermeidlich. Vor allem, dann wenn die Fußballerinnen sie selbst anstellen.

"Ich habe gesehen, wie Hugo Lloris letzten Sommer die Trophäe in Moskau in die Höhe gehalten hat. Das Gefühl will ich auch erleben." Gesagt hat das Amandine Henry, die Kapitänin der französischen Frauen-Nationalmannschaft - und gemeint war natürlich, wie ihr männlicher Pendant Lloris vergangenen Sommer nach dem WM-Finale gegen Kroatien den höchsten Preis des Weltfußballs entgegennahm.

Logisch, dass die Frauen nun auch danach streben, die gegen Südkorea im ausverkauften Pariser Prinzenpark das Eröffnungsspiel der Frauen-WM bestreiten (Freitag 21 Uhr/live ZDF).

Ich habe gesehen, wie Hugo Lloris letzten Sommer die Trophäe in Moskau in die Höhe gehalten hat. Das Gefühl will ich auch erleben.
Kapitänin Amandine Henry

Emmanuel Macron geht wie so viele insgeheim vom Doppelerfolg bei Männer und Frauen aus, wie der Staatspräsident bei einem Besuch der Fußballerinnen in Clairefontaine, der Kraftquelle des französischen Fußballs, verriet. "Ich will euch keinen Druck machen, aber bei einer Sache bin ich mir sicher. Solche Wettbewerbe gewinnt, wer keine Angst hat. Das Publikum und auch ich werden euch zujubeln - habt keine Angst!", richtete Macron aus.

Die besondere Vita von Corinne Diacre

Nationaltrainerin Corinne Diacre arbeitet mit ihrem Team seit der Männer-Vorlage aus Russland beim Heimturnier mehr denn je in einem Spannungsfeld.

Die 44-Jährige ist mit ihrer Vita zunächst wie gemacht, um Frauen und Männer gleichermaßen mitzunehmen. Als erste Französin trainierte sie drei Jahren lang eine Männer-Profimannschaft, den Zweitligisten Clermont Foot.

Die Fachzeitung "France Football"zeichnete sie sogar als "Zweitligatrainer des Jahres" aus und Verbandspräsident Noël Le Graët musste dem Vernehmen nach schon eine Ablöse zahlen, um die Fußballlehrerin aus dem laufenden Vertrag zu lösen.

Glückloser Olivier Echouafni

Nach dem Missverständnis mit dem glücklosen Olivier Echouafni, der nicht den richtigen Ton bei den Frauen traf und bei der EM 2017 bereits im Viertelfinale an England scheiterte, brauchte es im Spätsommer 2017 eine kompetente Lösung, um die Weichen für diese WM zu stellen.

Corinne hat viel Erfahrung und verfolgt eine langfristige Strategie, bei der die Vorbereitung auf die Heim-WM 2019 erstes Ziel ist.
Verbandspräsident Noël Le Graët

"Corinne hat viel Erfahrung und verfolgt eine langfristige Strategie, bei der die Vorbereitung auf die Heim-WM 2019 erstes Ziel ist", sagte Le Graët nach deren Vorstellung. Die an Wunschtrainerin Diacre gerichteten Hoffnungen sind nicht geringer geworden.

Nur: Die frühere Verteidigerin hat selbst eine WM und EM gespielt und weiß nur zu gut, dass Frankreich  im weiblichen Segment noch nie etwas gewonnen hat. Platz vier bei der WM 2011 in Deutschland war – trotz reichlich Talent - das Höchste der Gefühle.

Deutschland-Trauma vor vier Jahren

Am schmerzlichsten fühlte sich 2015 jene unnötige Niederlage im Elfmeterschießen gegen die DFB-Auswahl auf dem Kunstrasen von Montreal an, als die Französinnen im WM-Viertelfinale ihre haushohe technische Überlegenheit aus lauter Überheblichkeit verschenkten.

"Es war so schmerzhaft, gegen Deutschland zu verlieren, aber wir haben viel daraus gelernt. Wir wollen so etwas nicht wiedererleben", erinnert sich Henry, die als wichtigstes Scharnier zwischen Abwehr und Angriff gilt.

Verjüngungsprozess

WM 2015: Claire Lavogez (links) wird nach ihrem verschossenen Elfmeter von Jessica Houara getröstet.
WM 2015: Claire Lavogez (links) wird nach ihrem verschossenen Elfmeter von Jessica Houara getröstet.
Quelle: imago

Seitdem hat es im Team einige Häutungen gegeben, die Verjüngung ist ein laufender Prozess. Aber ohne Stützen wie Torhüterin Sarah Bouhaddi (32 Jahre), Abwehrchefin Wendie Renard (28), Strategin Henry (29) oder Stürmerin Eugenie Le Sommer (30) - allesamt vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon - geht es nicht.

Entscheidend, wie sich auch sie in extremen Drucksituationen verhalten. Häufig agierten die Französinnen in entscheidenden Momenten nach- und fahrlässig, irgendwann dann auch hilf- und kopflos.

Moment zu glänzen

 Einerseits wäre es daher eigentlich besser, den Gastgeber nicht mit einer falschen Erwartungshaltung zu überladen. Andererseits geht es vielleicht gar nicht anders. Henry, offenbar rechtzeitig für die Südkorea-Partie von einer Verletzung genesen, ist wie die Teamgefährtinnen voller Vorfreude auf den Auftakt vor mehr als 48.000 Fans.

Es ist das, wovon jeder Spieler träumt: als Kapitän einer WM im eigenen Land die Mannschaft aufs Feld zu führen.
Amandine Henry

 "Es ist das, wovon jeder Spieler träumt: als Kapitän einer WM im eigenen Land die Mannschaft aufs Feld zu führen. Das bedeutet mir und meiner Familie so viel. Das eigene Land zu repräsentieren, ist schon speziell, aber eine WM macht noch einmal mehr daraus", sagt sie. Der erfolgreiche Startschuss zur Eröffnung muss sich eigentlich nur am offiziellen Slogan des Turniers orientieren: "Le moment de briller" - Zeit zu glänzen.

Kein Hochsicherheitstrakt

Und es hilft, dass der Ausrichter jetzt keinen Hochsicherheitstrakt errichten muss wie bei noch unter dem Eindruck des Terrors veranstalteten Männer-EM 2016, als sich an jeder Straßenecke Polizisten mit Maschinenpistolen postieren.

Das Frauen-Turnier könnte drei Jahre später der Kontrapunkt sein. Unbeschwerter. Und fröhlicher. Damit fällt auch Verwurzelung leichter, um nachhaltige Effekte zu erzielen. Erst 140.000 Frauen und Mädchen spielen in der Grande Nation wirklich Fußball - da ist viel Luft nach oben. 

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.