Mit Weltklasse im Sturm

Die Däninnen vor dem Viertelfinale gegen Deutschland

Sport | ZDF SPORTextra - Mit Weltklasse im Sturm

Pernille Harder bringt außergewöhnliche Fähigkeiten ein, Nadia Nadim blickt auf eine besondere Lebensgeschichte zurück: Der Angriff der dänischen Frauen-Nationalmannschaft verdient vor dem Viertelfinale gegen Deutschland (Samstag ab 20.15 Uhr/live im …

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.12.2017, 15:41

Eine gewisse Lockerheit wird dem dänischen Fußball ja nachgesagt. Und warum sollen Pernille Harder und Nadia Nadim, die Fixpunkte in vorderer Linie bei der Frauen-Nationalmannschaft, da anders auftreten? Also wird vor der ersten Ansprache einer Übungseinheit unter Cheftrainer Nils Nielsen gelacht und gescherzt, bevor alle sich warmlaufen.

Im Hotel Bilderberg Klein Zwitserland bei Arnheim ist der meist gut gelaunte Tross untergebracht, der von allzu vielen Regularien - etwa für die Pressearbeit - wenig hält. Nach einem Training auf dem Sportgelände in Heelsum, einem kleinen Örtchen in der Provinz Gelderland, finden die Pressetalks am Platzrand statt. Besonders gefragt: Die beim VfL Wolfsburg spielende Harder und die bei den Portland Thorns unter Vertrag stehende Nadim.

Harder ist die Schlüsselspielerin

Die 24-jährige gilt dabei als die aktuell beste Fußballerin, die bei "Danish Dynamite" im Duell gegen Deutschland zünden könnte. "Die Stimmung ist gut, aber Deutschland wird ein schwerer Gegner, ist Olympiasieger. Wir werden alles geben", verspricht die dänische Nummer zehn, die jeder gegnerische Scout zuerst nach einer Spielbeobachtung auf den Zettel schreibt.

"Sie ist unwahrscheinlich flexibel in ihrer Spielweise", sagt Steffi Jones. Die Bundestrainerin sieht in ihr die Schlüsselspielerin. Ein halbes Jahr in der Frauen-Bundesliga hat gereicht, um sich riesigen Respekt zu erarbeiten. "Pernille Harder ist eine grandiose Fußballerin - ich bin ein Fan von ihr. Ich konnte mir das ja lange genug anschauen. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt im dänischen Spiel", urteilte Lena Goeßling, die lange verletzte Klubkameradin beim Werksklub.

Toreschießen gegen Almuth Schult

Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter beim VfL, wusste genau, warum er Schwedens Stürmerin des Jahres 2015, die für Linköpings FC in 87 Spielen mehr als 70 Mal traf, unbedingt im vergangenen Winter gewinnen wollte. Die ersten sechs Tore in Wolfsburg sind nur ein Anfang. Auf Anhieb ist sie dort zur Leistungsträgerin avanciert.

Wäre es jetzt etwas Besonderes für die blonde Angreiferin, gegen VfL-Torhüterin Almuth Schult zu treffen? "Es ist natürlich ein besonderes Spiel für mich gegen die Teamkolleginnen, aber ich habe keinen Kontakt zu ihnen. Gegen Almuth ein Tor zu schießen, wäre nichts Außergewöhnliches - es ist egal, wer die Tore schießt."

Nadim flüchtete einst aus Afghanistan

Nadia Nadim
Nadia Nadim Quelle: imago

Vielleicht schießt die ja ihre Sturmpartnerin, die sich mit Favoritenstürzen bestens auskennt. Vor vier Jahren kegelten die zuvor erst per Losentscheid unter die letzten Acht vorgerückten Däninnen nach Elfmeterschießen den Topfavoriten Frankreich aus dem Turnier. Zu denjenigen, die damals - und dann auch im verlorenen Halbfinale gegen Norwegen - aus elf Metern verwandelten, zählte Nadim, die erst im Frühjahr 2009 für Dänemark debütiert hatte. Einfacher Grund: Eigentlich stammt die dänische Nummer neun aus Afghanistan.

Dort wuchs sie in einer Familie mit vier Schwestern auf, denen der Vater einst einen Fußball geschenkt hatte. Doch als der Vater im Jahr 2000 verschwand - verschleppt von den Taliban - lebte die Mutter in großer Angst und schmiedete Fluchtpläne. Mit dem Minivan durch Afghanistan und Pakistan, mit gefälschten Pässen nach Italien und eigentlich weiter bis nach England - so lautete der Plan. Irgendwann nach vielen Wirren landeten die sechs Frauen in einer Flüchtlingsunterkunft in Dänemark.

Es war nicht leicht, die kulturellen Fesseln zu sprengen

"Ich war dort eigentlich ziemlich glücklich, aber natürlich habe ich meinen Vater vermisst", erzählte Nadim einmal. Sie und ihre Schwestern begannen, Fußball zu spielen, wenn sie nach der Schule frei hatten. Immer und überall. Es dauerte nicht lange, bis Nadia Nadim auf einem Betonplatz von einem Trainer entdeckt wurde. Der Fußball sollte zu ihrem Fluchtpunkt werden, und doch war es nicht leicht, die kulturellen Fesseln zu sprengen: "Selbst in Dänemark, wo Frauen alles tun können, hatte ich noch das Gefühl, dass ich mit dem Fußballspielen etwas Verbotenes tue."

Die dänische Staatsbürgerschaft bekam sie 2009 und debütierte bald darauf beim Algarve Cup gegen die USA. Heute sagt die 73-fache Nationalspielerin: "Es ist eine Ehre für mich, Teil des dänischen Nationalteams zu sein." Auf das Duell gegen Deutschland freut sie sich nun ganz besonders, worüber sie am Donnerstag sogar in sehr passablem Deutsch gesprochen hat. "Deutschland ist sechs Mal hintereinander Europameister. Wir hoffen, Deutschland als erstes zu schlagen." Braucht es dazu Glück? "Ich vertraue in unsere Fähigkeiten. Wenn ich einen Aberglauben hätte, fange ich an das Gegenteil zu machen." Beistand leisten wollen ihr übrigens zwei oder drei Geschwister von ihr, die sich für die Partie im Sparta Stadion von Rotterdam angekündigt haben.

von Frank Hellmann

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