Lachende Löwin

Jackie Groenen ist die Frohnatur der Niederländerinnen

Sie gewann einmal Bronze bei der Judo-EM, nun träumt sie von Gold bei der Fußball-EM: Jackie Groenen ist eine bemerkenswerte Figur in der niederländischen Frauen-Nationalmannschaft. Am Samstag (ab 17.40 Uhr/live im ZDF) tritt der Gastgeber gegen Schweden an.

Jackie Groenen
Jackie Groenen (Mitte) Quelle: imago

Die Laune könnte schlechter sein. Aber immer wenn sich Jackie Groenen durch die weißen Zeltbauten bewegt, die vor die niederländischen Stadien installiert sind und als Mixed Zone fungieren, trägt die niederländische Nationalspielerin ein Lächeln auf den Lippen. Bei den „Oranje Leeuwinnen“, den Löwinnen in Orange, könnte sie als die lachende Löwin durchgehen.

Und die Frohnatur will sich nun auch nicht vom Viertelfinalgegner Schweden den Spaß an dieser Frauen-EM verderben lassen. Wer Gruppenerster ist, darf für das erste K.o.-Duell gegen den Olympiazweiten am Samstag (Anstoß 18 Uhr/ ab 17:40 Uhr live im ZDF) schon mal Ansprüche anmelden. Zumindest leise.

"Gehen mit hohem Genussfaktor rein"

Bei der erst 22 Jahre alten Groenen, die vor sieben Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester Merel beim Frauen-Bundesligisten SG Essen-Schönebeck begann, danach zum FCR Duisburg wechselte und dann 2015 zum 1. FFC Frankfurt ging, hörte sich das vor Turnierbeginn so an: „Wir gehen hier mit hohem Genussfaktor rein. Wir haben keinen Druck aufgebaut.“

Vielleicht als Gastgeber, der bislang dreimal, in Utrecht, Rotterdam und Tilburg, in ausverkauften Stadien antrat, nicht die schlechteste Idee, um die Erwartungen abzumildern. Schon beim EM-Eröffnungsspiel gegen Norwegen (1:0) schalteten beim Fernsehsender NOS mehr als zwei Millionen Landsleute ein.

Sie trägt die 14 von Johan Cruyff

Fast täglich kommen neue Fans dazu, die sich für die schnelle Shanice van de Sanden, die durchsetzungsstarke Vivianne Miedema oder die trickreiche Lieke Martens begeistern. Die Dreierreihe im Sturm, die wichtigste, weil spektakulärste Abteilung im typischen 4-3-3 holländischere Bauart. Und doch braucht es ja jemand, der die Stürmerinnen erst in Szene setzt.

Dafür wiederum ist Groenen zuständig, die idealerweise die Nummer 14 bekommen hat. Die legendäre Rückennummer von Johan Cruyff. Lange hat sie dafür kämpfen müssen, erzählt die in Belgien geborene und in Deutschland ausgebildete Fußballerin. „Irgendwann kam die Trainerin Sarina Wiegman zu mir und hat gemeint: ‚Du willst doch die 14 haben, dann kannst du sie jetzt bekommen‘“, erzählt Groenen, die die hohe Bürde dieser Zahlenkombination meisterhaft schultert.

Fünfseitige Story in der wichtigsten Fachzeitschrift

Im Prestigeduell gegen Belgien (2:0) war sie an beiden Treffern beteiligt, holte den Elfmeter zum 1:0 heraus und gab die Vorlage zum 2:1-Siegtreffer. Schon vorher hatte „Voetbal International“, die renommierteste Fußball-Fachzeitschrift der Niederlande, ihr eine fünfseitige Story gewidmet. Mehr Ehre geht für eine Fußballerin kaum. „Bij het volkslied voel ik me een Leeuwin“- wenn ich die Nationalhymne höre, fühle ich mich wie eine Löwin, so wird sie darin zitiert.

Ihre Vita wird noch einmal ausführlich dargelegt und auch die Tatsache erwähnt, dass Wiegmann-Vorgänger Arjan van der Laan nicht wirklich eine Verwendung für sie hatte. Er habe immer gefragt, wer ist die Groenen eigentlich. Nachfolgerin Wiegman, selbst eine ehemalige Nationalspielerin, die mit viel Weitsicht für die „voetballvrouwen“ (Fußballfrauen) verantwortlich ist, erkannte dagegen schnell das Potenzial.

Gewandtheit beim Judo gelernt

Ihre Passquote ist aktuell eine der besten von allen Mittelfeldspielerinnen dieser EM, obwohl sie mit 1,64 Meter Körpergröße gewiss nicht zu den Kraftpaketen zählt. Aber das muss sie auch gar nicht. „Ich habe viel beim Judo gelernt: das richtige Timing, die passende Balance. Ich weiß, wann ich hochspringen muss bei einer Grätsche, um mich nicht zu verletzten“, erzählte sie im Frauenfußball-Magazin „FFussball“.

Die beiden Sportarten würden wunderbar zusammenpassen, sagt Groenen. Tatsächlich strebte die dynamische Fußballerin lange parallel eine professionelle Karriere als Judola an. Im Juni 2010 gewann sie Bronze bei der Junioren-Judo-EM – als mehrfache nationale Juniorenmeisterin. Hätte sie auf der Matte weitergemacht, womöglich hätte sie es bis zu den Olympischen Spielen gebracht.

Traum vom Finale gegen Deutschland

Doch heute bereut sie ihren Entschluss nicht mehr. Sie ist eine der Entdeckungen des Turniers und speziell die Scouts aus der FA Women’s Super League sollen sich schon reichlich Notizen gemacht haben. Einen Anruf bei Frankfurts Manager Siegfried Dietrich können sie sich sparen: Groenen ist bis 2019 gebunden und um sie soll die neue Mannschaft aufgebaut werden, die irgendwann auch wieder international spielt.

Sie selbst ist ohnehin nur aufs Turnier fokussiert. Und ein bisschen wird man auch träumen dürfen: Räumen die Niederlande nämlich Schweden aus dem Weg würde im Halbfinale der Sieger der Partie Frankreich gegen England warten. Und ist dann vielleicht sogar ein Finale gegen Deutschland möglich? „Das wäre ein Traum. Wir würden aber 2:1 gewinnen“, hat Groenen gesagt und danach laut gelacht.

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