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Reizfigur Rapinoe

Frauenfußball-WM | Halbfinale England - USA ab 20.15 Uhr live im ZDF

Niemand erregt bei dieser Frauenfußball-WM sportlich und politisch so viel Aufmerksamkeit wie Megan Rapinoe. Die Anführerin des US-Teams will ihre Mitspielerinnen auch im Halbfinale gegen England (heute, 21 Uhr/ZDF ab 20.27 Uhr) mitziehen.

Megan Rapinoe
Power und Spielwitz: Megan Rapinoe
Quelle: ZDF

Natürlich wäre Jill Ellis jetzt eigentlich ein großes Thema. Das Halbfinale der Frauen-WM zwischen England und den USA ist wie gemacht, um die Brücke zwischen den beiden Ländern über die Trainerin des US-Teams zu schlagen.

Gebürtige Britin

Die 52-Jährige ist schließlich gebürtige Britin, hat in Portsmouth gelebt, ehe ihre Eltern Anfang der 80er Jahren in die USA auswanderten. Sie weiß wie zwei Nationen ticken, in denen ihr Gegner erst seit kurzem das Herz für den Frauenfußball entdeckt hat. "Großartig", sagt sie, sei die Entwicklung in England.

Und doch richten sich im Vorlauf mal wieder viele Fragen an die Trainerin, die mit ihrem Superstar zu tun haben: Megan Rapinoe und ihrer Doppelrolle als Vorkämpferin. Wobei Ellis es immer vermeidet, auch nur ansatzweise politische Statements abzugeben.

Aber über die Persönlichkeit Rapinoe kann sie ja reden: "Wenn junge Spielerinnen ins Team kommen, sage ich ihnen immer, sie sollen sich an Megan wenden, wenn es um große Momente geht. Denn sie verkörpert wie keine andere die Einstellung, niemals aufzugeben. Sie liebt und lebt für solche Momente."

Den Trump-Attacken getrotzt

Sie wie am Freitagabend im Pariser Prinzenpark: Sowohl gegen Frankreich (2:1) als auch gegen Spanien (2:1) hat die Nummer 15 mit einem Doppelpack eine etwas unrunde Gesamtleistung geglättet. Und das nach diesem Hickhack, weil sie sich seit längerem gegen die Politik des US-Präsidenten Donald Trump richtet. Und nur wer über den Dingen schwebt, kann so viel Druck aushalten wie die 33-Jährige, die am kommenden Freitag Geburtstag hat. Dass sie 2012 in London schon Olympiasiegerin und 2015 in Vancouver Weltmeisterin wurde, hilft ihr bei der Gelassenheit.

Mich motivieren die Menschen, die mich mögen, die für dieselben Dinge kämpfen.
Megan Rapinoe

Kürzlich wurde ein vor der WM von einem Lifestyle-Magazin aufgenommenes Video wieder aktuell, in dem die bekennende lesbische Sportlerin Rapinoe  bekräftigte, sie werde garantiert keiner Einladung in das verdammte ("fucking") Weiße Haus folgen, so dass der US-Präsident erwiderte, Rapinoe solle erstmal gewinnen und dann reden ("should WIN first before she TALKS"). Die Fußballerin tat wie befohlen: Die ausgebreiteten Arme beim Torjubel im Pariser Prinzenpark zeugten von ihrer großen Strahlkraft. "Jeder versteht die Bedeutung dieser Nacht", sagte sie hernach. "Mich motivieren die Menschen, die mich mögen, die für dieselben Dinge kämpfen wie ich. Daraus ziehe ich mehr Energie als daraus, irgendjemand etwas beweisen zu wollen."

 Ali Krieger steht auf ihrer Seite

Die Mitspielerinnen haben sich von der Aktivistin gegen Rassismus, Homophobie und Geschlechterdiskriminierung mit vier Toren fast allein in die Finalwoche nach Lyon ziehen lassen.

Und so trauen sich auch immer mehr, ihre Meinung kundzutun. Die deutschsprachige Ali Krieger, lange beim 1. FFC Frankfurt aktiv, entgegnete erst über Twitter, sie werde zu "@mPinoe" stehen. Nun spottete sie, der Besuch im Weißen Haus sei kulinarisch kaum lohnend, weil Trump immer nur Burger auftische: "Wir wollen gar kein McDonalds-Essen."

An Rapinoe haben sich nun die Demokraten aus dem Repräsentantenhaus gewandt. "Das ist vielleicht nicht das Weiße Haus, aber wir würden uns freuen, Megan Rapinoe und das US-Frauen-Team für eine Tour durch das Repräsentantenhaus zu begrüßen, wann immer sie wollen", schlug die progressive Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez von der Demokratischen Partei per Twitter vor.

Alex Morgan spielt nur noch eine Nebenrolle

Rapinoe befindet sich gerade auf bestem Wege, das Gesicht des Turniers zu werden. Wie in ihrer Frisur die Farben Rosa und Lila verschmelzen, so vereinen sich bei ihren Auftritten mehrere  Botschaften. Nun betonte sie noch, wie wichtig doch die Vielfalt im Fußball sei. "Man kann eine Meisterschaft nicht ohne Homosexuelle im Team gewinnen, das hat es noch nie gegeben. Das ist wissenschaftlich erwiesen."

Sie findet übrigens auch nicht, dass die US-Girls gerade ein bisschen zu viel auf Kraft und Athletik und zu wenig auf Technik und Flexibilität setzen: Defensive und Disziplin brauche es auch. Doch die 157-fache Nationalspielerin ist eine der wenigen, die neben Power auch Spielwitz verkörpert. Es hat nur ein bisschen gedauert, bis sie ins Turnier fand. Als der Rekordweltmeister zum Auftakt Thailand (13:0) sturmreif schoss, stand das Torfestival ganz im Zeichen von Alex Morgan.

Das perfekt vermarktete Covergirl des US-Soccers erzielte damals in Reims fünf Tore, doch kein Treffer wurde an jemand Abend so bejubelt wie das 9:0 von Rapinoe nach 80 Minuten. Auf dem Hosenboden rutschte sie Richtung Ersatzbank und bewegte ein Bein hin und her. Wie ein Kleinkind, das in einem zu engen Strampler steckte. Ein Gefühl der Befreiung, das zugleich Startschuss für eine jetzt schon sagenhafte Weltmeisterschaft war.

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