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Mit dem Schulstoff zur Frauen-WM

Die 17-jährige Lena Oberdorf ist das Nesthäkchen im DFB-Kader

Sie geht in die elfte Klasse und hat bis vor kurzem noch mit ihren Schulfreunden bei der TSG Sprockhövel gekickt: Die 17-jährige Lena Oberdorf ist die jüngste Spielerin bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Bei der WM in Frankreich (ab 7. Juni) könnte sie wichtiger werden als viele glauben.

Fußball-Nationalspielerin Lena Oberdorf im Testspiel am 30. Mai 2019 gegen Chile.
Lena Oberdorf im Testspiel gegen Chile
Quelle: imago images / DeFodi

Für Lena Sophie Oberdorf war zuletzt alles neu: ein Trainingslager in einem Golf-Hotel nahe am Chiemsee zu bestreiten, den Bundespräsidenten Frank-Walter-Steinmeier zu Besuch zu haben oder von FIFA-Abgesandten über die Gefahren der Wettmanipulation aufgeklärt zu werden. Lauter Eindrücke und Erlebnisse, die es für die 17-Jährige im Vorlauf zur Frauen-WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) neben Training und Taktikbesprechung zu verarbeiten galt.

Es zählt nicht das Alter, sondern die Leistung

Lena Oberdorf im DFB-Trikot
Fußball-Nationalspielerin Lena Oberdorf
Quelle: dpa

Heute reist das Team von Frankfurt direkt in den ersten WM-Spielort Rennes, wo das erste Gruppenspiel gegen China (8. Juni/ARD) stattfindet. Dass die nicht volljährige Allrounderin  von der SGS Essen - deren Geburtsdatum aus Datenschutzgründen kurioserweise in offiziellen Listen oft verschwiegen wird - mit dabei ist, werteten viele als Überraschung.

Martina Voss-Tecklenburg indes ging strikt nach dem Leistungsprinzip vor. "Ihr Alter hat keine Rolle gespielt, sondern in erster Linie ihre Leistungen", sagte die Bundestrainerin. Selbiges gelte für die erst 18-jährige Klara Bühl (SC Freiburg): "Beide haben sich noch mal entwickelt und bringen Frische und Unbekümmertheit mit. Beides kann ein wichtiger Faktor im Turnierverlauf werden."

Startschuss für eine große Karriere

Lena Oberdorf und Klara Bühl sind Gesichter der nachrückenden Generation. Sie müssen keine frechen Sprüche machen, um aufzufallen.

Ihr Selbstbewusstsein speist sich aus fußballerischem Talent. Ihre Zielsetzung für die WM? "Erstmal nur reinschnuppern. Wenn ich nur reinkomme, bin ich schon glücklich. Mein Ziel ist es, das Team auf und neben dem Platz so gut es geht zu unterstützen", sagt Oberdorf im Gespräch mit zdfsport.de.

Sie wolle Erfahrungen sammeln und zu einer etablierten Spielerin heranwachsen. Vorbilder verortet sie im eigenen Team: "Ich hätte gerne die Technik von Maro und den Kopfball von Alex." Die Mischung aus Dzsenifer Marozsan und Alexandra Popp charakterisiert einen weiteren Vorzug: ihre Flexibilität. "Ich kann überall im Zentrum spielen. Und ich denke, dass ich robuster gebaut bin, ein gutes Kopfballspiel und eine gute Übersicht habe."

Der Vater führt eine Kanzlei

Dass sie die Nummer sechs bekommen hat, wirkt ein bisschen irreführend, ist Oberdorf doch eher vorwärts orientiert: Neun Saisontore sind ihr in Essen gelungen. Für das bis 2021 gebundene Toptalent ist es kein Zufall, dass der Bundesliga-Vierte mit fünf Spielerinnen die größte WM-Fraktion stellt. Der Verein sei wie "eine zweite Familie", sagt sie.

Bei der Generalprobe gegen Chile (2:0) durfte Oberdorf ihr drittes Länderspiel machen, was als Indiz zu deuten ist, dass die WM schon der Startschuss einer verheißungsvollen internationalen Karriere werden könnte. Mutter Bettina und Vater Frank, der eine Anwaltskanzlei führt, haben einen Frankreich-Besuch vorsichtshalber bereits fest eingeplant.

In der Jugend von den Jungs gelernt

Lena Oberdorf wuchs in Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet  in einer sportlichen Familie auf. Schwester und Bruder hätten immer im Garten gekickt, "da habe ich dann mitgemacht".

Sie kam zuerst bei den Bambini im TuS Ennepetal unter, ehe sie später für die TSG Sprockhövel spielte. Bis zu den B-Junioren hat sie sich ausnahmslos mit Jungs gemessen. "Ich würde jedem Mädchen raten, so lange es geht bei den Jungs zu bleiben", sagt sie.

Es habe nie Akzeptanzprobleme gegeben: "Das lag daran, dass ich von Anfang an dabei war, deswegen kannten die Jungs es gar nicht anders. Mit den meisten war ich in der Schule, und die wussten, das ich was kann." Dass sie oft das einzige Mädchen war, störte sie nie. Sie hat sich in der Schiedsrichterkabine umgezogen und geduscht - und wenn das nicht ging, "haben die Jungs alle vor der Kabine gewartet", sagt sie und lacht.

Schulstoff im Reisegepäck

Mit dem Wechsel zur SGS  Essen zur vorigen Saison ist der Aufwand deutlich gestiegen, denn Lena Oberdorf macht gerade erst ihren Führerschein ("Theorie habe ich schon bestanden"): Eltern und Opa spielen vier Mal die Woche den Fahrdienst.

Ihr Abitur am Gymnasium Gevelsberg steht nächstes Jahr an. Aber auch die 11. Klasse ist nicht ohne, wenn der Fußball so viele Fehlzeiten verursacht: "Ich muss alles nacharbeiten und schreibe auch die Klausuren nach."

Für ihre Leistungsfächer Englisch und Sport und die Prüfungsfächer Mathe und Pädagogik hat sie den Lernstoff sicherheitshalber eingepackt.

"Manchmal", erzählt sie daher, "muss ich selbst schmunzeln, wie jung ich hier noch bin." Mit Kapitänin Popp flachste sie kürzlich über beliebte Kindersendungen. Die 28-Jährige hatte als frühere Tierpflegerin stets "Unsere kleine Farm" geschaut. "Was ist das denn?" fragte Lena Oberdorf. Die Serie aus amerikanischer Produktion aus den 70er und 80er Jahren ist in ihrer Generation gar nicht mehr angesagt.  

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