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Frankreich: Der Jugend eine Chance

Fußball - Nations League am Donnerstag

Von Nichts kommt nichts, das gilt auch in Frankreich. Die Fußball-Nationalmannschaft musste auf dem Weg zum WM-Titel 2018 ein tiefes Tal durchschreiten. Der Titel ist das Ergebnis einer zentral gesteuerten Ausbildung junger Kicker. Am Donnerstag, 20.45 Uhr (ZDF ab 20.15), spielt Deutschland in der Nations League gegen Frankreich.

WM 2018 - Viertelfinale: Training-Frankreich
WM 2018: Frankreichs Spieler beim Training vor dem Viertelfinale
Quelle: ap

Selbst in der Bundesliga tauchen immer mehr gute junge französische Fußballspieler aus. Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart ist ein solches Beispiel oder Salif Sane (Schalke 04) oder Corentin Tolisso (Bayern München). Auch der erst 20 Jahre alte Superstar Kylian Mbappe von Paris St Germain ist Profiteur eines eng verzahnten Ausbildungssystems.

Absturz nach 1998

Bis zum großen Triumph musste die Grande Nation dunkle Jahre überstehen. Dem WM-Erfolg 1998 folgte der Absturz. Seitdem hat Frankreich sein Ausbildungssystem für junge Kicker und vor allem Trainer intensiviert, reformiert und ausgebaut.

Öfter als in Deutschland wird jungen Talenten in Frankreich früh Vertrauen geschenkt und Verantwortung übertragen. Dass junge Kicker so bald wie möglich im Profibereich eingesetzt werden, ist Teil der Strategie.

Mbappe ist ein leuchtendes Beispiel. Der dribbelstarke Stürmer stand kurz nach seinem 18. Geburtstag für den AS Monaco auf dem Platz. Frühe Einsätze auf Profiniveau, so glaubt Vincent Duluc, Reporter bei der französischen Sporttageszeitung "L’ Equipe", "helfen enorm bei der Entwicklung junger Talente.

Wesentlicher Teil der Ausbildung ist hohe Flexibilität und Individualität. Dabei sind die Nachwuchszentren der Vereine eng mit dem "Institute National du Football", der zentralen Ausbildungsstätte des französischen Verbandes verbunden.

Zentrale Ausbildungs-Steuerung

1500 junge Talente bewerben sich jedes Jahr um einen der 23 Internatsplätze in Clairefontaine 50 Kilometer vor den Toren der französischen Hauptstadt. Die Ausbildung dauert auf Internatsbasis zwei Jahre. Wer mit 15 den Abschluss geschafft hat, ist fast ein kompletter Fußballer. Die weitere Ausbildung erledigen die Klubs in enger Kooperation mit dem Verband.

Zudem fungiert das umgebaute Schloss als zentrale Trainings- und Ausbildungsstätte der französischen Nationalteams aller Altersklassen, wobei acht über das ganze Land verteilte regionale Ausbildungszentren dem französischen Verband zuarbeiten.

"Diese Centres de Preformation legten größten Wert auf Technik, Taktik, Beidfüßigkeit, Kopfballstärke. Ebenfalls wichtig sind mentales Training und die charakterliche Ausbildung, dass sie zu positiven Menschen werden", berichtet Frankreich-Experte Gernot Rohr, der aktuelle Nationaltrainer Nigerias.

Spezialtrainer für die Jugend

Kaum ein anderer Verband hat seit Jahren die Ausbildung von Spezialisten im Trainerstab vorangetrieben. "Jeder Klub muss mehrere Trainer haben, die sich um einzelne Teile der Ausbildung kümmern. Der Verband selbst hat Dutzende davon", sagt Rohr. 

Frankreich soll nun zum großen Vorbild für den deutschen Verband werden. Statt hauptsächlich auf Passsicherheit zu achten, sollen Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit gefördert werden.

In Deutschland kämpft Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff seit Jahren für eine zentrale deutsche Akademie und muss dabei zuweilen Widerstände der Landesverbände überwinden, die fürchten, Einfluss zu verlieren.

"Das gibt es im zentralistisch organisierten Frankreich nicht, da funktionieren Kommunikation und Kommunikation sehr gut", sagt Rohr. Rund 140 Millionen gaben die Franzosen 1988 aus, das deutsche Modell soll rund nun bis zu 150 Millionen kosten.

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