Kaltschnäuzigkeit vor dem Kasten gefragt

EM 2017, 3. Spieltag: Russland - Deutschland live im ZDF

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Bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft besteht vor dem entscheidenden dritten Gruppenspiel gegen Russland (20.45 Uhr/ live ZDF) noch Steigerungsbedarf. Vor allem an der Treffsicherheit haperte es bislang oft.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.07.2018, 20:15

Vielleicht ist es ganz gut, dass die deutschen Fußballerinnen auf ein lieb gewonnenes Ritual der erfolgreichen Ära Silvia Neid nicht verzichten wollten: das obligatorische Ausschießen beim Abschlusstraining. Die neue Bundestrainerin Steffi Jones erzählte in der Vorbereitung davon, dass sie mit dem Mannschaftsrat durchgegangen sei, welche Veränderungen vorgenommen werden können, sollen oder müssen.

Das Schusstraining, bei der zwei Gruppen auf zwei Tore zielen und ein Sieger ermittelt wird, gehörte nicht auf die Streichliste. Partout nicht. Jones willigte ein, weshalb nun auch in den niederländischen EM-Stadien das Spielchen betrieben wird, bei dem jeder Volltreffer lauthals in einer leeren Spielstätte bejubelt wird.

Es hapert im Abschluss

Früher wurde daraus fast sogar ein Event veranstaltet: Die Verliererinnen mussten entweder beim Abendessen nur Englisch reden, sich besondere Frisuren machen oder etwas bügeln, erinnerte sich Mittelstürmerin Mandy Islacker kürzlich. In der Gegenwart ist das Ausschießen aber vor allem deshalb wichtig, um das größte Manko des achtfachen Europameister zu beseitigen: den Abschluss. In der Endabrechnung stehen Aufwand und Ertrag gerade bei der deutschen Mannschaft in keinem guten Verhältnis.

„Wir hatten 24 Torschüsse, das erarbeitet man sich nicht immer. Wir müssen die Chancen nur eiskalt nutzen“, sagte Dzsenifer Marozsan nach dem 2:1-Arbeitssieg gegen Italien in Tilburg. Die Forderung der Kapitänin und Fußballerin des Jahres ist für das dritte EM-Gruppenspiel gegen Russland (Dienstag 20.45 Uhr/live ZDF) unmissverständlich: „Im Training klappt es, da haben wir super Abschlüsse. Der Knoten muss platzen – es muss einfach mal knallen auf dem Platz.“ Die 25-Jährige, die die mit Abstand beste Schusstechnik im deutschen Team besitzt, darf in ihrem 77. Länderspiel ruhig mit gutem Beispiel vorangehen.

Kriterien bei Punktgleichheit zwischen GER und SWE

Einsatzwillen ist in Ordnung

„Wir wollen ganz klar gewinnen“, verlangt Steffi Jones. Die Bundestrainerin: „Wir wollen zeigen, dass wir spielerisch bessere Lösungen finden.“ Um letzte Zweifel am Weiterkommen mit einer durchwegs überzeugenden Leistung zu zerstreuen. Und um im Viertelfinale am Samstag möglichst als Gruppenerster in Doetinchem anzutreten. Russland werde genauso spielen wie Italien, heißt es bei Jones. Körperbetont, verbissen, defensiv. Abwehrchefin Babett Peter glaubt sogar: „Die reißen sich ein Bein aus und geben ihr letztes Hemd.“

Doch in punkto Einsatzwillen und Leistungsbereitschaft gibt es auch bei der deutschen Auswahl nichts auszusetzen. „Jede von den Mädels will zu 100 Prozent. Daran scheitert es nicht“, hat Innenverteidigerin Josephine Henning auf der Pressekonferenz am Samstag klargestellt. Anders als bei der EM 2013, als Nachlässigkeiten in der Einstellung zu einer holprigen Vorrunde und einer 0:1-Niederlage gegen Norwegen im letzten Gruppenspiel führten, muss keine geheime Aussprache abgehalten werden. Die Chemie im Kader stimmt, heißt es aus allen Richtungen.

Am System wird nicht gerüttelt

Auch Torhüterin Almuth Schult hat bisher (fast) alles richtig gemacht, war in den entscheidenden Momenten sowohl gegen Schweden (0:0) als auch gegen Italien voll da, obwohl das Team bei Ballverlusten empfänglich für schnelle Konter ist. „Auf einmal steht es dann 1:1, das bringt einen in Rage“, kritisierte Jones am Freitag nicht zu Unrecht. Ihre Folgerung: „Daran müssen wir arbeiten, sonst wird es schwer, unsere Ziele zu erreichen.“

Weiterer Ansatzpunkte für die schwankenden Leistungen: fehlende Automatismen. Das neue 4-4-2-System mit Mittelfeldraute bedarf gemeinhin einer genauen Einstimmung und ist im besten Falle mit angestammten Personal über Jahre eingespielt – genau diese Voraussetzungen findet Jones allerdings nicht vor. Sie ist erst knapp zehn Monate im Amt, setzte immer wieder wechselndes Personal ein, auch noch beim She Believes Cup in den USA im Frühjahr. In der Hoffnung, dass sich die Prozesse schon noch einschleifen. Ob das jetzt im laufenden Turnierbetrieb gelingt? Spannende Frage, vielleicht sogar die entscheidende für das Fortkommen.

Fest steht nur: An der von Jones bevorzugten Grundordnung wird nicht mehr gerüttelt. „Es ist natürlich ein sehr mutiges System, aber wir haben begnadete Fußballerinnen“, sagt Peter, mit 29 Jahren, sechs großen Turnieren und 109 Länderspiel die zweierfahrenste Spielerin im Kader. „Wir sind von diesem System überzeugt.“ Ergo: Die alte Formation im teils starren 4-2-3-1 von Jones-Vorgängerin Silvia Neid wird nicht wieder aus der Mottenkiste geholt. Nur das Ausschießen ist noch geblieben.

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