Ada Hegerberg muss helfen

Frauen-EM: Norwegen - Belgien bei zdfsport.de

Nach der Auftaktniederlage steht Norwegens Frauen-Nationalmannschaft bei der Frauen-EM bereits unter Druck. Im zweiten Gruppenspiel gegen Belgien (Donnerstag 18 Uhr/ ZDF livestream) braucht der EM-Finalist von 2013 vor allem eine bessere Topstürmerin.

Ada Hegerberg
Ada Hegerberg Quelle: imago

Beim Abspielen der Nationalhymne postiert sich Ada Hegerberg bewusst ganz außen. Die immerhin 1,77 Meter große Angreiferin hat dann gerne die Stutzen über die Knie gerollt, die Mitspielerin fasst sie fest an die Hand, der Blick wirkt entschlossen. Sie ist das prägende Gesicht von Norwegens Frauen-Nationalmannschaft, für die es bei dieser Europameisterschaft schon früh um alles geht: Das zweite Gruppenspiel gegen Belgien (Donnerstag 18 Uhr/ZDF livestream) wird bereits zum Lackmustest für den EM-Finalisten von 2013.

"Wir müssen das Spiel gewinnen", hat Trainer Martin Sjögren gleich nach der 0:1-Auftaktniederlage gegen die Niederlande formuliert – und ziemlich Milde beim Urteil über seiner Mannschaft walten lassen. Dabei blieb einer der Mitfavoriten am vergangenen Sonntag so ziemlich alles schuldig, was ein Frauen-Team auf Topniveau eigentlich auszeichnet. Auch die Vorzeigefußballerin Hegerberg wirkte schlussendlich ratlos, kam kaum einmal zum Abschluss oder zu gefährlichen Aktionen.

Schon im Champions-League-Finale recht blass

War das wirklich die 22-Jährige, die sich mit zehn Treffern zu einer der drei besten Torjägerinnen der Qualifikation – mit Islands Harpa Thorsteinsdóttir und Schottlands Jane Ross – aufgeschwungen hatte? Letztlich blieb der norwegische Angriff mit Hegerberg und Kollegin Kristine Minde so stumpf wie lange nicht mehr. Spötter werden sagen, Hegerbergs Gelbe Karte nach neun Minuten war im Stadion Galgenwaard in Utrecht fast schon ihre auffälligste Aktion.

Damit setzte die Topspielerin von Olympique Lyon fort, was sich auch im Finale der Women’s Champions League andeutete: Im innerfranzösischen Duell gegen Paris St. Germain (7:6 nach Elfmeterschießen) gelang ihr nicht viel – nach einer Stunde machte sie grippegeschwächt Platz für die Deutsche Pauline Bremer.

Toreschießen wie ein Uhrwerk

Das aber wird der Qualität nicht gerecht, die die 63-fache Nationalspielerin (38 Tore) gemeinhin auf den Platz bringt. Sie hat nicht umsonst als erste Nicht-Deutsche Wahl zu Europas Fußballerin des Jahres 2016 gewonnen. Es war die logische Folge nach einer Saison, in der die Titelsammlerinnen aus Lyon sich auf ihre Tore verlassen konnten. 33 Treffer in der französischen Liga, 13 in der weiblichen Königsklasse.

Da traf eine mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Die Auszeichnung beschrieb sie als Ehre für das Triple, das ihr Ensemble auch in der abgelaufenen Saison wieder holte. Im selben Jahr wurde sie auch Norwegens Sportlerin des Jahres ausgezeichnet, was in einer wintersportverrückten Nation schon mal eine Leistung ist. Zuvor hatte nur Rekordnationalspielerin Hege Riise (1995) als Fußballerin diesen Preis gewonnen. "Das zeigt, dass die Leute bemerken, dass der Frauenfußball an Wert gewinnt. Ich hoffe, dass wir auf diesem Weg weitergehen können", sagte sie bei der Ehrung.

Sie und ihre Schwester sind schon Filmstars

Es war der vorläufige Höhepunkt einer steilen Karriere. Bereits 2011 wurde sie als beste junge Spielerin in Norwegen ausgezeichnet, im Jahr darauf als "Komet des Jahres" und 2015 mit dem "Gullballen". Dieser spezielle Preis ist unter männlichen wie weiblichen Kickern offen – und Ada Hegerberg war die erste Fußballerin, die strahlend den Goldball empfing.

Die Gene kommen aus der Familie: Der Vater war Zweitligaprofi, die Mutter stürmte in der höchsten Frauen-Liga. Und es gibt im norwegischen Kader ja auch noch die zwei Jahre ältere Schwester Andine, mit der sie vor fünf Jahren erst gemeinsam zu Stabæk FK gingen. 2013 folgte der gemeinsame Wechsel in die Frauen-Bundesliga, als die Hergerbergs im Doppelpack bei Turbine Potsdam anheuerten. Empfohlen von Maren Mjelde, die damals bei den Brandenburgerinnen spielte und im Nationalteam noch immer die Kapitänin gibt.

Auf ihrem immerhin mit mehr als 46.000-Gefällt-mir-Angaben versehenen Facebook-Profil wies sie gerade selbst auf die Dokumentation "Verdens Beste Fotballsøstre" hin, die auf dem norwegischen Kanal TV2 kürzlich die Karriere der beiden behandelt hat. Die Ausstrahlung pünktlich zur Frauen-EM in den Niederlanden sollte eigentlich dem norwegischen Frauenfußball zu Anerkennung und Wertschätzung verhelfen – ein vorzeitiges Aus in der Vorrunde würde da irgendwie gar nicht passen.

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