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Riem Hussein - starke Frau an der Pfeife

Die Apothekerin ist bei der Frauenfußball-WM im Einsatz

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Riem Hussein feiert bei der Frauen-WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) ihre Premiere: Erstmals tritt die 38-Jährige auf dieser Bühne als Unparteiische auf. Darauf hat die Apothekerin aus Bad Harzburg lange hingearbeitet.

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Die nächsten Wochen werden wie im Fluge vergehen. Riem Hussein (am Dienstag zu Gast in der ZDF-Sendung "Volle Kanne) spürt ja selbst, wie sich die Mischung aus Vorfreude und Anspannung einstellt. Erstmals wird die selbstständige Apothekerin aus Bad Harzburg bei der Frauen-WM 2019 in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) als Schiedsrichterin auftreten. Weil sie dafür nach eigener Aussage „in bester Verfassung“ sein will, ist der Aufwand zuletzt noch erheblich gestiegen.

Weite Reisen zu Vorbereitungslehrgängen, der Einsatz an den Wochenenden und nicht zuletzt das Training für die eigene Fitness nehmen erheblich mehr Zeit als früher in Anspruch. „Das geht nicht mehr einfach nur nebenbei.“ Sie kann sich glücklich schätzen, die Apotheke gemeinsam mit ihrer Schwester Fadwa und ihrem Bruder Fadi zu führen, so dass ihre Abwesenheit - gerade auch diesen Sommer - von der Familie aufgefangen wird. „Das ist für mich eine komfortable Situation.“

Drei deutsche Schiedsrichterinnen bei der WM

Unter den nominierten 25 WM-Schiedsrichterinnen und 48 Assistentinnen befinden sich auch noch Bibiana Steinhaus (Langenhagen) und Katrin Rafalski (Bad Zwesten), die beide nach 2011 und 2015 bereits das dritte Mal bei einer WM antreten. „Wir kommen ja aus derselben Ecke. Deshalb freut es mich, dass wir zu dritt dabei sind“, sagte Riem Hussein. Zu dem Job kam die durchsetzungsstarke Frau eher zufällig. „Ich glaube, ich war in jungen Jahren mit den Schiedsrichtern nicht immer einer Meinung. Dann habe ich mit meinem jüngsten Bruder den Schiedsrichterschein gemacht.“ Mit Anfang 20 spielte sie allerdings selbst beim MTV Wolfenbüttel in der 2. Frauen-Bundesliga.

„Ich hatte auch Anfragen vom Hamburger SV und VfL Wolfsburg, aber ich wollte damals mein Studium nicht vernachlässigen.“ Sie promovierte schließlich an der Technischen Universität Braunschweig im Fachbereich Pharmazeutische Technologie, was definitiv die richtige Entscheidung gewesen sei. Zumal Hussein sich rückblickend eingesteht: „Zur Nationalspielerin hätte ich es wohl nicht gebracht. Ich war als Fußballerin kein Jahrhunderttalent.“ Dafür machte sie umso schneller im Schiedsrichterwesen Karriere. 2005 kam sie bereits in der 2. Frauen-Bundesliga zum Einsatz, ein Jahr später in der höchsten Frauen-Spielklasse, wo sie schon rund 100 Spiele geleitet hat.

Malheur bei der EM 2017

Alles im Griff auch in der 3. Männer-Liga: Riem Hussein.
Alles im Griff auch in der 3. Männer-Liga: Riem Hussein.
Quelle: Imago

Inzwischen hat sich mit der Umstrukturierung im Schiedsrichterwesen ihr Fokus verlagert: In dieser Saison kam Hussein weitaus häufiger in der Dritten Liga bei den Männern zum Einsatz als in der Frauen-Bundesliga. Dafür leitete sie Frauen-Länderspiele beim diesjährigen Zypern-Cup, sammelte Erfahrungen bei der U17-Frauen-WM in Uruguay.

Die erste WM-Endrunde mit den A-Teams bedeutet ihr persönlich sehr viel: „Früher hätte ich damit im Leben nicht gerechnet. Für mich geht ein Traum in Erfüllung.“ Riem Hussein hofft natürlich, dass ihr ein Malheur wie bei der Frauen-EM 2017 erspart bleibt, als sie sich beim Gruppenspiel Island gegen Österreich die Achillessehne anriss. „Es ist bei einem Sprint passiert, aber ich habe das anfänglich gar nicht mitbekommen und das Spiel noch zu Ende gebracht.“ Ein halbes Jahr musste sie danach pausieren.

Premiere des Videoassistenten

Frankreich wird auch deshalb für Riem Hussein eine besondere Herausforderung, weil erstmals bei einem Frauen-Turnier auch Videoassistenten eingesetzt werden. Insgesamt drei Seminare liefen unter Obhut des Weltverbandes FIFA in Abu Dhabi und Doha ab, um die Abläufe und die Kommunikation für den Videobeweis (VAR) zu erproben, mit dem die Schiedsrichterinnen im Alltag keine Erfahrung haben.

„Wir müssen dafür natürlich einen Schalter umlegen“, sagt die deutsche Unparteiische, die die Testläufe als gelungen bezeichnet. Lange war nicht klar, ob die FIFA den VAR-Einsatz bei den Frauen wagen würde. „Es steht und fällt doch damit, wie gut man selbst entscheidet. Am besten, man ist besser als die Technik. Und wenn man Fehler macht, können wir unsere Entscheidung mithilfe des Video-Assistenten korrigieren. Wir entscheiden immer nach bestem Wissen und Gewissen.“ Dass zuletzt in der Männer-Bundesliga Woche für Woche über den Videobeweis diskutiert wurde, hat sie natürlich mitbekommen, gibt aber zu bedenken: „Jede Entscheidung ist für die Beteiligten mit einer Subjektivität unterlegt.“

Aufgewachsen ohne Barrieren

Riem Hussein ist in Deutschland geboren, ihre Eltern stammen aus Palästina. Sie ist glücklich darüber, als „voll integriertes Mädchen“ aufgewachsen zu sein, das anfänglich gemeinsam mit Jungs auch Fußball spielen durfte. Nicht in allen Kulturkreisen ist das selbstverständlich.

Der deutsche Fußball sieht es für seine Zukunftsfähigkeit im weiblichen Bereich als wichtige Aufgabe an, den Anteil der Aktiven mit Migrationshintergrund zu erhöhen. „Meine Eltern waren zum Glück sehr offen, wenn es um Sport ging. Da gab es nie Probleme. Und es sollte auch keine Barrieren geben“, sagt Deutschlands zweimalige Schiedsrichterin des Jahres (2013, 2016). Auch deshalb ist ihr Auftritt bei der Frauen-WM nebenbei noch ein starkes Zeichen.

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