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Horst Hrubesch: Abschied von "seinen Mädels"

DFB-Frauen gegen Spanien am Dienstag live im ZDF

Für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft war Horst Hrubesch - die Übergangslösung auf der Trainerbank - eine Erfolgsgeschichte. Nach dem Testspiel gegen Spanien in Erfurt (Dienstag 15:45Uhr/live ZDF) übernimmt Martina Voss-Tecklenburg als Bundestrainerin.

Horst Hrubesch mit Giulia Gwinn
Horst Hrubesch mit Giulia Gwinn
Quelle: imago/Eibner

Das Versprechen gilt: So schnell werden "seine Mädels" diesen Mann nicht los. Horst Hrubesch nutzt die Umschreibung fast ausnahmslos, wenn der DFB-Sportdirektor über die Spielerinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft spricht. Und das ist keinen Deut despektierlich gemeint, ganz im Gegenteil.

Kein Abschied für immer

Das Länderspiel gegen Spanien bedeutet zwar seinen endgültigen Abschied als Übergangslösung bei den DFB-Frauen und zum Jahresende auch als Sportdirektor des Verbands, aber der 67-Jährige wird wiederkommen: spätestens zur WM 2019 in Frankreich: "Ich werde mir da einige Spiele angucken."

Dafür sind ihm die besten deutschen Fußballerinnen, mit denen er eine kaum für mögliche Siegesserie in vier WM-Qualifikationsspielen und drei Freundschaftsspielen hinlegte, zu sehr ans Herz gewachsen. Vieles habe ihn an seine Anfangszeit als Fußballer erinnert. "Da ist Ehrlichkeit drin, ich brauchte nichts anzuschieben. Da ist noch ein Miteinander zu spüren." Werte, die im Millionenbusiness des Männerfußballs auf der Strecke bleiben.

Plädoyer für Frauenfußball

Deshalb möchte er die Erfahrung als Frauen-Bundestrainer nicht mehr missen. Aus seiner Sicht hätte der Frauenfußball mehr Präsenz, mehr Zuschauer und damit mehr Wahrnehmung verdient. Dass er im Frühjahr gefordert war, nachdem Steffi Jones bei ihrem taktischen und personellen Schlingerkurs ihre Überforderung nicht mehr verbergen konnte, war für ihn selbstverständlich: "Bevor da jemand anders eine komische Idee hat, mache ich es lieber selbst."

Hrubesch hat mittlerweile so viel Gefallen an dem Job gefunden, dass er sagt: "Wenn ich 60 wäre, hätte ich es selber weiter gemacht."

Verzögerte Amtsübergabe

Doch der Staffelstab wird nun absprachegemäß an Martina Voss-Tecklenburg übergeben, die eigentlich schon viel früher hätte übernehmen sollen. Doch nachdem die ehemalige deutsche Nationalspielerin noch mit der Schweizer Nationalteam in die WM-Playoffs abdriftete, verzögerte sich der Amtsantritt.

Nun ist gut möglich, dass Voss-Tecklenburg mit einem kleinem Makel kommt: Die Schweiz hat das Hinspiel bei den Niederlanden mit 0:3 verloren, das Rückspiel in Schaffhausen (Dienstag 19 Uhr) wird gegen den Europameisters fast zur Mission Impossible.

Verständnisvoll und einfühlsam

Nichtsdestotrotz bestehen an der fachlichen Eignung der 50-Jährigen keine Zweifel. Voss-Tecklenburg hat mit Amtsübernahme 2012 den Schweizer Frauenfußball aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Auf einmal spielten die Eidgenossen bei der EM 2013 in Schweden und vier Jahre später in den Niederlanden, 2015 in Kanada erstmals auch bei einer WM mit.

Um Strukturen zu verbessern, kann sie konsequent und unnachgiebig sein, gegenüber den Spielerinnen aber tritt sie verständnisvoll und einfühlsam auf. "Ich kenne sie, seitdem ich 13 bin und für die U-Nationalmannschaften spiele. Sie weiß genau, was sie macht, es gibt klare Vorgaben, aber man hat immer was zum Lachen", sagt Géraldine Reuteler, das 19-Jährige Sturmtalent vom 1. FFC Frankfurt.

Zauberwort Eigenverantwortung

Doch auch Hrubesch erhält ja allerlei Lob für seinen Führungsstil, mit dem der leutselige Anglerliebhaber die Spielerinnen auf seine Seite zog. Der authentische Charakter benötigte weder Schimpfkanonaden, Geldstrafen oder gar Comicfiguren, um zu überzeugen.

Sein Zauberwort lautet: Eigenverantwortung. Die Hierarchie hat er bewusst breit gemacht, um die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, dazu schnell erkannt, welches System, welche Philosophie am besten passt. Der Spaßfaktor stellte sich fast von alleine ein.

Fürs Leben gelernt

Dass ein Fachmann an der Linie stand, der als Aktiver selbst alles erlebt hatte, war außerdem beim Durchschreiten der Talsohle hilfreich. "Es war eine prägende Zeit mit Horst. Ich habe von ihm gelernt. Für mein Spiel, aber auch fürs Leben", lobte zuletzt Lina Magull, Torschützin beim 5:2 gegen Italien.

Bei seiner Mannschaft, sagt Hrubesch, sieht er indes noch "Luft nach oben". "25 Prozent Rest" seien noch vorhanden. Diese Schätze soll Voss-Tecklenburg heben, damit Deutschland nächsten Sommer um den WM-Titel mitspielt.

"Ein gutes Feld"

Co-Trainer Britta Carlson, ehemals Assistentin beim VfL Wolfsburg, ist schon seit dieser Saison eingebunden und hielt engen Kontakt zur designierten Bundestrainerin. "Martina war über jeden Schritt informiert", sagt Hrubesch. Auch seine rechte Hand, Thomas Nörenberg, verbleibt im Trainerstab fürs Frauenteam.

Hrubesch geht nicht so weit, dass er von einem bestellten Feld spricht, das seine Nachfolgerin vorfindet. Aber: "Das ist ein gutes Feld, das sie sich jetzt angucken und ihre eigenen Ideen einbringen kann."

DFB-Frauen auf dem Weg zur WM 2019

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