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Freiburger Schule

Frauenfußball-WM | DFB-Frauen

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft wird das zweite WM-Gruppenspiel gegen Spanien (Mittwoch, 18 Uhr/live ZDF) in Valenciennes ohne Dzsenifer Marozsan bestreiten müssen. Die nachrückende Generation vertraut dabei vor allem einer anerkannten Kraftquelle im Schwarzwald.

Frauenfußball-WM, Deutschland - China am 8. Juni 2019: Julia Gwinn bejubelt ihr Tor zum 1:0
Giulia Gwinn bejubelt ihr Tor zum 1:0
Quelle: reuters/Stephane Mahe

Was eine Frauen-Weltmeisterschaft doch alles bewirkt. Auf einmal ist der Grad an Aufmerksamkeit bei Giulia Gwinn schlagartig gestiegen. Ein Siegtor im Auftaktspiel gegen China (1:0), die innige Umarmung mit den Eltern am Spielfeldrand inklusive Freudentränen des Vaters und ein selbstbewusstes Fernsehinterview haben die 19-Jährige bekannt gemacht. Und die mit einem Augenzwinkern gemeinte Charakterisierung von Kapitänin Alexandra Popp, die Flügelflitzerin des SC Freiburg sei "die Hübscheste", hat bewirkt, dass sich die Zahl ihrer Follower bei Instagram auf fast 55.000 vervielfacht  hat.

Die aus der Ortschaft Ailingen in Friedrichshafen am Bodensee stammende Sportmanagement-Studentin hat das Potenzial, zu einem prägenden Gesicht zu werden. Die junge Generation ist nach dem Ausfall von Dzsenifer Marozsan (Zehenbruch) umso mehr gefordert. Matchwinnerin Gwinn soll auch im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Spanien (Mittwoch, 18 Uhr/live im ZDF und bei zdfsport.de) eine Stütze sein – ganz egal, ob sie nun Rechts- oder Linksaußen, Rechts- oder Linksverteidigerin spielt. Gwinn ist noch vielseitiger als Joshua Kimmich in der Männer-Nationalmannschaft.

Neun Spielerinnen haben Freiburger Vergangenheit

Dem Allrounder des FC Bayern kommt sie bald insofern näher, als das beide nächste Saison beim selben Verein spielen. Gwinn wechselt - genau wie ihr Trainer Jens Scheuer - zum FC Bayern. Das ist fast gute Tradition im deutschen Frauenfußball. Wer den deutschen WM-Kader durchforstet, stellt schnell fest: Der Sportclub Freiburg steht in der Vita von neun Spielerinnen, vor allem von jenen des FC Bayern.

Neben Gwinn spielen Ersatztorhüterin Merle Frohms und Sturmtalent Klara Bühl aktuell in Freiburg, Sara Däbritz und Melanie Leupolz, Verena Schweers und Laura Benkarth begannen bereits in jungen Jahren im Breisgau ihre Karriere, ehe sie zum FC Bayern gingen. Auch Lina Magull und Carolin Simon haben vor ihren Stationen in München bzw. Lyon im Breisgau gespielt.

Neben Freiburg liefert Essen die meisten Spielerinnen

Während sich der spanische Kader aus zehn Spielerinnen vom Champions-League-Finalisten FC Barcelona und fünf vom Meister Atletico Madrid rekrutiert, sind der FC Bayern und die SGS Essen mit sieben bzw. fünf Akteuren für die deutsche Auswahl die wichtigsten Zulieferer. Aber der Schwarzwald spielt als Kraftquelle für die DFB-Frauen längst die wichtigste Rolle. "Der SCF ist eine richtige Talentschmiede", sagte die DFB-Direktorin Heike Ullrich bereits zur Frauen-WM 2017, als fünf Spielerinnen aus Freiburg kamen.

"Freiburg ist ein super Ausbildungsverein. Ich bin dort jung hingegangen und habe mich vier Jahre extrem gut entwickelt", erklärt Gwinn im Gespräch mit zdfsport.de. "Man bekommt dort das Vertrauen und die Wertschätzung. Das ist das, was junge Spielerinnen zur Weiterentwicklung brauchen, um dann den Schritt zu größeren Vereinen zu machen."  Dass sie das Angebot vom Vizemeister FC Bayern annehmen würde, stand für sie fest. "Es ist sportlich ein Schritt nach vorne. Man möchte international spielen, auf Champions-League-Niveau."

Lob von der Bundestrainerin

Freiburgs Managerin Birgit Bauer, seit fast drei Jahrzehnten im Breisgau die rührige Macherin im Hintergrund, hat dem "Schwarzwälder Bote" gesagt: "Es macht mich unfassbar stolz, wenn ich das Aufgebot für diese Weltmeisterschaft sehe." Die 55-Jährige kategorisiert ihren Klub als "ambitionierten Ausbildungsverein." Im Möslestadion werden die weiblichen Stars von morgen gemacht. Die Nachwuchsarbeit bei Männern und Frauen hat Priorität.

Freiburg wurde als erster Standort als Eliteschule des Fußballs für Mädchen und Jungen ausgezeichnet. Die Verzahnung zwischen Studium oder Ausbildung mit dem Leistungssport bildet die Basis, um in diesem dualen System zwei Karrieren voranzutreiben. Auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg preist die Aufbauarbeit in dieser Nische als vorbildhaft.

Die nächsten Talente warten schon

Der SC Freiburg arbeitet in der Frauen-Bundesliga mit einem knapp siebenstelligen Budget – das ist der Durchschnittswert aller zwölf Vereine. Trotzdem schloss der Klub 2016 auf Platz vier ab, verpasste ein Jahr später als Dritter nur knapp die beiden Champions-League-Plätze gegen die besser betuchte Konkurrenz. In diesem Jahr entschädigte der erstmalige Einzug ins DFB-Pokalfinale (0:1 gegen Wolfsburg) für Platz sieben.

Wenn jedes Jahr die besten Spielerinnen (und jetzt auch noch der Trainer) gehen, muss der Klub zwangsläufig die nächsten Talente herausbringen. Die U17-Juniorinnen aus Freiburg haben im Halbfinal-Hinspiel um die deutsche Meisterschaft gerade erst am Pfingstsamstag Turbine Potsdam mit 3:1 besiegt. Wenige Stunden bevor Giulia Gwinn auf der WM-Bühne ins Rampenlicht rückte.

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