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Svenja Huth - die unterschätzte Führungskraft

Frauenfußball | Test gegen Japan am Dienstag live im ZDF

Unter der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg haben sich die Hierarchien bei den DFB-Frauen verschoben. Svenja Huth ist zur Co-Kapitänin aufgestiegen. Dem Testspiel gegen Japan am Dienstag (16 Uhr/ZDF ab 15:45 Uhr) sieht sie mit Vorfreude entgegen.

Svenja Huth beim Länderspiel am 10. November 2018 gegen Italien
Svenja Huth beim Länderspiel am 10. November 2018 gegen Italien
Quelle: imago/Beautiful Sports

Wenn Svenja Huth über den japanischen Frauenfußball redet, dann ist viel Hochachtung herauszuhören: "Kleine, wuselige Spielerinnen, die gut am Ball sind und nie aufgeben. Das geht im Juniorinnenbereich schon los und setzt sich bis in die A-Nationalmannschaft fort."

Kann es sein, dass der Gegner der DFB-Frauen aus lauter Svenja Huths besteht?

Bei dieser Frage lacht die 28-Jährige im Gespräch mit zdfsport.de lauthals. Aber ein bisschen was könnte an dieser These ja dran sein: Die 1,63 Meter große Allrounderin, die in ihrer Karriere außer Torhüterin schon fast alles gespielt hat, verkörpert jenen vielseitigen, ballsicheren Spielertyp, mit dem Japan im Frauenfußball seit Jahren Maßstäbe setzt. Weltmeister 2011, Vizeweltmeister 2015 - das ist kein Zufall.

Schlechte Erinnerungen an Japan aus 2011

Unvergessen wie die spielfreudigen Asiatinnen vor acht Jahren im WM-Viertelfinale in Wolfsburg den WM-Gastgeber Deutschland aus dem Heimturnier katapultierten. "Das war für alle ärgerlich, so früh auszuscheiden", sagt Huth, die damals noch vor dem Fernseher saß.

Sie debütierte erst am 26. Oktober 2011 gegen Schweden (1:0) für die DFB-Frauen. Am Samstag konnte sie in der 28. Auflage dieses Klassikers (2:1) wegen eines Infekts nicht mitspielen, aber für das Duell gegen Japan ist sie sehr wohl eine Option.

43. Länderspiel

Huth sei auf dem Wege der Besserung, hieß es aus dem DFB-Quartier in der Hotel-Residenz Klosterpforte in Harsewinkel. In Paderborn will die Powerfrau aus dem fränkischen Alzenau ihr 43. Länderspiel bestreiten.

"Es ist gut, wenn wir uns mit den Besten messen. Spiele wie gegen Japan sind wichtig, damit wir wissen, an welchen Stellschrauben wir noch drehen müssen", sagt Huth.

Es ist zum Lernen nie zu spät

Ihre Beförderung zur stellvertretenden Kapitänin hinter Alexandra Popp war das größte Zeichen von Wertschätzung, denn die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat genau gewusst, wem sie damit mehr Verantwortung geben kann: einer eher dezent auftretenden Führungsspielerin, die ihre Worte mit Bedacht wählt.

Wertschätzung erfährt Huth auch von den Zuschauern. Die 28-Jährige ist gerade von den Fans zur Nationalspielerin des Jahres 2018 gewählt worden. Im Rahmen des Länderspiels wird sie ausgezeichnet. "Ich freue mich riesig über diese Wertschätzung, weil sie tatsächlich von unseren Fans kommt", so Huth auf dfb.de. Es bedeute ihr sehr viel.

Leise Taktgeberin

Zudem gilt Huth als leise Taktgeberin, auf die trotzdem alle hören. "Ich habe oft gesagt, dass sich für mich auf dem Platz nicht viel ändert. Dort werde ich immer alles geben, daneben kommen ein, zwei Aufgaben mehr dazu“, sagt sie, die eine wichtiger Ansprechpartnerin für die junge Garde ist.

Dass Huth in wichtigen Begegnungen vorangeht, bewies sie bei ihrem Doppelpack im WM-Qualifikationsspiel in Reykjavik gegen Island (2:0). Der Regenbogen, der sich damals über dem Nationalstadion zeigte, war fast ein Sinnbild. Ihre Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung sind der beste Beleg, dass es auch im besten Fußballalter nicht zu spät ist, um große Sprünge zu machen.

Einst Lehrling beim 1. FFC Frankfurt

Dabei schien es vor allem in ihrer langen Zeit beim 1. FFC Frankfurt (2007 bis 2015) so, als käme sie über den Lehrlingsstatus nicht hinaus. Das Eigengewächs stand im Schatten vieler Stars, pendelte zwischen Ersatzbank und Rasen.

Erst mit dem Wechsel zu Turbine Potsdam bekam ihre Karriere noch einmal einen Schub. In 237 Bundesligaspielen hat sie inzwischen 63 Tore erzielt.

Dass sie nach vier Jahren in Brandenburg am Saisonende zum VfL Wolfsburg wechselt, erscheint logisch. Nun muss sie sich inmitten einer Ansammlung von internationalen Topspielerinnen durchsetzen. "Es war eine Entscheidung für meine sportliche Entwicklung", sagt Huth, der auch Anfragen vom FC Bayern und aus dem Ausland vorlagen. Möglich, dass sie sich beim Seriensieger aus der Autostadt noch einmal auf ein höheres Niveau bringt.

Viel vor bei der WM 2019

Zuvor aber will sie eine gute Weltmeisterschaft spielen. Denn noch hat die deutsche Nummer neun so gut wie keine Turniererfahrung sammeln können. Beim EM-Sieg 2013 blieb sie ohne Einsatz, bei der WM 2015 schaffte sie es nicht in den Kader und bei der EM 2017 bestritt sie nur das erste Gruppenspiel gegen Schweden (0:0) - dann setzte sie ein Muskelfaserriss außer Gefecht. Doppeltes Pech, denn die damalige Bundestrainerin Steffi Jones hielt große Stücke auf sie.

Huth wird aber gewiss nicht zur WM nach Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) mit der Maßgabe reisen, dass sich solch ein Malheur nicht wiederholt. "Es wäre verkehrt, wenn ich das im Hinterkopf hätte." Zumal sie ja von ihrer Dynamik und ihrem Durchsetzungsvermögen lebt.

Sie  findet es gut, dass Voss-Tecklenburg noch keine Zielvorgabe genannt hat. "Die Bundestrainerin hat ja selbst gesagt, dass acht Mannschaften Weltmeister werden können. So sehe ich das auch: Es ist nicht mehr so einfach wie vor zehn oder 20 Jahren, als außer Deutschland und den USA noch maximal ein, zwei andere Teams infrage kamen."

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