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Sogar der Minister lobt die "Lionesses"

Frauenfußball-WM | Halbfinale England - USA ab 20.15 Uhr live im ZDF

Mit dem WM-Halbfinale gegen die USA erreicht die englische Frauen-Nationalmannschaft eine ungeahnte Aufmerksamkeit. Für das Duell gegen den Rekordweltmeister (heute, 21 Uhr/ZDF ab 20.27 Uhr) wendet Teammanager Phil Neville einen Trick an.

Englands Fußballerinnen mit Trainer Phil Neville
Im WM-Halbfinale: Englands Fußballerinnen mit Trainer Phil Neville
Quelle: reuters

Mentale Hilfe kann im Profifußball nicht schaden. Phil Neville weiß aus seinen vielen besonderen Momenten bei Manchester United genau, dass oft der Kopf die wichtigste Rolle spielt. Wenn etwas bei einer Frauen-WM plötzlich der Rekordweltmeister wartet, kann ein psychologischer Kniff ganz ratsam sein. So hat der 42-Jährige seinen Spielerinnen vor dem Halbfinale England gegen die USA (Dienstag 21 Uhr/ZDF ab 20.15 Uhr)  ein Video gezeigt, in dem Katherine Grainger zum Team spricht.

Sechs Weltmeisterschaften und fünf Olympia-Medaillen im Rudern zu gewinnen, darunter Gold bei den Spielen 2012 in London, kommt ja nicht von ungefähr. "Meine Spielerinnen wurden von einer Sportlerin inspiriert, die so viel erreicht hat", erzählte Neville. Er hatte Grainger schon in der Vorbereitung in den St. George’s Park geholt, um seiner Mannschaft vor allem Mut zu machen.

Über zehn Millionen TV-Zuschauer

Ich möchte, dass jedes Kind die Ausdauer, den Mut und die Entschlossenheit der Lionesses hat.
Damian Hinds

Es ist ja auch eine besondere Schwelle, vor der die Engländerinnen nun  stehen. Von einem "game-changing moment" sprechen Blätter wie der "Guardian", wobei sich die Frage stellt, ob sich gerade so viel ändert oder ob nicht eine kontinuierliche Entwicklung auf einen neuen Peak zusteuert. Könnte sein, dass erstmals zehn Millionen Fernsehzuschauer bei der BBC einschalten. Sechs Millionen waren es bereits beim Viertelfinale gegen Norwegen (3:0).

In Le Havre spielte das Team um Kapitänin Steph Houghton passenderweise erstmals so adrett wie Trainer Phil Neville am Spielfeldrand angezogen ist.  Die englische Effektivität wirkt weltmeisterlich, und nicht wenige sind überzeugt, dass der Rekordweltmeister sich nur noch von einem Gegner aufhalten lässt, der die Unterstützung aus der Heimat spürt, wie Jade Moore versicherte. "Kanada war wirklich sehr, sehr weit weg, aber jetzt spielen wir direkt vor unserer Tür", sagt die Mittelfeldspielerin des FC Reading.

Lob vom Bildungsminister

Abbie McManus, die Verteidigerin von Manchester City, sieht eine Chance, dass Mädchen auf dem Schulhof bald Trikots tragen, "auf denen Namen wie McManus oder Williamson stehen und nicht mehr Rooney oder Ronaldo§. Für konservative Politiker sind diese Nationalspielerinnen bereits Idole. "Ich möchte, dass jedes Kind die Ausdauer, den Mut und die Entschlossenheit der Lionesses hat", schrieb Bildungsminister Damian Hinds. Mit Kampagnen wie "This Girl Can" sollen an Schulen die Hürden abgebaut werden, dass Mädchen Sport treiben - und dafür sind jetzt kickende Idole da.

Wir müssen verstehen, dass es nicht okay ist, ein Halbfinale zu verlieren.
Phil Neville

Neville verlangt, dass seine Spielerinnen gegen die USA über die Schmerzgrenze gehen. Sie müssten ihr "bravery level", das Tapferkeitslevel, um 20 Prozent erhöhen, fordert der Coach, der zusammen mit seinem Bruder Gary lange für Manchester United spielte. Die ihm dort vermittelte Siegermentalität möchte der 42-Jährige übertragen: "Wir müssen verstehen, dass es nicht okay ist, ein Halbfinale zu verlieren." Nur weil prägende Figuren wie Karen Bardsley, Lucy Bronze, Jill Scott oder Ellen White jetzt dreimal in Folge unter den letzten Vieren der großen Turniere standen.

Auch die Vereine machen mit

Einig sind sich Verband und Vereine auf der Insel, dass die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußball ruhig ein bisschen was kosten darf.

Und so ist das Mutterland des Fußballs im weiblichen Bereich im Eiltempo auf der Überholspur.

Spielerberater wie Dietmar Ness, der mehr als zwei Dutzend WM-Teilnehmerinnen betreut, berichten zudem von einer anhaltend hohen Nachfrage nach ausländischen Topspielerinnen. "Wir haben so viele Schritte in den vergangenen Jahren gemacht“, sagt Emma Hayes, die umtriebige Managerin der Chelsea Ladies, "da ist eine internationale Trophäe das letzte fehlende Teil."

Deutscher Markt als Vehikel

Ihr Klub scheiterte in diesem Jahr noch im Halbfinale der Women’s Champions League am Seriensieger Olymique Lyon, aber irgendwann soll die Women’s Super League (WSL) die weibliche Königsklasse mal so dominieren wie das männliche Pendant. Der deutsche Markt darf ruhig als Vehikel dienen.

Der FC Arsenal hat erst dem FC Bayern drei weitere Nationalspielerinnen - die Deutsche Leonie Maier, die Niederländerin Jill Roord und die Österreicherin Manuela Zinsberger - abgeluchst, um sich dann die Bayern-Frauen zur Saisoneröffnung einzuladen.

Am 28. Juli kommt es nämlich im Emirates-Stadium zur ersten Gemeinschaftsveranstaltung von Männer und Frauen: Erst spielen die Arsenal Ladies, dann kicken Pierre-Emerick Aubameyang und Mesut Özil.

Gegen DFB-Frauen am 9. November

Aber manchmal braucht es die männlichen Zugpferde auch gar nicht mehr. Das Wembleystadion soll nach Willen der Football Association (FA) allein mit dem Frauen-Länderspiel England gegen Deutschland am 9. November gefüllt werden. Ob die DFB-Frauen dann vielleicht sogar bei einem Weltmeister oder Vizeweltmeister antreten, entscheidet sich heute Abend im Stade de Lyon.

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