DFB-Frauen wieder mit Alexandra Popp auf Torejagd

Frauenfußball-WM-Quali: Deutschland - Island am 20. Oktober in Wiesbaden

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Alexandra Popp soll wieder für Tore sorgen bei den DFB-Frauen. Im Interview mit Norbert König zeigt sich die Stürmerin nach überstandener Verletzung guter Dinge. Ihr Comeback im DFB-Trikot gibt sie am Freitag (15:45 Uhr/ZDF) im Spiel gegen Island.

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Rückkehr einer Leaderin

 Alexandra Popp steht für Willensstärke und Durchsetzungsvermögen, Leidenschaft und Kampfeslust. Eigenschaften, die bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft im Hinblick auf die WM 2019 dringend gefragt sind. Im Qualifikationsspiel gegen Island am Freitag (Anpfiff 16 Uhr/ZDF ab 15:45 Uhr) in Wiesbaden nimmt die 26-Jährige gleich wieder eine Führungsrolle ein.

 Alexandra Popp kann sich an den schlimmen Tag noch allzu gut erinnern. 30. Juli dieses Jahres, ein verregneter Sonntagmorgen in Rotterdam. Zweiter Anlauf bei der Austragung des Viertelfinals der Frauen-EM zwischen Deutschland und Dänemark. Die zu diesem Zeitpunkt verletzte Nationalstürmerin spürt die Ohnmacht aus der letzten Tribünenreihe, aus der sie im Sparta-Stadion die 1:2-Pleite erlebt. „Normalerweise bin ich als Typ sehr laut“, erzählt sie, aber aufgeschrien hat irgendwann selbst sie nicht mehr. Denn: „Es tat mir für die Mannschaft unheimlich leid.“

So blickt die 26-Jährige im Gespräch auf ein Ereignis zurück, das den deutschen Frauenfußball in seinem Selbstverständnis erschütterte. Scheitern im Viertelfinale eines Turniers, das zuvor im Dauerabonnement von der DFB-Auswahl gewonnen wurde – wie kann das passieren? „Die letzte Entschlossenheit“, sagt die damals zur Untätigkeit verdammte Leistungsträgerin rückblickend, habe sie vermisst, dazu „die Konsequenz, sich wirklich mal durchzukombinieren.“

Charaktertypen sind Mangelware

Bundestrainerin Steffi Jones hatte hinter vorgehaltener Hand nicht nur einmal erwähnt, dass die kurz vor Turnierstart wegen einem gerissenen Meniskus und gedehnten Außenband ausgefallene Angreiferin vom VfL Wolfsburg nicht ersetzt werden konnte. Doch im Nachgang ist das selbst der Fußballerin des Jahres von 2014 und 2016 ein bisschen zu billig. „Ich habe gefehlt und deswegen hat es nicht geklappt: Das ist mir zu einfach.“ Was sie als Mitglied aus dem Mannschaftsrat allerdings einräumt: dass die ihr zugeschriebenen Eigenschaften seltener geworden. „Es gibt nicht mehr so viele Charaktertypen.“

Die sich gegen heftige Widerstände wehren; die entscheidende Zweikämpfe führen, als sei es der letzte; die in heiklen Situationen auch mal auf den Tisch hauen. Oder wie die in Witten geborene Spielerin sagt: „Manchmal muss man auch ein Zeichen setzen, damit es knallt – das muss ja nicht zwingend dem Gegner weh tun.“ Sie hat sich diese Winner-Mentalität nach eigenem Bekunden weniger beim Kicken mit gleichaltrigen Jungs an der DFB-Eliteschule Berger Feld erworben, sondern eher von Vater Andreas („Der konnte schon nicht verlieren“) abgeschaut. „Ich würde sagen, das ist bei mir angeboren.“

Den Faden wiederfinden

Kein Zufall, dass Jones für die WM-Qualifikationsspiele in Wiesbaden gegen Island (Freitag 16 Uhr/live ZDF) und anschließend in Großaspach gegen die Färöer Inseln (Dienstag 16.10 Uhr) nicht nur Popp, sondern auch Simone Laudehr und Melanie Leupolz nach der Genesung sofort wieder zurückgeholt hat. Es braucht mehr Mentalitätsspielerinnen, wobei Popp gerne als Vorbild vorangeht. „Es gibt keinen Grund, mich hintenan zu stellen, weil ich zwei, drei Monate raus war. Ich sehe mich in der Pflicht, als eine Art Leaderin die anderen mitzuziehen.“

DFB-Frauen in der WM-Quali

Genauso hatte es Jones bereits bei der Kaderbekanntgabe formuliert: „Alex ist für und wichtig als Leaderin, die die Mannschaft mit ihrer Leidenschaft und Präsenz mitreißen soll.“ Dafür braucht es auch nicht zwingend die Binde als Spielführerin, die nach der Absage von Dzsenifer Marozsan an Abwehrchefin Babett Peter gehen dürfte. Sie alle wollen mithelfen, dass die deutschen Fußballerinnen nun schnell „den Faden wiederfinden“, wie Popp sagt.

Jones hat die Leine schon gestrafft

Dafür darf der Umgang miteinander ruhig auch etwas ruppiger werden. Die 80-fache Nationalspielerin (35 Tore), die ihren Job als Tierpflegerin schweren Herzens aufgab, weil sie kaum noch richtig regenerieren konnte, bestätigt, dass  Jones die lange Leine erheblich gestrafft hat. „Es läuft anders ab, es gibt weniger Späßchen. Ich würde sagen, es ist alles fokussierter.“ Ein Teil des Lernprozesses, den die unerfahrene sportliche Leitung nach einer umfassenden Analyse eingeleitet hat.

Dass die deutschen Spielerinnen im Laufe der WM-Qualifikation nicht ständig an die Leistungsgrenze gehen müssen, kann bei der Erneuerung von innen dienlich sein. In der Kurstadt allerdings wartet bei herrlichem Herbstwetter kein Spaziergang: Der dritte Gegner Island gilt als der schwierigste Prüfstein. Mit Sara Björk Gunnarsdottir steht eine der besten Spielerinnen beim VfL Wolfsburg unter Vertrag, aber groß ausgetauscht haben sich die beiden über das direkte Duell nicht. „Wir haben nur gesagt: bis Freitag.“ Vielleicht wird sich dann eine isländische Fankolonie in der kleinen Arena an der Berliner Straße an den „Huh, huh-huh“-Ritualen versuchen. Popp hätte kein Problem damit: „Das können sie ruhig machen -  nachdem sie gegen uns verloren haben.“

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