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Professor „Zeh“ und das gute Leben

Ehemaliger Bundesliga-Profi zu Gast beim Brasilien-Spiel

Der frühere Bundesligaprofi Zé Roberto musste schon auf Landsmann Giovane Elber treffen, um nach vier Jahren bei Bayer Leverkusen in München richtig mit dem Deutschlernen zu beginnen. Beim Länderspiel gegen Brasilien ist der 43-Jährige Gast-Experte im ZDF.

Ze Roberto

Der bislang letzte Abschied aus Deutschland liegt schon sieben Jahre zurück, ihre zweite Heimat bleibt bei Familie Zé Roberto aber weiter aktuell. Denn gemeinsam mit Ehefrau Luciana achtet der frühere Bundesligaprofi von Bayer Leverkusen, Bayern München und dem Hamburger SV sorgsam darauf, im brasilianischen Alltag immer auch ein bisschen deutsch zu sprechen.

Karriereende mit 43

Er wolle in Übung bleiben, betont Zé Roberto – der noch Ende letzten Jahres offen mit einem künftigen Engagement beim FC Bayern liebäugelte. Fünf Wochen nach seinem Karriereende – mit 43(!) – fing der frühere Mittelfeld- und Abwehrspieler Anfang Januar aber zunächst mal als Sportlicher Leiter beim Topklub Palmeiras in seiner Heimatstadt Sao Paolo an.

Nun, auf Stippvisite in Europa, erzählte er in einem Interview mit der „tz“ gerade von einem Essen mit Cheftrainer Jupp Heynckes und plauderte dabei aus, dass der 72-Jährige keine Lust habe, den Job auf der Bank über den Sommer hinaus auszuüben. Die brasilianische Plaudertasche selbst will mit dem Trainerberuf dagegen gar nicht erst anfangen.

Vorbildlicher Profi

Die stressige Tätigkeit widerspricht Zé Robertos Vorstellung von einem angenehmen Dasein. „Das zehrt aus, das habe ich als Spieler zwei Jahrzehnte lang beobachtet. Das ist kein gesundes Leben, ich möchte das nicht. Statt Freude am Fußball zu haben, arbeitet man sich am Trainerjob auf“, sagte der 84-malige brasilianische Nationalspieler dem „kicker“ kürzlich.

Mindestens 80 Jahre alt werden will Zé Roberto, mit Palmeiras mit 41 Pokalsieger und mit 42 Meister geworden. Es wäre die logische Fortsetzung für sein vorbildliches Leben als Profi – sein Markenzeichen als Fußballer inklusive: der bis ins fortgeschrittene Spieleralter beeindruckende Waschbrettbauch.

Wasser statt Alkohol

Als er am 27. November 2017 gegen Botafogo FR im Trikot von Palmeiras seine letzte von 1161 Partien als Profi bestritt (davon 336 in der Bundesliga), lag sein Körperfettanteil rekordverdächtig niedrig bei sechs Prozent. „Hätte ich seine Gene, würde ich meine Karriere auch nicht beenden“, kommentierte Altamiro Bottino, der Chef der Leistungsdiagnostik bei Palmeiras, mal.

Marcell Jansen, ehemaliger Mitspieler beim HSV, der mit 29 seine Karriere beendete, bezeichnete Zé Roberto als den wohl „professionellsten aller Fußballprofis“. Der dreifache Familienvater behandelte den eigenen Körper stets wie ein Heiligtum: Alkohol war tabu, stattdessen trank er jeden Tag mehrere Liter Wasser und Traubensaft.

Deutsch auf Sparflamme

In Leverkusen, seiner ersten Bundesligastation, verpassten die Mitspieler dem smarten Südamerikaner, der mit seiner feinen Goldrandbrille mehr an einen Geschäftsreisenden als an einen Fußballer erinnerte, den Spitznamen „Professor“. Mit den Deutschlektionen nahm es der modische Kicker damals allerdings nicht so ernst – musste er auch nicht, Reiner Calmund sei Dank.

Der damalige Bayer-Manager nannte Zé Roberto der Einfachheit halber in seinem rheinischen Slang meist nur „der Zeh“. Der hatte beim Werksklub zu der Zeit gleich vier Brasilianer um sich herum, so dass er im Training und auf dem Platz mit Portugiesisch bestens klarkam. Zudem waren in Leverkusen ständig Übersetzer mit dabei.

Elbers Kniff

Im Alltag aber plagten Zé Roberto enorme Sprachprobleme – und er musste schon 2002 zu den Bayern wechseln, damit sich das änderte. Den entscheidenden Kniff lieferte dabei Giovane Elber: Der stürmende Landsmann verweigerte einfach die Unterhaltung in der gemeinsamen Muttersprache. So begann Zé Roberto nach vier Jahren im Land, richtig Deutsch zu lernen. So dass er und Gattin Luciana es nun, im brasilianischen Alltag, nur immer wieder auffrischen müssen.

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