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Sané, der Hoffnungsträger

Fußball - Nations League

Leroy Sané bringt viel von dem ein, was der DFB-Elf bei der WM gefehlt hat: Tempo und Finesse. Trotzdem ist fraglich, ob der 22-Jährige zum Auftakt der Nations League gegen Frankreich (Donnerstag 20.45 Uhr/live ZDF) spielt.

Leroy Sané (r.) und Joachim Löw (l.), aufgenommen am 04.09.2018 in München
Leroy Sané (r.) und Joachim Löw
Quelle: dpa

Das Aufwärmprogramm auf dem piekfein gepflegten Rasenplatz auf dem Campus des FC Bayern hatte noch gar nicht begonnen, da tätschelte Joachim Löw kurz das Kraushaar von Leroy Sané. Es folgte in dem kleinen Stadion im Münchner Norden ein kurzer Plausch mit dem Bundestrainer, dann erst durchlief der Flügelspieler in einer Gruppe mit Antonio Rüdiger, Julian Draxler, Ilkay Gündogan, Toni Kroos und Nico Schulz die aufgestellten weißen Stangen. Seitwärts, vorwärts und rückwärts.

Begebenheiten beim Training der deutschen Nationalmannschaft, die einiges für den Auftakt der Nations League gegen Frankreich (Donnerstag 20.45 Uhr/live ZDF) verraten. Zum einen: Der hochbegabte Sané, unter einem recht lauten medialen Aufschrei kurz vor der WM von Löw aussortiert, spielt für den 58-Jährigen wieder eine Rolle, sonst wäre er nicht erster Gesprächspartner.

Zukunft beginnt jetzt

Denn wie sagte der Badener schon bei der Vorstellung seiner WM-Analyse zur Causa Sané: "Zum damaligen Zeitpunkt waren wie der Meinung, dass der Kader so der Beste ist. Dass der Leroy ein unglaubliches Talent hat, ist uns nicht verborgen geblieben. Ich habe ihm gesagt: Deine Zukunft bei der Nationalmannschaft, die muss dann nach der WM beginnen. Du kannst für uns ein sehr wichtiger Spieler in den nächsten Jahren werden.“

Ich habe ihm gesagt: Deine Zukunft bei der Nationalmannschaft, die muss dann nach der WM beginnen.
Joachim Löw über Leroy Sané

Zum anderen: Die ganze Mannschaft soll in allen Lagen die Orientierung behalten, darauf deuten die Schwerpunkte des Trainings auch hin. Sie soll künftig genauso leidenschaftlich verteidigen wie sie lustvoll angreifen darf. Thomas Müller verriet, dass es Unterzahl-Übungen auf dem schmucken FCB-Gelände gegeben habe, in denen jeder einzelne mit vollem Einsatz das eigene Tor verteidigt. Was nicht immer Sanés Stärke ist.

Auch bei der Hingabe im Training soll es immer wieder Defizite gegeben haben. Übrigens auch im Trainingslager. Hinzu kommen arg fahrige Auftritte des zwölffachen Nationalspieler wie im Freundschaftsspiel im Frühjahr gegen Brasilien (0:1). Als Löw damals konstatierte, manch Himmelsstürmer schieße halt doch nicht so schnell durch die Decke wie gedacht, war allen klar, dass damit zuvorderst Sané gemeint war.

In England gerade aussortiert

Und gerade da kommen die Geschehnisse in seinem Heimatverein Manchester City eigentlich zur Unzeit. Denn Klubcoach Pep Guardiola berief am vergangenen Wochenende den zum besten Jungprofi der Premier League gewählten Überflieger gegen Newcastle United (2:1) gar nicht in den Kader.

Guardiola soll von seinen Trainingsleistungen enttäuscht gewesen sein und das Trainerteam den Eindruck haben, dass der Jungstar seit der Ausbootung durch Löw vor der WM das Problem gehabt haben soll, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Citizens können sich solch einen Luxus locker leisten: An Sanés Stelle wirbelte eben Raheem Sterling auf dem Flügel. Der deutsche Nationalspieler hat in dieser Saison überhaupt nur drei Kurzeinsätze verbucht, wird aber aufgrund der Terminfülle sicher noch zu seinen Spielminuten kommen.

Mutmaßungen sind hypothetisch

Er wäre eine Riesenbereicherung, eine Waffe. So eine Qualität im Kader haben wir nicht.
Toni Kroos über Leroy Sané

Für Löw war unabhängig davon klar, nicht auf Sané zu verzichten; seine Berufung war ein Signal, aus einer Fehleinschätzung die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wäre es mit solch einem Spieler, der mit seinem Tempo und seiner Finesse den Unterschied machen und gerade in einer festgefahrenen Partie wie im dritten WM-Gruppenspiel gegen Südkorea (0:2) für das Überraschungsmoment sorgen kann, vielleicht besser gelaufen? Löw: "Es ist hypothetisch, jetzt zu sagen, das hätte man anders machen müssen."

Am Mittwoch äußerte sich Mitspieler Kroos in der Causa Sané sehr deutlich: "Wir müssen einen Weg finden, um ihn zur Topleistung zu bringen. Er wäre eine Riesenbereicherung, eine Waffe. So eine Qualität im Kader haben wir nicht. Er würde uns mehr Optionen bringen, wenn er es auf den Platz bringt." Doch der Unterschiedsspieler brauche halt Führung - und solle sich eine bessere Körpersprache zulegen, verlangte Führungskraft Kroos unverblümt.

Also sind alle jetzt gefordert, die Talente seiner Nummer 19 wieder besser zu nutzen. Denn Leroy Sané wurden gewisse Fähigkeiten sozusagen in die Wiege gelegt: Vater Souleyman Sané, einst Bundesligaprofi bei der SG Wattenscheid 09 und beim SC Freiburg, vermachte ihm die fußballerische Gabe, seine Mutter Regina Weber-Sané, 1984 Gewinnerin einer olympischen Bronzemedaille in der rhythmischen Sportgymnastik, die Elastizität und Athletik. Die Kindheit verbrachte er überwiegend mit dem Kicken, schloss sich früh dem FC Schalke 04 an, unterschrieb mit 18 Jahren seinen ersten Profivertrag.

Er kommt vermutlich als Joker zum Zuge

Dass der Ruhrpottjunge bereits nach zwei Bundesligaspielzeiten auf die Insel wechselte, hat nicht jeder verstanden. Doch gerade die vergangene Saison widerlegte eigentlich die Kritiker, die den Wechsel zu einem Global Player wie Manchester City als verfrüht ansahen. Am Meistertitel hatte der schnelle Linksaußen mit zehn Toren und 15 Vorlagen in 32 Spielen entscheidend mitgewirkt.

So einer muss eigentlich gut genug sein, um auch der deutschen Nationalmannschaft nicht erst langfristig helfen zu können. Vielleicht ja schon in der ausverkauften Arena in München-Fröttmaning gegen Frankreich. Und wenn er als Einwechselspieler den Weltmeister überrascht. Vielleicht hat Löw ihm das ja schon beim Training geflüstert.

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